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Heimatverein

TMehr Geselligkeit: Helmster lassen ihre alten Kneipen wieder aufleben

Eine alte Flasche Helmster Kartoffelschnaps schaffte es ins Inventar.

Eine alte Flasche Helmster Kartoffelschnaps schaffte es ins Inventar.

Tausende Puzzlestücke wurden in Helmste zusammengesetzt. In der "Heimatstube" feiern die alten Kneipen des Dorfes ihr Comeback. Und das ist längst nicht alles. Das neue Areal kann unzählige Geschichten des Landkreises erzählen.

Von Sophia Ahrens Samstag, 30.09.2023, 19:30 Uhr

Das Dachgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses in Helmste hat sich zur wahren Entdeckungsreise entwickelt. In jeder Ecke finden sich kleine Details, mit denen die Mitglieder des Heimatvereins rund um Reiner Klintworth Besucher mitten in ein früheres Helmste werfen. Nach jahrelangen Sammelaktionen ist ihre Heimatstube jetzt bereit für Besucher - und Reiner Klintworth kann zu vielen der Tausenden Stücke eine Geschichte erzählen.

Zufrieden sitzt der Vorsitzende des Heimatvereins auf einem alten Holzstuhl. Die Initialen HK sind in die Lehne graviert. Sie stehen für Hinrich Klintworth, den ehemaligen Besitzer des Helmster Eichenhofes. Dort standen die Stühle vor über 100 Jahren. „Wir wollen die alten Helmster Kneipen wieder aufleben lassen“, sagt Reiner Klintworth. Neben dem Eichenhof waren früher auch noch der Sandkrug, die Voßklause und Cordes Gasthof im Ort vertreten.

Mobiliar aus allen vier Kneipen gesammelt

Nur der Eichenhof schaffte den Sprung in die Gegenwart. Doch der Heimatverein sorgt nun dafür, dass das Gefühl der Traditionskneipen wieder Einzug hält. Aus allen Gaststätten haben sie historisches Mobiliar zusammengetragen - und daraus nun eine neue alte Kneipe im Dachgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses geformt.

Über der Bar hängt die alte Tresenleuchte aus dem Gasthof Cordes. Auch ein Fernsehtisch, der vielen älteren Dorfbewohnern noch gut bekannt sein dürfte, hat es in die Heimatstube geschafft. „Früher hatte keiner einen Fernseher, wer konnte sich das schon leisten“, erinnert sich Klintworth. Mit 50 Pfennig für eine Cola machten sich die Kinder daher auf in die Gaststube, in der ein Fernseher stand.

Doch die Helmster wollen ausdrücklich kein normales Museum sein. „Wenn man sich mal an die eigene Nase fasst: Wie oft geht man ins Museum?“, sagt Klintworth ehrlich. Die Heimat-stube soll daher ein neuer Helmster Treffpunkt werden. Anfassen und Benutzen des Mobiliars ist ausdrücklich erwünscht.

Einmal im Monat will der Verein in seiner Heimatstube zum Schnacken oder Karten spielen auf ein Getränk einladen. „Und wenn dann mal ein Glas kaputtgeht, ist das so.“ Reiner Klintworth will, dass die alten Schätze weiterhin genutzt werden.

Im Kaufmannsladen verstecken sich unzählige Geschichten

Die meisten davon präsentiert er in einem nachgebauten Kaufmannsladen von früher. Jeder Blick in das Sammelsurium bringt etwas Neues zum Vorschein - und Reiner Klintworth hat die zugehörige Geschichte parat. Er erzählt, dass Stade früher Hochburg für Brauereien war. Und hat direkt die passende Flasche der Bergschlösschen-Brauerei zur Hand, die früher braute, wo heute der Katharinenhof steht. In der Ecke der alten Regale sticht außerdem ein Nudelsack der Firma Birkel ins Auge. „Wussten Sie, dass die Firma Birkel auch aus Buxtehude stammt?“, fragt Klintworth. Die zwei großen Nudelfabriken der Birkel-Brüder standen früher in Westfalen und hier im Landkreis. Reiner Klintworth ergatterte einen Original-Sack, auf dem noch „Buxtehude-Hamburg“ steht.

Über Jahre sammelte Reiner Klintworth alte Dinge. Aus Tausenden von ihnen ist nun die Helmster Heimatstube zusammengesetzt. Fotos: Ahrens

Über Jahre sammelte Reiner Klintworth alte Dinge. Aus Tausenden von ihnen ist nun die Helmster Heimatstube zusammengesetzt. Fotos: Ahrens

Der nachgebaute Einkaufsladen zeigt auch: Zurück zu den Wurzeln kann die Zukunft sein. In der Auslage findet sich Zahnseife am Stück, nachhaltig verpackt in einem kleinen Pappkarton. „Rückgabe nur gegen leere Verpackung“ steht darauf geschrieben. Nach dem Krieg war Aluminium für Zahnpastatuben rar. Daneben findet sich Trockenshampoo - auch heute wieder modern und gern gekauft.

Gesellige Abende sind schon geplant

Die Gerüche, Dinge und Geschichten der Heimatstube tauchen die ältere Generation in Nostalgie - und lassen die jüngeren Besucher aufhorchen. Auch die frühere Helmster Schule, eine Küche mit Kinderbett und eine alte Stube sind dort nachgestellt.

Der Verein will die Heimat-stube bald an bestimmten Tagen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Dann könne jeder kommen und gehen - und den Geschichten lauschen, sagt Reiner Klintworth. Auch der erste gesellige Abend für die Bürger ist geplant: Am Mittwoch, 4. Oktober, zwischen 19 und 23 Uhr lädt der Heimatverein in seine Stube ein. Mit dem 1. November und 6. Dezember sind auch schon Folgetermine bekannt. Mit einer funktionierenden Jukebox steht, passend zum Ambiente, die musikalische Begleitung bereit.

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