TSenad Hot machte gute Laune zu seinem Beruf
„Ich mag das: Dass die Leute einfach Spaß haben und glücklich sind“, sagt Senad Hot, hier im Partyraum seines Vermieters. Fotos: Scholz
Senad Hot legt auf Hochzeiten und Feiern auf. Der 35-Jährige hat sich in der Region einen Namen als DJ gemacht. Zu Hause in Harsefeld aber deutet wenig darauf hin - zumindest auf den ersten Blick. Und inzwischen hat er sich noch ein Standbein aufgebaut.
Senad Hot fläzt sich auf das braune Sofa im Wohnzimmer. Auf dem großen Flachbildfernseher läuft Fußball. Hot öffnet ein Video auf dem Smartphone: Junge Menschen, die an langen Tischen sitzen und zum Klassiker „An der Nordseeküste“ schunkeln; Menschen, die in einer Polonaise durch den Festsaal tänzeln und sich von ihm einheizen lassen. „Guck“, sagt Senad Hot, „die machen alle mit! Ich mag das: Dass die Leute einfach Spaß haben und glücklich sind.“ Gute Laune gehört zu seinem Beruf.
Wochenende auf der Bowlingbahn
Dabei war dieser Weg nicht unbedingt vorgezeichnet. Als das Bowlingcenter in Buxtehude vor mehr als zehn Jahren einen DJ suchte, stellte sich Senad Hot vor, legte auf und überzeugte die Betreiber und schließlich auch die Besucher. Hot arbeitete an den Wochenenden auf der Bowlingbahn, auf 400-Euro-Basis. Später auch in Stade. „Das war geil“, sagt er und lacht. Aber dabei blieb es nicht.
„Irgendwann hat mich ein Gast gefragt: Senad, du machst so geile Musik. Kannst du nächste Woche auf meinem Polterabend auflegen?“ Senad Hot war sich etwas unsicher, fragte sich, ob er dafür gut genug sei, und sagte zu.
Aus Hobby wurde sein Beruf
Seitdem begleitet er alle möglichen Veranstaltungen mit seiner Musik, vor allem Hochzeiten jeglicher Art, „normale“ Hochzeiten, Silberne Hochzeiten, Goldene Hochzeiten. Auch auf der eigenen Hochzeit vor zehn Jahren legte er selber auf, weil die gebuchten DJs kurzfristig abgesagt hatten. „Was damals als Hobby begann“, schreibt Hot auf seiner Website, „ist mittlerweile Job und Hobby zugleich.“
In seiner 90-Quadratmeter-Wohnung in Harsefeld deutet zunächst nichts darauf hin, dass dieser Mann als DJ unterwegs ist. Das Equipment - Pult, Lichtanlage, Fotobox - wird in Abstellräumen gelagert. „Wenn ich hier ständig Musik machen würde, würde das Feuer schnell nachlassen“, sagt er. Doch es gibt einen Nebenraum, sein „Studio“, in dem Senad Hot umso mehr übt und mixt. Meist mit Kopfhörern, wegen der Kinder.
Nach der Schule ohne Plan
Seit fünf Jahren wohnt Senad Hot mit seiner Familie in der Wohnung in Harsefeld. Ehefrau Sabrina (31) und Tochter Suana (1) spielen gerade mit einem Holzpuzzle im Wohnzimmer. Sohn Sian (3) macht Mittagsschlaf im Bett der Eltern.
Sabrina und Senad Hot mit Tochter Suana (links) und Sohn Sian.
Senad Hot wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren, im heutigen Montenegro. Wegen des Kriegs floh die Familie nach Deutschland, kam 1995 in Sauensiek an, wohnte in einer Unterkunft für Flüchtlinge. Senad Hot spielte Fußball, ließ sich - weil er nach der Schule „keinen Plan“ hatte - zum Sport- und Fitnesskaufmann ausbilden. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde er arbeitslos. Auch als DJ bekam er weniger Aufträge, weil die Menschen weniger feierten.
Senad Hot reagierte, baute zusammen mit einem Geschäftspartner in viel Eigenarbeit eine 400 Quadratmeter große Halle in Harsefeld zu einem Fitness- und Rehastudio um, das „Hot Gym“. Wo sich das befindet, möchte er aber nicht im TAGEBLATT lesen. „Das läuft über Weiterempfehlungen“, sagt Hot. Er möchte nicht, dass die Mitglieder in einem überfüllten Studio trainieren müssen.
4265 Kontakte im Smartphone
Inzwischen ist Senad Hot auch wieder als DJ gefragt. „Ich habe einfach immer gute Laune und lerne viele Leute kennen“, sagt er. Zum Beweis wischt Hot durch die Kontaktliste seines Smartphones: 4265 Kontakte. So viele waren es noch vor zwei Wochen, inzwischen dürften weitere hinzugekommen sein. Zu schaffen sei das alles nur dank seiner Frau, sagt Hot: „Sie kennt mich nicht anders.“ Bloß für Weihnachten und Silvester nehme er keine Aufträge an, „Weihnachten und Silvester sind heilig.“
Die Adventsserie
Im Dezember öffnet das TAGEBLATT bis Heiligabend 24 Türen, hinter denen sich interessante Menschen und spannende Geschichten aus der Region verbergen. Den vierten Teil vom Sonntag lesen Sie heute auf Seite 21. Alle Folgen der Serie gibt es im Internet unter: