„Elefant im Raum“ prägt Startschuss für Reeperbahn-Festival
Am ersten Tag strömen viele Menschen auf das Festivalgelände am Hamburger Heiligengeistfeld. Foto: Marcus Brandt/dpa
Jährlich im September wird die Hamburger Reeperbahn zum Treffpunkt der Live-Musikbranche. In diesem Jahr geht es auch ums Geld - was bereits bei der Eröffnung ersichtlich wird.
Hamburg. Mit einem Appell für eine starke Festivalkultur und einer Debatte um die künftige Finanzierung ist das Hamburger Reeperbahn-Festival in seine 21. Ausgabe gestartet. Bei der Eröffnungsfeier im Schmidts Tivoli sprach der erste Redner, Staatssekretär Björn Böhning vom Bundesfinanzministerium, früh „den Elefanten im Raum“ an: die künftige Finanzierung des Festivals.
Sie hätten die Sorgen gehört und nähmen sie ernst, sagte Böhning. Er könne noch nichts bestätigen: „Aber wir tun unser Bestes für nächstes Jahr.“ Zugleich betonte er, dass keine vergleichbare Veranstaltung so viel Geld vom Bund bekäme wie das Reeperbahn-Festival.
Haben die Zukunft des Reeperbahn-Festivals im Blick: Geschäftsführer Alexander Schulz, Kultursenator Carsten Brosda und Festivaldirektor Detlef Schwarte. Foto: Marcus Brandt/dpa
Hintergrund sind geplante Kürzungen der Bundesförderung durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) ein Dorn im Auge sind. Er verglich die Bedeutung des viertägigen Festivals im Hamburger Stadtteil St. Pauli für die Musikbranche mit der Berlinale für die Filmindustrie und sagte Richtung Bund: „Wir müssen das gemeinsam machen.“ Und er hoffe, dass die nächsten vier Tage zeigten, dass es gut investiertes Geld sei.

Björn Böhning (SPD), Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, versprach auch für 2027 Geld vom Bund - allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Auch Böhning ließ Sympathie für das Festival erkennen. Dieses zu unterstützen bedeute auch die Demokratie zu unterstützen, sagte er. Die Eröffnungsfeier war der offizielle Startschuss für die 21. Ausgabe des Club- und Branchenfestivals.
Weimer hatte laut Festivalchef Alexander Schulz dem Festival mit seinen mehr als 400 Konzerten für dieses Jahr Mittel von 1,5 Millionen Euro gestrichen. Für 2027 solle die Förderung durch den Bund von 6,2 auf 3 Millionen Euro sinken.
Hintergrund der Kürzungen ist, dass Hamburg künftig mehr zahlen soll, weil die Stadt ja auch vom Festival profitiert. Dass das Festival deshalb in diesem Jahr bereits den Gürtel enger schnallen musste, zeigte sich bereits bei der Eröffnung: Nach Jahren im Operettenhaus fiel diesmal der Startschuss im kleineren Theater Schmidts Tivoli.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda warb für das Festival als Leuchtturm der Musikbranche. Foto: Marcus Brandt/dpa
Bis Samstag werden etwa 45.000 Besucherinnen und Besucher und etwa 6.000 Fachgäste erwartet. Hunderte Bands, Musiker und Künstler werden in Clubs auf dem Kiez auftreten. Gastland des Festivals ist in diesem Jahr die Ukraine. Zahlreiche Künstler des Landes treten in den Clubs auf.