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Kultur

Schau über Street-Art-Künstler Banksy in Hamburg

Die Installation "Death Of Telephone Booth" in der Ausstellung "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" in Hamburg. Foto: Georg Wendt/dpa

Die Installation "Death Of Telephone Booth" in der Ausstellung "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" in Hamburg. Foto: Georg Wendt/dpa

Mit seinen mal ironischen, mal politischen Arbeiten berührt er die Menschen und hält ihnen gleichzeitig den Spiegel vor: Banksy. Eine beeindruckende Schau in Hamburg gibt Einblicke in seine Welt.

Samstag, 04.06.2022, 12:00 Uhr

Von Carola Große-Wilde, dpa

Spektakulär und aufsehenerregend war 2018 die Versteigerung eines seiner bekanntesten Werke „Girl with Balloon“: Kurz nach dem Zuschlag bei der Auktion von Sotheby's in London zerstörte sich das Bild vor Ort selbst, indem der untere Teil durch einen im Rahmen verborgenen Schredder in Streifen geschnitten wurde. Davor war das Original für umgerechnet 1,2 Millionen Euro versteigert worden. Die erstaunten Gesichter der Auktionsteilnehmer können jetzt in einem Video - neben einer Replik des Werkes - in der Ausstellung „The Mystery of Banksy - A Genius Mind“ in Hamburg bewundert werden. Dort ist die Schau bis zum 3. Oktober im ehemaligen Galeria Kaufhof in der Mönckebergstraße zu sehen.

„Banksy ist in erster Linie ein Straßenkünstler, der für seine Graffitis bekannt ist, die er auf der ganzen Welt verteilt hat“, sagt Produzent Oliver Forster. Daneben habe er ziemlich früh angefangen, original signierte Kunstwerke und Drucke in limitierter Auflage zu verkaufen. Die meisten davon befinden sich in Privatbesitz und sind somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. „Einen Original-Banksy bestaunen zu können, ist also eine absolute Seltenheit. Wir versuchen nun, anhand originalgetreuer Reproduktionen die besten und eindrucksvollsten Motive an nur einem Ort erlebbar zu machen.“

„Banksy konfrontiert die Menschen mit der Wahrheit“

In der Wanderausstellung, die später auch in Kiel gezeigt werden soll, sind rund 150 Werke zu sehen, darunter Graffitis, Drucke, Fotos, Skulpturen und Videoinstallationen. Der Rundgang zeigt Banksy als Künstler, der gesellschaftliche und politische Themen aufgreift, etwa das Leid von Menschen auf der Flucht. „Banksy konfrontiert die Menschen mit der Wahrheit, vor der wir nur allzu gerne die Augen verschließen“, sagt Kuratorin Virginia Jean. „Banksy hält uns den Spiegel vor, zeigt uns, dass wir in einer Bubble leben und leider nicht auf Themen achten, die wichtiger für uns alle sein sollten.“

So zeigt sein Ölgemälde „Mediterranean Sea View“ (2017) nicht nur romantische Meereslandschaften, sondern auch an Land getriebene Schwimmwesten, um auf die Flüchtlingskrise aufmerksam zu machen. In vielen anderen Werken kritisiert Banksy Krieg und Gewalt, zum Beispiel wenn sich ein israelischer Soldat und ein Palästinenser eine Kissenschlacht liefern. Auch soziale Missstände wie Obdachlosigkeit, Kinderarbeit und Umweltzerstörung werden angeprangert. Und er kommentiert vieles mit Humor. So wurde der Londoner U-Bahn-Waggon nachgebaut, den Banksy im Sommer 2020 mit Ratten und Corona-Masken besprüht hatte.

Werke vor 25 Jahren zuerst in Bristol aufgetaucht

Wer Banksy ist oder wie er wirklich heißt, weiß bis heute niemand. Fest steht nur, dass seine Werke vor 25 Jahren zuerst in Bristol aufgetaucht sind. „Für mich ist Banksy ein moderner Robin Hood mit dem, was er tut“, sagt Kuratorin Jean.

So widmete der Künstler sein Bild „Game Changer“, das er 2020 heimlich im Flur eines Krankenhauses in Southampton aufgehängt hatte, dem Krankenhauspersonal. Das Bild zeigt einen kleinen Jungen, der seine Superhelden-Figuren Batman und Spiderman in den Müll geworfen hat und nun mit einer neuen Lieblingsfigur spielt - einer Krankenschwester mit Mundschutz und Umhang. Das Werk erzielte bei einer Auktion knapp 20 Millionen Euro. Der Erlös sollte, wie von Banksy ausdrücklich gewünscht, dem britischen Gesundheitsdienst zugutekommen.

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