Nach Insolvenz: Warum die Gießerei Schmidt wieder eine Zukunftsperspektive hat
Fast 1500 Grad heiß ist das Metall, dass in die extra vorgefertigten Modelle gegossen wird. Foto: Witthohn
Es war der 27. Januar 2023, als die 57 Mitarbeiter der Gießerei Schmidt an den Standorten Hemmoor und Cuxhaven erfuhren, dass für ihre Firma Insolvenzantrag gestellt wurde. Ein Schock, der auch Existenzängste mit sich brachte. Diese soll nun der Vergangenheit angehören.
Von Herwig V. Witthohn
Die Gießerei Schmidt hat mit Jens Jäger einen neuen Eigentümer, der zusammen mit dem künftigen Co-Geschäftsführer Peter Heinze und dem Kaufmännischen Leiter Dierk Finkennest optimistisch in die Zukunft schaut.
Unternehmerischer Wagemut nach Kriegsende sorgte 1946 für die Gründung der Firma. Albert Schmidt und Günter Goßlau stampften die Firma aus dem Boden und zwar noch in den Kasematten des Forts Kugelbake. Später übernahmen die Söhne von Günter Goßlau, Hans-Günter, Wilfried und Jürgen die Anteile des kinderlosen Albert Schmidt.
1957 wurde der damalige Neubau in der Neuen Industriestraße in Cuxhaven errichtet und eine moderne Gießerei entstand. Dieser wurde weiter ausgebaut und 1963 wurde in Warstade expandiert und so entstand im heutigen Hemmoor ein zweites Standbein. Dort werden Alugußteile hergestellt und auch mechanisch bearbeitet. Eine Spezialisierung, die auch in schwierigen Zeiten eine gute Auftragslage sichert. In Hemmoor wird jetzt Metallguß betrieben, in Cuxhaven Eisenguß und Modellbau. Die Graugußteile können bis zu 3000 Kilogramm Stückgewicht betragen, so ist es auch beim hochwertigen Gußwerkstoff "Sphäroguß". Aluminiumgußteile werden standardmäßig aus acht technischen Gußlegierungen hergestellt und mit verschiedenen Wärmebehandlungen auch vergütet.
Unternehmensberater steigt als Investor ein
"Wir sind der erste Teil der Herstellung", erklärt Dierk Finkennest. "Unsere Chance heißt 'Made in Germany', es gibt kurze Wege und Versorgungssicherheit. Durch neue Anlagen wird energieeffizient gearbeitet und somit auch Nachhaltigkeit erlangt." Er gibt auch konkrete Beispiele. Wurde Formsand früher einmal verwendet und dann entsorgt, wird dieser heute in Hemmoor einmal verwendet und dann in Cuxhaven sogar sieben bis acht Mal erneut verwendet.
Jens Jäger wurde durch Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Jan Antholz und die Firma Wayes auf die Gießerei Schmidt in Cuxhaven und Hemmoor aufmerksam, berichtet er. "Es wurden Investoren gesucht. Als Unternehmensberater nehme ich normalerweise kein eigenes Geld in die Hand, aber bei diesem Projekt bin ich so überzeugt von der Zukunftsperspektive, dass ich es nun getan habe." Das Geschäftsmodell ist für den verheirateten Düsseldorfer, der drei Kinder hat, hoch interessant. "Klar, die Coronavirus-Pandemie, die hohen Energiekosten, die Gießerei hat natürlich keine leichten Zeiten hinter sich. Aber mir geht es um die Zukunftsperspektive und da sehe ich sehr viel Potenzial"
Fester Kundenstamm von 40 Firmen
Gesagt und getan. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch in der Insolvenzphase alle Aufträge, die ständig weiter eingingen, bearbeitet haben, sollen in der Firma bleiben. "Wir suchen sogar gerade aktiv neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", ergänzt Peter Heinze. Zwei Neueinstellungen hat es bereits gegeben. Ein Investitionsplan für die Standorte Hemmoor und Cuxhaven ist schon aufgestellt, ein siebenstelliger Betrag soll in den nächsten zehn Jahren investiert werden.
"Die Gießerei verfügt über eine motivierte Belegschaft. Das sind Gießer, Bürokräfte, CNC-Mitarbeiter und Industriemechaniker. Wir sind und bleiben ein mittelständisches Unternehmen, das vor allem Kleinserien als Chance sieht. 50 Firmen haben wir als festen Kundenstamm. Darauf läßt sich aufbauen. Natürlich werden wir auch Energieeffizienz nicht nur im Auge behalten. Es gibt Herausforderungen für die Zukunft und denen stellen wir uns", sagt Peter Heinze mit der Inbrunst der Überzeugung.