So feiert Neu Wulmstorf seinen 50. Geburtstag
Der Neu Wulmstorfer Bahnhof trug bis zur Eingemeindung Daerstorfs nach Neu Wulmstorf im Jahr 1969 den Namen Daerstorf. Foto: Gemeindearchiv
Im Juli feiert die Einheitsgemeinde Neu Wulmstorf ihren 50. Geburtstag mit einem großen Fest für ihre Bürger. Die sollen aktiv mitmachen – und aufschreiben, was ihnen Neu Wulmstorf bedeutet.
Als sich der Daerstorfer Häusling Peter Lohmann 1835 seinen Wunsch nach Eigenständigkeit erfüllte und sich mit seiner kleinen Familie vier Kilometer nördlich von Wulmstorf an der Chaussee zwischen Harburg und Stade auf unkultiviertem Heideland sein Häuschen baute, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass er damit die Keimzelle legte für eine Gemeinde, die rund 150 Jahre später zur am schnellsten wachsenden Gemeinde Deutschlands aufsteigen würde.
Aus seinem Vossbarg, so genannt wegen der vielen in der sandigen Umgebung lebenden Füchse, wuchs langsam die Siedlung Vosshusen heran, der alte Name Neu Wulmstorfs, der noch heute als plattdeutscher Name des Ortes auf den gelben Ortsschildern zu lesen ist. 1835 gilt bis heute als Geburtsdatum Neu Wulmstorfs, und 1939 feierte der Ort auch fröhlich sein 100-jähriges Bestehen.
Die Gemeinde Neu Wulmstorf in ihrer heutigen Form indes war damals noch lange nicht geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Flüchtlinge und markierten mit dem Bau der Heidesiedlung den nächsten Meilenstein in der Entwicklung des Ortes, doch den größten Einschnitt auf dem Weg hin zu dem, was Neu Wulmstorf heute ist, brachte die niedersächsische Gebietsreform im Jahr 1972.
1972 wurde die EInheitsgemeinde Neu Wulmstorf geboren
Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden wurde am 2. Juli 1972 schließlich die Einheitsgemeinde Neu Wulmstorf geboren. Zu Neu Wulmstorf – zwei Jahre zuvor war bereits Daerstorf eingemeindet worden – kamen die bis dahin unabhängigen Gemeinden Elstorf mit Ardestorf, Schwiederstorf, Rade mit Mienenbüttel und Ohlenbüttel, Rübke und die Enklave Tempelberg dazu. Durch die Eingemeindung vergrößerte sich die Gemeinde von 8779 auf 11.416 Einwohner, verteilt in dem schmalen Korridor zwischen Rübke im Norden und der Autobahn A 1 im Süden.
Seither hat die Gemeinde ein rasantes Wachstum durchlaufen, heute zählt Neu Wulmstorf mit allen Ortsteilen rund 21 500 Einwohner. Und gemeinsam mit denen soll das Jubiläum im Sommer – in der Hoffnung, dass die Pandemie das zulässt – am Jubiläumswochenende von Freitag, 1., bis Sonntag, 3. Juli, ein großes Fest gefeiert werden, kündigt Neu Wulmstorfs Bürgermeister Tobias Handtke an: „Es wird auf jeden Fall ein Fest für die Bürger werden, bei dem die Bürger im Mittelpunkt stehen.“
Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren, Gemeindearchivarin Claudia Glume und die Kulturbeauftragte Karin Schröder bereiten die Aktionen federführend im Rathaus vor. Unter anderem wird es eine Fotoausstellung mit Bildern aus der Zeit um 1972 geben; einen Aufruf an die Bürger, dafür ihre Alben zu plündern, haben Glume und Schröder bereits gestartet. „Wir haben schon einiges bekommen, können aber noch Fotos gebrauchen“, sagt Schröder.
Aufruf: Was bedeutet ihnen Neu Wulmstorf?
Auf dem Rathausplatz wird es eine Party geben, geplant sei auch, lokale Akteure der jeweiligen Jahre einzuladen, und auch in den Ortsteilen werde es Aktionen geben, denn auch sie seien wesentlicher Bestandteil der Reform, so Handtke. Das Fest hat die Gemeinde unter das Motto „Das haben wir uns verdient“ gestellt, denn alle sollen eingebunden werden, sagt Handtke, der sich als Bürgermeister vorgenommen hat, das soziale Miteinander im größer werdenden Neu Wulmstorf aktiv zu fördern.
So wird es auch eine Aktion geben, bei der die Bürger selbst tätig werden sollen. 50 Einwohner der Jahrgänge 1972 bis 2022 sind dann gefragt, ihre Sicht auf Neu Wulmstorf aufzuschreiben und zu sagen, was ihnen Neu Wulmstorf persönlich bedeutet, erklärt Karin Schröder. Zu dieser Aktion wird es demnächst einen gesonderten Aufruf geben.