Zähl Pixel
Hochseilgarten

Klettertage am Kiekeberg sind gezählt

Den Kinderparcours, auf dem Henrik aus Buxtehude hier unterwegs ist, hat Michael Kreidenberg noch bis zum 31. Oktober geöffnet. Fotos: Weselmann

Den Kinderparcours, auf dem Henrik aus Buxtehude hier unterwegs ist, hat Michael Kreidenberg noch bis zum 31. Oktober geöffnet. Fotos: Weselmann

Schulklassen, Kindergeburtstage, Familien, Firmen, Vereinsgruppen – seit vielen Jahren ist der Hochseilgarten am Kiekeberg Anlaufstelle für ein besonderes Abenteuer inmitten der Natur. Jetzt ist es hier mit dem Klettererlebnis bald komplett vorbei.

Von Fenna Weselmann Donnerstag, 28.10.2021, 09:00 Uhr

Betreiber Michael Kreidenberg wird seinen direkt hinter dem Gasthaus zum Kiekeberg gelegenen Hochseilgarten für immer schließen. Den großen Parcours mit Stationen in bis zu 14 Meter Höhe hat er bereits gesperrt, der Kinderparcours ist noch bis einschließlich 31. Oktober geöffnet.

Eigentlich hätte der 58-Jährige nach der schweren Corona-Zeit gerne noch einmal in den Fortbestand seines Hochseilgartens im Rosengarten investiert, dafür braucht er aber Planungssicherheit. „Die Stationen müssen neu gebaut werden, eine solche Investition trägt sich aber nur mit einem Pachtvertrag über mehrere Jahre“, sagt Kreidenberg. Und diese Aussicht gibt es vonseiten des Gasthausbesitzers als Verpächter des Geländes derzeit nicht.

Kletterparcours müsste überholt werden

Für Überarbeitung und Neubau der Kletterparcours-Stationen müsste Michael Kreidenberg eine große fünfstellige Summe in die Hand nehmen. „Hinzu kommt, dass sich die Holz- und Stahlpreise gerade verdoppelt bis verfünffacht haben und es lange Lieferzeiten gibt. Wenn ich nicht selbst bauen würde, wären wir da sogar locker bei 150 000 Euro Kosten“, so Kreidenberg. Bei einem solchen Saisongeschäft mit erfahrungsgemäß vier Monaten Winterpause müsse man das erst mal erwirtschaften. Zumal ihm als Betreiber eines ganz besonders am Herzen liegt. Ihm ist immer wichtig, dass auch für Familien mit geringerem Einkommen ein Besuch möglich sein kann, so sein Anliegen. „Das muss bezahlbar bleiben“, ist seine Devise.

Als er vor 16 Jahren seinen ersten Hochseilgarten in Travemünde baute, war er einer unter ganz wenigen im Norden Deutschlands. Den Hochseilgarten am Kiekeberg betreibt er nun schon seit elf Jahren. An die Initialzündung für seinen radikalen Wechsel vom einstigen Anzugträger in der Versicherungs- und Finanzwelt großer Hamburger Firmen zum Anbieter für ein besonderes Selbsterfahrungserlebnis in der Natur kann er sich noch genau erinnern. Ein Besuch im Hochseilgarten Geesthacht hatte bleibende Wirkung. „Es war einfach traumhaft“, erzählt er. Und dann beschloss er von heute auf morgen: „Ich ändere mein Leben und baue einen eigenen Hochseilgarten.“

Suche nach Standort-Alternative

Bereut hat er diesen Schritt bis heute nicht: „Die Arbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen erfüllt mich einfach viel mehr, als Firmen an die Börse zu begleiten. Diese echte Freude, die ich sehe, wenn jemand dann so richtig glücklich ist.“ Ihm geht es vor allem darum, „Kinder und Jugendliche zurück in die Natur zu holen“. Dabei fördere das Klettererlebnis gleich mehrere Fähigkeiten, die bei Kindern zunehmend verloren gingen, wie er bei seiner Arbeit im Hochseilgarten erlebt: körperliche Betätigung, Gleichgewichtssinn, motorisches Geschick, Angstbewältigung und Eigenverantwortung. Den Kinderparcours in 1,5 Metern Höhe hat er nicht zuletzt deshalb extra in Kooperation mit einer Ergotherapeutin entwickelt. Und das gemeinsame Erlebnis stärke dazu noch das Wir-Gefühl in der Familie oder der Gruppe. „Das ist eine schöne und sinnvolle Aufgabe“, sagt Kreidenberg.

Bevor die Kinder auf gut 1,5 Metern Höhe von einer Station zur anderen klettern, gibt Michael Kreidenberg eine genaue Sicherheitseinweisung.

Bevor die Kinder auf gut 1,5 Metern Höhe von einer Station zur anderen klettern, gibt Michael Kreidenberg eine genaue Sicherheitseinweisung.

Deshalb hat er die Suche nach einem alternativen Standort mit entsprechend gesundem Mischwald aufgenommen, aber bisher hakt es immer an der Verkehrsanbindung. Eine entsprechende Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei enorm wichtig, damit auch Schulklassen ohne großen Aufwand kommen könnten. Außerdem brauche es Gastronomie und sanitäre Anlagen vor Ort. „Ich würde den Hochseilgarten sehr gerne fortführen. Wenn sich etwas findet, wo die Eckdaten stimmen, stehe ich sofort parat“, macht der Ur-Hamburger deutlich. Und es müsse wirklich gewollt sein in der Gemeinde oder Stadt. Auch gen Buxtehude, Stade und Cuxhaven würde er gehen. Und er könnte sich vorstellen, den Hochseilgarten mit einem seniorengerechten Angebot zu verbinden, das Gleichgewichtssinn und Motorik über bestimmte Bodenelemente fördert, sodass ein Mehrgenerationen-Treffpunkt entsteht.

„Tag guter Laune“

Trotz des traurigen Anlasses möchte Michael Kreidenberg sich am 31. Oktober von seinem Hochseilgarten am Kiekeberg mit einem „Tag guter Laune“ verabschieden. „Dann hänge ich Musik in die Bäume und wir verkleiden uns.“ Bis zuletzt sollen Kinder noch fröhlich klettern können. Nähere Infos gibt es per Telefon 01 72/ 1 69 19 61. Erreichbar ist Kreidenberg außerdem per E-Mail an michael@hochseilgarten-kiekeberg.de.

Michael Kreidenberg

Michael Kreidenberg

Weitere Themen

Weitere Artikel
Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.