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Windenergie

TNordkehdingen unter Strom: Wie die Kommunen zusätzlich am Wind verdienen

Vom Windpark am Kajedeich profitieren die Oederquarter.

Vom Windpark am Kajedeich profitieren die Oederquarter. Foto: Bürgerwindpark Oederquart

Je näher dran, desto mehr Geld fließt in die Gemeindekasse: Die Nordkehdinger Kommunen haben Windparks vor der Haustür. Zwei Betreiber überweisen künftig Anteile ihrer Erträge.

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Von Susanne Helfferich
Montag, 12.01.2026, 05:50 Uhr

Nordkehdingen. Nordkehdingen ist Windenergie-Region - und das schon lange. Die Gemeinden profitieren in Zukunft ein bisschen mehr vom kräftigen Wind im Norden. Auch für die älteren Windparks wollen Betreibergesellschaften nun die zusätzliche Akzeptanzgabe von 0,2 Cent für jede produzierte Kilowattstunde Strom an die Kommunen zahlen.

Grundlage dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Das erlaubt, einseitige Zuwendungen ohne Gegenleistung zu gewähren. Darüber wird ein Vertrag zwischen Betreiber und Kommune geschlossen.

Die dafür notwendigen langfristigen Vereinbarungen bis zum Jahr 2044 segneten die Räte in Freiburg, Oederquart, Wischhafen, Krummendeich und Balje ab. Die Gemeinden können damit abgesehen von der Gewerbesteuer mit zusätzlichen Einnahmen kalkulieren. Wie viel das für die entsprechenden Windparks ist, hat die Verwaltung zuvor errechnet.

Jeweils 0,2 Cent pro tatsächlich ins Netz eingespeister Kilowattstunde Strom zahlen die Betreiber. Der Gesamtbetrag wird auf die Gemeinden aufgeteilt, die jeweils im Umkreis von 2,5 Kilometer Luftlinie um die Turmmitte liegen. Wie hoch der Anteil der jeweiligen Kommune ist, hängt vom Anteil ihrer Fläche im Gebiet ab.

Bürgerwindpark Oederquart: Drei repowerte Anlagen betreibt der Bürgerwindpark Oederquart im Bereich Kajedeich. Damit könnten etwa 30.000 Euro jährlich an die jetzige Gemeinde Oederquart fließen. Die Zahlen liegen für den Zeitraum von Mitte 2024 bis Juni 2025 vor: 31.400 Euro.

Im Vertrag ist die Vergütung von „fiktiven Strommengen“, zum Beispiel bei gestörtem Netz, ausgenommen - der Aufwand wäre zu groß, der Ertrag zu gering. Im Gegenzug aber ist im Vertrag die Beteiligung an den Direktverkäufen von Strom an der Börse eingepflegt worden. Sollten die Strompreise stark steigen, wird die jeweilige Gemeinde auch an den Erträgen beteiligt, die direkt an der Börse erwirtschaftet werden.

Auch Flächen der Gemeinde Krummendeich gehören zum Windpark-Gebiet und in den Radius von 2,5 Kilometern. Krummendeich kann durch den geringen Flächenanteil nach dem geschlossenen Vertrag mit 2500 Euro rechnen.

Noch weniger fließt aus der 0,2-Cent-Abgabe des Bürgerwindparks Oederquart in den Flecken Freiburg. Für Freiburg ergeben sich anteilig nur etwa 1300 Euro pro Jahr.

Zusätzliches Geld fließt aus der Nachbarschaft nach Nordkehdingen: Die „Windpark Infrastruktur Oberndorf Intern GmbH & Co. KG“ betreibt im Bereich Wetterdeich (Moorstrich, Oberndorf) seit 2021/22 einen Windpark mit fünf Windenergieanlagen. Die umfassen im Umkreis von 2,5 Kilometern auch zu 22,78 Prozent die Gemeinde Oederquart. Bei einer angenommenen Jahresstrommenge von 54.622 Megawattstunden (Mwh), liegt der prozentuale Gemeindeanteil bei jährlich knapp 24.800 Euro.

Auch Baljer Gebiet liegt im besagten Umkreis des Windparks Infrastruktur Oberndorf. Baljes Flächen sind aber im Vergleich zu Oederquart nur halb so groß (11,85 Prozent) - somit liegt der entsprechende jährliche Ertrag bei circa 12.900 Euro.

Die Gemeinde Wischhafen hat eine deutlich geringere Ausbeute: Sie profitiert vom Windpark Hüll; allerdings nur 88,51 Euro und 147,29 Euro. Mit steigendem Repowering wird sich das ändern.

Eine Windenergieanlage im Windpark Sehestedt wirft einen Schatten auf ein Feld. (zu dpa: «Messe Husum Wind eröffnet - Gegenwind aus Berlin?»)

Eine Windenergieanlage im Windpark Sehestedt wirft einen Schatten auf ein Feld. (zu dpa: «Messe Husum Wind eröffnet - Gegenwind aus Berlin?») Foto: Marcus Brandt/dpa

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T
Theo Soltau
12.01.202614:46 Uhr

Das ist völlig normal.
Wir leben halt im Kapitalismus .

H
Helmut Erb
12.01.202613:33 Uhr

Für eine Handvoll Silberlinge verscherbeln Kommunalpolitiker die Landschaft, die ihnen gar nicht gehört, sondern allen Bürgern.
Entgegen dem auch hier erweckten Eindruck ist die Windindustrie nicht am Gemeinwohl interessiert, sondern ausschließlich am eigenen Kontostand. Und sie betreibt ihr Geschäft, das muß man einräumen, mit großer Professionalität und stetig wachsendem Erfolg. Verbliebene Kritiker sollen durch ein paar Brosamen an die Kommunen ruhiggestellt werden.
Die Wirklichkeit der Windenergie bleibt trotz aller vorgetäuschten Begeisterung trostlos: Wegen seiner wetterabhängigen Zufälligkeit versorgt Windstrom nichts und niemanden. Auf Dauer gesichert sind nur zusätzliche Kosten und zusätzliche Belastungen. Ohne Nutzen. Für die Allgemeinheit ein ganz schlechtes Geschäft.

J
Jochen Mextorf
12.01.202606:15 Uhr

Wer bezahlt das? Oma mit Mini-Rente u.a., die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, aber dem Lärm der Generatoren ausgesetzt sind.

J
Jürgen Werner antwortete am
12.01.202609:26 Uhr

Schade eigentlich, das Sie den Gemeinden die zusätzlichen Einnahmen nicht gönnen.

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