Oste-Oldie „Bärbel“ bekommt eine Schönheitskur
Die Hafenbarkasse „Bärbel“ soll weiterhin maritimer Blickpunkt im historischen Hafen in Neuhaus bleiben. Dafür setzen sich unter anderem Richard Schuster, Henning van Gemmeren (vorn auf dem Schiff), Marcus Kallweit, Jörn Katt und Mario Hore
„Bärbel“ ist fast 100 Jahre alt. Zum historischen Neuhäuser Hafen gehört die Barkasse wie eine Gurke zum Rollmops. Damit „Bärbel“ weiterhin als maritimes Schmuckstück die Blicke auf sich ziehen kann, muss sich der Oste-Oldie jetzt einer Schönheitskur unterziehen.
Mitglieder der Barkassengemeinschaft steuerten die 13,50 Meter lange „Bärbel“ am Sonntag über Oste und Elbe nach Cuxhaven, wo sie auf der Werft zunächst geslipt und geschallt wird, bevor klar sein wird, welche Arbeiten zum Erhalt des Oldies notwendig sind.
„Alle zehn Jahre muss die Bärbel zur Sanierung in die Werft“, weiß Alfred Bücker. Bereits 2010 trug der Kapitän die Verantwortung für die damaligen umfangreichen Sanierungsarbeiten, die bis 2011 dauerten. Der Senior Bücker ist weiterhin mit Leidenschaft dabei, aber froh über eine Truppe um den Vereinsvorsitzenden und Kapitän Christian Klünder – alles motivierte Leute, die das schifffahrtshistorisch bedeutsame Wasserfahrzeug fahrbereit und in Schuss halten.
Die wenigsten kommen aus der Schifffahrt. Aber Leute wie Zimmerermeister Henning van Gemmeren, Autoverkäufer Marcus Kallweit, Landwirt Jörn Katt, Selbstständiger Mario Horeis oder Lehrer Richard Schuster eint die Begeisterung für die Barkasse „Bärbel“. Das traditionsreiche Schiff sei in der Region etwas Besonderes und sorge für maritimes Flair im Neuhäuser Hafen und erhöhe dort die touristische Attraktion, finden die Mitglieder der Barkassengemeinschaft. Froh über deren Einsatz ist deshalb auch der neue Neuhäuser Bürgermeister Udo Miertsch.
Das Leben der „Bärbel“ begann in Hamburg. Allerdings, wann und wo die Hafenbarkasse dort vom Stapel lief, ist trotz intensiver Recherche der „Bärbel“-Freunde nicht bekannt. Fest stehe jedoch, dass der Jastram-Dieselmotor am 18. Juni 1935 auf der Werft Billwerder/Allermöhe in Hamburg eingebaut worden sei. Der erste Eigner ist ebenfalls nicht bekannt. Aus den dem Verein vorliegenden Unterlagen ergibt sich jedoch, dass das Schiff unter anderem Namen von der Kriegsmarine betrieben wurde.
Nach Kriegsende übernahm 1947 die Reederei „Lüdgens & Reimers“ die Barkasse. Seit Mitte der 1950er Jahre ist ihre Geschichte mit dem Neuhäuser Hafen vertäut. Der damalige Werftbesitzer Peter Unruh aus Neuhaus kaufte die Barkasse und setzte sie im Werftbetrieb ein. Er taufte sie „Bärbel“, so lautete der Name seiner Tochter.
Barkasse wurde von 2009 bis 2012 umfangreich saniert
1992 kaufte die aus diesem Zweck gegründete „Barkassengemeinschaft Neuhaus (Oste)“ das Schiff. Es wechselte die Hafenseite auf ihren heutigen Liegeplatz.
Zwischen Oktober 2009 und März 2012 wurden umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten vorgenommen. Dabei wurde das gesamte Unterschiff instand gesetzt sowie der Kajüt-Aufbau erneuert. Die Beplankung wurde ausgetauscht und ein Tisch im Heck installiert. Außerdem wurde eine Toilette im Bug nachgerüstet. Seitdem ist es Blickfang im Hafen. Ab und zu macht die Crew die Leinen am Liegeplatz los und bietet auch Schaufahrten auf dem Oldie an.
Die Vereinsmitglieder halten durch viel Eigenarbeit das Schiff in Schuss. Um die Barkasse „Bärbel“ dauerhaft zu erhalten, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Eine gute Art, um für die Neuhäuser Deern zu werben, ist eine Benefiz-Feier.
Rechtzeitig zum 28. Mai soll die Barkasse wieder flott und schick sein. Dann lädt der Verein zum mittlerweile 8. „Bärbel“-Fest in den historischen Hafen ein. Bei passender Tide gibt es Touren auf der Oste. Zuletzt fand das Fest im Frühling 2019 vor der Pandemie statt.
Die Barkasse
- Baujahr: unbekannt, vermutlich Ende der 1920er Jahre
- Länge: fast 13,5 Meter
- Breite: circa 3,15 Meter
- Herz der Barkasse: der 1935 in Hamburg eingebaute dreizylindrige Jastram-Schiffsdieselmotor. Gezündet wird er nicht etwa elektrisch, sondern durch Druckluft und Feingefühl.