TNeue Mitte: Das macht den Kopenkamp in Stade so lebenswert
Die neue Mitte im Stader Kopenkamp in der Visualisierung. Sie soll an die vorhandene Bebauung anknüpfen. Foto: Architekt Wilhelmi
Die Wohnstätte baut für gut fünf Millionen Euro ein neues Gebäude mitten im Kopenkamp. Die Nachbarn freuen sich, ihr Wohnviertel wird noch attraktiver. Was macht den Kopenkamp aus?
Stade. Wenn die Wohnstätte feiert, sind nicht nur die offiziellen Gäste geladen, sondern immer auch die Mitarbeiter und die Nachbarn. So auch bei der Grundsteinlegung für ein multifunktionales Gebäude, das die Wohnstätte selbstbewusst „Neue Mitte Kopenkamp“ nennt. Für die Anlieger ein weiterer Grund zur Freude.
Zu wenig Parkplätze und sehr geringe Mieten
„Schön, dass hier ein Bäcker herkommt“, sagt Jörg Struwe, der seit 12 Jahren im Kopenkamp wohnt, „ich trinke doch so gerne Kaffee.“ Er sieht Parkplatzprobleme im Quartier, lobt die günstigen Mieten bei der Wohnstätte und vermisst Edeka Foltmer, dessen Geschäft genau an dieser Stelle hier einst stand.

Gastgeschenk: Bäcker Richter hat als neuer Mieter das Gebäude auf eine Torte gebannt. Foto: Strüning
Foltmers Weggang hat eine Lücke gerissen. Das weiß auch Wohnstätten-Vorstand Dr. Christian Pape. Foltmer war nicht nur Nahversorger, sondern auch Treffpunkt im Kopenkamp. Die Neue Mitte bietet demnächst die Bäckerei Richter mit Café, eine Praxis für Physiotherapie und acht Wohnungen. Der Mietpreis dafür hat es aber in sich.

Polier Jan Eversen (links) und Oliver Stapel von der Wohnstätte mauern die Zeitkapsel ein - versehen mit Bauplänen und dem TAGEBLATT. Foto: Strüning
Für Wohnstätten-Verhältnisse völlig untypisch: Die Genossenschaft verlangt für den neuen Wohnraum mehr als 14 Euro Kaltmiete. Das ginge nicht anders, sagt Pape. Durch die Baukosten seien günstige Mieten nicht mehr darstellbar. Selbst die 14 Euro pro Quadratmeter seien für die Investoren nicht auskömmlich. Die ersten Jahre zahle die Wohnstätte drauf. Pape. „Da müssen wir Geld mitbringen.“ Langfristig sei es aber eine gute Investition.
Wohnstätte hat 2600 Wohnungen im Angebot
Zum Vergleich: Im Durchschnitt ihrer 2600 vermieteten Wohnungen verlangt die Wohnstätte als Stades größter Vermieter 7,63 Euro pro Quadratmeter. Pape verteidigte den Neubau: Hier ziehen Menschen ein, die dadurch günstigeren Wohnraum freigeben. Zudem befeuert es das Ziel der Wohnstätte, ein sozial durchmischtes Quartier zu entwickeln, wo Rentner, Alleinerziehende, Familien oder der gut verdienende Airbus-Ingenieur einen für sie passenden Platz finden. Wie zum Beispiel Richard Wachsmuth.
Stadtteil im Wandel
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Der Rentner ist im Kopenkamp geboren und kehrte hierhin zurück, nachdem er als Vermessungsingenieur viel von der Welt gesehen hatte. Er schätzt die Freundlichkeit der Menschen in dem Wohnviertel. „Das ist ein sehr angenehmes Miteinander hier“, sagt Wachsmuth. Die Menschen reden mit- und helfen sich untereinander. Es gebe tolle Hausgemeinschaften, und die Lage mit Horstsee und -friedhof sei toll.
Das Menschliche im Kopenkamp beeindruckt auch Karsten Meyer, der mit seinem Team von PhysioMea von der Thuner Straße in den Neubau in der Dankersstraße umzieht. „Man kennt sich, die Atmosphäre im Viertel ist stimmig.“ Er sei froh, so gut aufgenommen worden zu sein von den Kopenkampern und „dass die Ecke hier wieder Leben kriegt“.
Kopenkamp - Wiege und Herzkammer der Wohnstätte
Für die 100 Jahre alte Wohnstätte ist der Kopenkamp nicht nur Wiege der Genossenschaft. Christian Pape: „Der Kopenkamp ist unsere Herzkammer.“ Nur 200 Meter vom Neubau entfernt stehen die ersten Siedlungshäuser.
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Der Stadtteil wurde als Gartenstadt konzipiert, noch heute ist er sehr grün. Pape lobt die gute Mischung im Quartier, das mit seinen vielen sozialen Schichten Kitt für die Gesellschaft sei.

Architekt Torsten Wilhelmi hilft bei der Grundsteinlegung im Neubau an der Dankersstraße. Polier Jan Eversen assistiert. Foto: Strüning
Der Entwurf zur Neuen Mitte von Torsten und Torge Wilhelmi wurde durch eine Jury unter Vorsitz des Ersten Stadtrats Lars Kolk ausgewählt. Er orientiere sich laut Wohnstätte in seiner Gestaltung bewusst an den Charakteristika des Stadtteils Kopenkamp – also an einer kleinteiligen Bebauung, Satteldächern, Klinkerfassaden und einer strukturierten Reihen- und auch Mehrfamilienhausstruktur, wie sie im Quartier historisch vorherrschend ist.
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