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Friedhof Campe

Muslimisches Grabfeld erlaubt Blick gen Mekka

Das neue muslimische Grabfeld am Camper Friedhof: Ein Viertel der Fläche zeigt bereits die Anordnung der Gräber. Rechts im Hintergrund der Camper Friedhof. Linkerhand ist die Bahnlinie Stade – Hamburg. Foto: Stief

Das neue muslimische Grabfeld am Camper Friedhof: Ein Viertel der Fläche zeigt bereits die Anordnung der Gräber. Rechts im Hintergrund der Camper Friedhof. Linkerhand ist die Bahnlinie Stade – Hamburg. Foto: Stief

Am Friedhof Campe hat die Hansestadt Stade ein muslimisches Grabfeld hergerichtet. Es ist das bislang erste Begräbnisangebot für Muslime im Landkreis Stade und bietet Platz für über 100 Gräber.

Von Wilfried Stief Donnerstag, 21.10.2021, 09:00 Uhr

Der Stader Ratsherr Nusrettin Avci hatte das Thema 2016 angeschoben. „Bürger muslimischen Glaubens finden auf den Stader Friedhöfen entsprechend religiöser Vorgaben keine Begräbnisflächen“, schrieb der Ratsherr der Linken an die damalige Bürgermeisterin Silvia Nieber. Das Anliegen wurde aufgegriffen und fand in der Ratssitzung im Dezember 2016 breite Zustimmung und wurde in den Fachausschuss zur näheren Beratung verwiesen.

Von da an tasteten sich Politik und Verwaltung Schritt für Schritt an das Thema heran. Zunächst galt es, einen geeigneten Standort zu finden. Der müsse bisher unangetastet sein, eine Grabausrichtung gen Mekka gewährleisten und mit den Bestattungsgewohnheiten bisheriger Nutzer in Einklang zu bringen sein, hieß es in einem Prüfauftrag aus 2018, der in den Händen der Kommunalen Betriebe Stade lag. Auch der Wunsch Avcis, dass die Planung zusammen mit muslimischen Religionsgemeinschaften aus Stade weitergeführt werden solle, fand Berücksichtigung.

Unterschiede zu hiesigen Bestattungsformen

Die Art und Weise, wie Muslime bestattet werden, weist grundsätzliche Unterschiede zu hiesigen Bestattungstraditionen auf. Der bekannteste Unterschied ist der, dass der Verstorbene so in das Grab gelegt wird, dass er gen Mekka blickt. Dafür ist auf dem Grabfeld am Friedhof Campe gesorgt. Die Richtung nach Mekka wurde genau bestimmt und bei der Anlage umgesetzt.

Auf die rituelle Waschung, die weiterhin von den Familien selbst organisiert wird, folgt eine Einwicklung des Leichnams in weiße Leinentücher. So wird dann auch bestattet, wofür eine Genehmigung durch das Gesundheitsamt erteilt werden muss.

Das Totengebet wird in der Moschee gesprochen oder auch unter freiem Himmel. Das Ausheben des Grabes, das Tragen des Leichnams und das Schließen des Grabes erfolgt dem Ritus gemäß oft durch männliche Angehörige. In Stade wird es eine Aufteilung geben. Nachdem Angehörige des Bestatteten mit Erde bedeckt haben, erfolgt die Verfüllung des Grabes durch die Friedhofsverwaltung.

Bei Beerdigungen kann meist von einer großen Anzahl an Teilnehmern ausgegangen werden. Das Grabfeld hat daher breite Wege und größere Freiflächen, wo Trauergäste stehen können. Der vorhandene Friedhofsparkplatz steht für die muslimische Trauergemeinde zur Verfügung. Leichenwagen und enge Angehörige können eine vorhandene Zuwegung entlang der Bahn benutzen.

Anlage für 150.000 Euro hergerichtet

Noch eine Besonderheit: Der Friedhof ist der Ort, an dem auf die Auferstehung gewartet wird. Daher muss ein andauerndes Ruherecht gewährleistet sein, Exhumierungen, Umbettungen und Wiederbelegungen sind ausgeschlossen. Das wird sich dann auch bei den Gebühren niederschlagen. Die liegen in der Größenordnung eines üblichen Reihengrabes bei derzeit gut 600 Euro, die Bestattung selbst kostet 600 Euro.

Die etwa einen halben Hektar große Fläche im nördlichen Bereich des Camper Friedhofs wurde von der KBS aufwendig hergerichtet. Das ursprüngliche Gelände wurde aufgefüllt und liegt nun nicht mehr in einer Senke zur Bahn hin, sondern gleichauf mit den Schienen. Die Herstellungskosten für die Anlage belaufen sich auf gut 150 000 Euro. Eine Neuanpflanzung von Hecken wird das Gräberfeld eingrenzen.

Ratsherr Nusrettin Avci, der dem neuen Rat nicht mehr angehören wird, ist stolz auf das Erreichte. Er spricht allen Beteiligten – Politik, Verwaltung und muslimischen Gemeinden – seinen Dank aus. Avci: „Ich bin Stolz auf unsere Verfassung und Demokratie.“

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