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TLeben ohne Heizung in Stade: So reagiert der Hochhaus-Eigentümer

Egon Quednau hat sich zwei Heizlüfter angeschafft, damit er in seiner Wohnung nicht frieren muss.

Egon Quednau hat sich zwei Heizlüfter angeschafft, damit er in seiner Wohnung nicht frieren muss. Foto: Stehr

Heizung und Wasser sind in der Grünendeicher Straße 2 auch am Montagmorgen offenbar noch abgeschaltet. Was die Stadt, der Eigentümer und ein Anwalt zu dem Fall sagen.

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Von Lena Stehr
Montag, 12.01.2026, 19:20 Uhr

Wem gehört das Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2?

Die MMK Grundbesitz II eGbR aus Ahrensburg ist seit 2025 Eigentümerin der Immobilie Grünendeicher Straße 2. Das teilt der Anwalt des Unternehmens, Klaas Meyer-Gerhards, auf TAGEBLATT-Anfrage mit.

Als die MMK das Hochhaus kaufte, sei klar gewesen, dass es sich um einen „Sanierungsfall“ handele. Es liege nahe, dass der Voreigentümer, die „d.i.i. 9. Bestand A GmbH“, das Objekt nicht hinreichend gepflegt habe.

Wie viele Menschen leben noch in dem 40-Parteien-Hochhaus?

Laut Lona Hollander von der Abteilung Soziale Hilfen und Integration bei der Hansestadt Stade leben noch 16 Menschen in der Grünendeicher Straße 2. Ein älterer Mann, der sich nur eingeschränkt selbst helfen könne, sei von der Polizei aufgegriffen worden und lebe seitdem vorübergehend und auf eigenen Wunsch in einer Gemeinschaftsunterkunft der Stadt. Es handele sich hierbei um einen relativ ungewöhnlichen Einzelfall.

Kann die Stadt auch für die anderen Bewohner etwas tun?

In Anbetracht der aktuellen Wetterlage könne die Stadt auch den anderen Bewohnern anbieten, in eine Gemeinschaftsunterkunft zu ziehen, sagt Lona Hollander. Dabei sei aber wichtig, zu wissen, dass die Stadt das nicht allen Menschen anbieten könne, die gerade mit einer kaputten Heizung zu kämpfen haben. Dafür gebe es zu wenige Plätze. Zudem seien die Stadt oder die Allgemeinheit nicht verpflichtet, Vermieter von deren mietvertraglichen Pflichten zu entlasten.

Steht die Stadt in Kontakt mit dem Eigentümer?

Kurz vor Weihnachten 2025 habe sich die Immobilienverwaltung aufgrund von Heizungsausfällen per E-Mail mit einer relativ pauschal formulierten Bitte an die Stadt gewandt und sich nach möglichen Hilfen erkundigt, sagt Lona Hollander. Die Stadt habe daraufhin per Mail geantwortet und auf folgendes hingewiesen: Bei einem Heizungsausfall, der nicht so schnell wie möglich behoben werden kann, muss der Vermieter auf eigene Kosten eine adäquate Ersatzunterbringung ermöglichen oder den Mietparteien etwas anbieten, um den mietvertraglichen Pflichten gerecht zu werden.

Die Stadt wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob es Gründe für eine staatliche Unterstützung der Bewohner gebe. Eine Antwort der MMK sei bis heute nicht eingegangen, sagt Lona Hollander.

Was sagt der Eigentümer zu dem aktuellen Fall?

Der Anwalt der MMK Grundbesitz II eGbR teilt auf TAGEBLATT-Anfrage mit, dass die Vorwürfe der Mieter „haltlos“ seien. Es sei nicht richtig, dass Mietparteien in der Grünendeicher Straße 2 seit Wochen ohne Wasser und Heizung leben müssen. Den Vorwurf, die MMK sei für „menschenunwürdige Wohnbedingungen“ verantwortlich, bezeichnet der Anwalt als „etwas unfair“.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2. Foto: Stehr

Im Sommer 2025 sei das Hochhaus an die MMK übergeben worden. Um das Objekt wieder in einen vernünftigen Zustand zu versetzen, sei die Neumann Hochbau GmbH aus Henstedt-Ulzburg mit der Vollsanierung des Objektes beauftragt worden. Es würden unter anderem leerstehende Wohnungen umfangreich saniert und ein neuer Fahrstuhl eingebaut.

Seit zwei Jahren leben die Bewohner in der Grünendeicher Straße 2 schon ohne Fahrstuhl.

Seit zwei Jahren leben die Bewohner in der Grünendeicher Straße 2 schon ohne Fahrstuhl. Foto: Stehr

Während der Sanierungsarbeiten sei festgestellt worden, dass das Strangleitungssystem für Wasser und Heizung marode sei. Dadurch seien bereits Wohnungen von Wasserschäden betroffen und kaum bewohnbar. Eine Mieterin habe mitgeteilt, dass sie unter einem solchen Wasserschaden schon seit 2018 leide. Die MMK beseitige diese langjährigen Schäden nun kostenintensiv und lasse die Mieter - anders als vorherige Eigentümer - nicht im Stich.

Die Mieter Egon Quednau und Heidi Krause fühlen sich im Stich gelassen.

Die Mieter Egon Quednau und Heidi Krause fühlen sich im Stich gelassen. Foto: Stehr

Die MMK streite nicht ab, dass es im Rahmen der laufenden Sanierungen „mal dazu kommt, dass das Wasser abgestellt werden muss“. Dabei handele es sich jedoch immer nur um kurze Zeiträume. Das habe die mit den Arbeiten beauftragte Neumann Hochbau GmbH versichert.

Weiterhin streite die MMK nicht ab, dass es vor kurzem zu einem Heizungsausfall gekommen sei. Dieser sei jedoch sehr schnell durch ein Fachunternehmen wieder behoben worden.

Wie ist die Situation aktuell vor Ort?

Mieter Egon Quednau berichtet am Montagmorgen, dass die Heizung immer noch nicht wieder funktioniert. Auch das Wasser sei weiterhin abgeschaltet.

Wie geht es jetzt weiter?

Rechtsanwalt Damon Djobel aus Stade vertritt Egon Quednau inzwischen. Quednau hatte schon vor Weihnachten einen Eilantrag beim Amtsgericht Stade gestellt. Dieser zielt darauf ab, den Eigentümer gerichtlich zu verpflichten, Heizung und Wasser wieder bereitzustellen oder für eine Ersatzunterkunft zu sorgen.

Das Amtsgericht Stade hat in der vergangenen Woche eine einstweilige Verfügung erlassen. Damit könne nun ein Gerichtsvollzieher beauftragt werden, der den Eigentümer zum Handeln auffordert, teilt die Amtsgerichtssprecherin auf TAGEBLATT-Nachfrage mit. Passiere daraufhin nichts, könne auf den Eigentümer ein Zwangsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro oder eine Zwangshaft von bis zu einer Woche zukommen, sagt Damon Djobel.

Der Anwalt arbeitet häufig pro bono, bietet also unentgeltlich oder stark vergünstigt seine Hilfe an. Er kenne viele Fälle, in denen Vermieter Druck auf die Mieter ausüben, damit diese ausziehen. Sanierte leere Wohnungen seien viel wert. Ob das im Fall der Grünendeicher Straße 2 auch so ist, sei natürlich Spekulation. Der Eigentümer sei aber in der Branche kein Unbekannter, so Djobel.

Den Mietern hilft das juristische Geplänkel noch nicht weiter: Sie müssen weiter im Kalten und ohne fließend Wasser ihr Dasein fristen.

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S
Stefan Machate
12.01.202622:07 Uhr

Man könnte parallelen ziehn zur Geschichte des Wollepark in Delmenhorst.

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