„Müssen Klartext reden“: Werder hofft in der Krise auf 42.000 Fans
Werders glückloser Stürmer Niclas Füllkrug bedankt sich nach der Niederlage bei den Fans. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Sportlich läuft es nicht bei Werder Bremen. Die Hoffnung in dieser Woche ist jetzt: Beim nächsten Heimspiel am Freitag gegen Heidenheim ist zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder ein volles Stadion erlaubt.
Vier Monate nach dem Bundesliga-Abstieg steckt Werder Bremen auch in der Zweiten Liga schon wieder in einer schwierigen Situation. Das 0:3 bei Dynamo Dresden war am Sonntag in seinem Zustandekommen noch weitaus alarmierender als die enttäuschende Derby-Niederlage gegen den Hamburger SV (0:2) zuvor. Drei Siege, drei Niederlagen, Tabellenplatz zehn und zumindest aktuell kein erkennbarer Fortschritt beim Wiederaufbau des stark veränderten Teams: Mit dem Ist-Zustand nach knapp einem Viertel der neuen Saison kann bei Werder niemand zufrieden sein.
«Wir wissen, dass es ein schwieriger Weg ist. Und es ist normal, dass es dabei auch Probleme und Dellen gibt. Aber wir können nicht immer alles auf diesen Prozess und auf das Alter abwälzen. Die Jungs können das wesentlich besser. Wir haben die Qualität», sagte Trainer Markus Anfang nach dem Dresden-Spiel. Sein Plan bis zur nächsten Partie gegen den Tabellendritten 1. FC Heidenheim: Reden, reden - und auch unbequem werden: «Ich muss es schonungslos aufdecken. Es bringt nichts, um den heißen Brei herumzureden. Wir müssen Klartext reden. Und das heißt, die Fehler so anzusprechen, wie sie waren.»
Wieder 42.100 Zuschauer zugelassen
Gegen Heidenheim hoffen die Bremer am Freitagabend (18.30 Uhr/Sky) dazu noch auf die besondere Unterstützung ihrer Fans. Denn die Neuauflage des Relegationsduells von 2020 ist auch das erste Fußballspiel in einer deutschen Profiliga, das seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wieder in einem vollen Stadion stattfinden darf.
«Mit einer höheren Zuschauerzahl und der entsprechenden Stimmung können wir der Mannschaft auch noch einmal eine größere Unterstützung geben. So werden wir eine gewisse Wucht entfalten können, die die Mannschaft gegen Heidenheim hoffentlich auch trägt», sagte der Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald am Montag.
Werder rechnet noch mit Zurückhaltung
Trotz der entsprechenden Genehmigung durch die Gesundheitsbehörde glauben die Bremer aber nicht daran, dass alle zugelassenen 42.100 Zuschauer auch gleich zum Heidenheim-Spiel ins Wohninvest Weserstadion kommen werden. «Wir rechnen nicht damit, dass bereits an diesem Freitag die volle Kapazität ausgeschöpft wird. Das hat einerseits mit dem kurzen zeitlichen Vorlauf und andererseits auch mit dem Termin am Freitagabend um 18.30 Uhr zu tun», sagte Hess-Grunewald. Der sei für Fans aus dem Umland nun einmal ungünstig.
Fraglich ist auch, ob der harte Kern der Werder-Fans wieder ins Stadion zurückkehren wird. «Es gibt bei den Ultras große Vorbehalte dagegen, dass Eintrittskarten personalisiert werden. Wir personalisieren sie aber nur deshalb, um im Falle einer Infektion die Kontakte nachverfolgen zu können», sagte Hess-Grunewald und stellte klar. «Die Daten bleiben bei Werder. Sie werden nur im Fall einer Infektion an das Gesundheitsamt weitergeleitet.» Bis zum Freitag wolle der Club mit den Fans «die Dinge klären, die im Raum stehen». (dpa)