Hamburger Dom: 23 Menschen stundenlang in Kettenkarussell gefangen
Das Kettenkarussell konnte ohne Eingreifen der Einsatzkräfte wieder auf den Boden zurückkehren. Foto: Bodo Marks/dpa
Ein Großaufgebot an Rettungskräften ist auf dem Heiligengeistfeld im Einsatz. Es geht in luftige Höhe. Die Ursache scheint klar.
Hamburg. Auf einem Hamburger Volksfest haben 23 Fahrgäste eines Kettenkarussells rund drei Stunden in großer Höhe festgesessen. Das Fahrgeschäft war am späten Dienstagabend wegen eines Defekts stehen geblieben, wie die Polizei mitteilte. Wie die Wirtschaftsbehörde mitteilte, löste das Sicherheitssystem aus, wodurch die Bremse blockierte.
Feuerwehr und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort, um das Karussell wieder auf den Boden zu bringen und Panik unter den Fahrgästen zu vermeiden. Nach Angaben der „Bild“ befanden sich die Menschen etwa 30 Meter über dem Boden. Das Karussell hat insgesamt eine Turmhöhe von gut 70 Metern.
Insgesamt 23 Menschen hatten über Stunden in dem Fahrgeschäft ausharren müssen. Foto: Bodo Marks/dpa
Zusammen mit dem Betreiber des Fahrgeschäfts stiegen Einsatzkräfte der Spezialeinsatzgruppe Höhenrettung im Inneren des Turms auf die Höhe der Fahrgäste auf. Bei einer ersten Kontaktaufnahme konnte bestätigt werden, dass keiner der Fahrgäste medizinische Hilfe benötigte.
TÜV übernimmt Prüfung
Kurz nach Mitternacht gelang es, das Fahrgeschäft wieder in Gang zu setzen. Die Betroffenen konnten nach Angaben eines Polizeisprechers unverletzt und ohne Hilfe der Feuerwehr aussteigen. Nun solle unter anderem der TÜV prüfen, wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte.

Mehrere Stunden saßen die Fahrgäste eines Kettenkarussells in großer Höhe fest. Foto: Bodo Marks/dpa
Der Betrieb des Fahrgeschäfts wurde zunächst untersagt. Der TÜV überprüfte nach einer Mitteilung der Wirtschaftsbehörde die sicherheitsrelevanten Bauteile der Anlage. „Aus sicherheitstechnischer Sicht bestehen keine Bedenken. Nach Freigabe durch den TÜV kann das Fahrgeschäft nun seinen Betrieb wieder aufnehmen“, hieß es in der Mitteilung. Der Dom hat noch bis einschließlich Sonntag geöffnet.

Zwei Männer überprüfen das Kettkarussell. Foto: Georg Wendt/dpa
Schaustellerbund betont Sicherheit
Der Deutsche Schaustellerbund verweist auf die hohen Standards der Fahrgeschäfte bei Volksfesten in der Bundesrepublik. „Wir haben ein hohes Sicherheitsniveau, und das soll so bleiben“, sagte Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg der Deutschen Presse-Agentur: „Wir nehmen für uns in Anspruch, dass deutsche Fahrgeschäfte zu den sichersten der Welt gehören.“
Hakelberg erläutert, wie Fahrgeschäfte wie das besagte Kettenkarussell auf dem Hamburger Dom kontrolliert werden.
- Vor der Inbetriebnahme
Jedes neue Fahrgeschäft werde im Rahmen einer Erstprüfung in jeglicher sicherheitsrelevanter Hinsicht kontrolliert. Eine darauf spezialisierte und zugelassene Prüforganisation wie zum Beispiel der TÜV begutachte die Konstruktion, die Beschaffenheit und Festigkeit der verwendeten Materialien, die Elektrik, die Steuerung, den Betrieb und die Sicherheit bei allen Witterungsverhältnissen.
„Auch der Brandschutz oder eine Havarie werden bei der Konstruktion eines Fahrgeschäftes immer mit bedacht“, so Hakelberg. „Detaillierte Pläne, auch Rettungspläne und Evakuierungs-Szenarien, sind fester Bestandteil der Prüfung zur Erstzulassung des Fahrgeschäftes.“
- Vor der Abfahrt
Um an einem Volksfest teilzunehmen, bedürfe es einer Ausführungsgenehmigung. Diese werde - je nach Art und Komplexität des Geschäftes - auf ein bis drei Jahre befristet. Voraussetzung für diese Genehmigung und jede Verlängerung sei eine erfolgreiche Begutachtung durch eine zugelassene Prüforganisation wie den TÜV oder eine Landesgewerbeanstalt.
- Vor dem Festauftakt
Zu Beginn eines Volksfestes prüfe die örtlich zuständige Bauaufsicht die Fahrgeschäfte bei einer Gebrauchsabnahme. Hier werde das Vorliegen der gültigen Ausführungsgenehmigung und die korrekte Aufstellung des Fahrgeschäftes überprüft und auch eine Probefahrt gemacht.
„Beschickt der Schausteller 20 bis 25 Feste pro Jahr, wird entsprechend häufig diese Gebrauchsabnahme durchgeführt“, sagt Hakelberg. „Handelt es sich wie auf dem Dom um ein Hochfahrgeschäft, wird der Fall einer Störung vorsorglich mitgedacht. Also konkret: Verfügt zum Beispiel die örtlich zuständige Feuerwehr über erforderliches Gerät?“
- Während des Betriebs
„Niemand kennt das Fahrgeschäft so gut wie sein Betreiber“, erläuterte Hakelberg. „Er checkt seine Anlage täglich vor Betriebsbeginn auf Funktion und Sicherheit. Er tut dies aus Verantwortung gegenüber seinen Gästen, seinen Mitarbeitern und schließlich auch, weil er mit Leistung überzeugen muss, um auch im nächsten Jahr wieder platziert zu werden.“
Dom: 2023 gleich zwei Notfälle
Auf dem Frühlingsdom 2023 hatte es in Hamburg zuletzt zwei größere Feuerwehreinsätze gegeben. Damals mussten bereits rund 20 Menschen aus einem Kettenkarussell befreit werden. Die Fahrgäste saßen wegen des technischen Defekts aber nur für rund 20 Minuten in etwa 20 Metern Höhe im „Sky Dance“ fest.
Zuvor hatten sechs Kinder und Jugendliche von Höhenrettern der Feuerwehr aus dem Überkopffahrgeschäft „Jekyll und Hyde“ befreit werden müssen, weil es wegen eines Getriebeschadens stehen geblieben war. Die jungen Fahrgäste mussten zwei Stunden in den Gondeln ausharren.
Sommerdom erstmals fünf Wochen lang
Der Hamburger Sommerdom, auf dem das betroffene Kettenkarussell steht, endet am Sonntag. In diesem Jahr dauert das Volksfest auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli erstmals fünf statt bislang vier Wochen. Mehr als 1,3 Millionen Menschen besuchten den Sommerdom im vergangenen Jahr nach Angaben der Veranstalter.
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