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Kreisklasse statt Bezirksliga

TSo kam es zum Absturz des VfL Horneburg

Fußball-Obmann Marvin Rodich , hier vor der Saison, mit den nun freigestellten Trainern Walerij (links) und Alexander Hettich. Foto: Verein

Fußball-Obmann Marvin Rodich , hier vor der Saison, mit den nun freigestellten Trainern Walerij (links) und Alexander Hettich. Foto: Verein

Nach dem Bezirksliga-Aus der ersten Mannschaft droht der VfL Horneburg in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Wie konnte es soweit kommen? Fußball-Obmann Marvin Rodich mit einem Erklärungsversuch.

Von Tim Scholz Samstag, 18.12.2021, 08:00 Uhr

In den vergangenen Tagen klingelte Marvin Rodichs Telefon nahezu pausenlos. Nachbarn sprachen ihn an. Und immer lautete die Frage: „Was ist los bei euch?“, berichtet der Fußball-Obmann des VfL Horneburg. Nun, was war los? Wie das TAGEBLATT berichtete, trat das Team am Sonntag zum dritten Mal in Folge nicht in der Bezirksliga an. Damit stand Horneburg als erster Absteiger fest, die Partien mit VfL-Beteiligung wurden aus der Wertung genommen.

Rodich wandte sich nun an das TAGEBLATT. Er möchte vermeiden, dass schlechtes Licht auf den Verein fällt, und seine Entscheidungen erklären. „Es ist natürlich katastrophal, eine Bezirksliga-Mannschaft aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Aber was willst du machen?“, fragt Rodich. „Wäre es weitergegangen, hätten wir das Problem nur verschoben.“

Weil sich eine höher spielende Mannschaft in der laufenden Saison nicht abmelden lässt, schauten die Horneburger zusammen mit Michael Koch, Vorsitzender des Spielausschusses beim NFV-Kreis Stade, ins Regelwerk: Sie traten drei Mal in Folge nicht an. „Das ist eine legale Lösung“, sagt Koch. Der Spielausschuss für die Bezirksliga Lüneburg 4 schloss den VfL vom Spielbetrieb aus. Die Saison ist für die Horneburger damit beendet. Aus Rodichs Sicht eine notwendige, aber frustrierende Entscheidung.

„Richtiger Schlag ins Kontor“

Nach drei Jahren in der Bezirksliga droht der VfL Horneburg in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. „Das war ein richtiger Schlag ins Kontor“, teilt der Vorstand des VfL Horneburg mit, betont aber auch, dass dem Verein viel an einem Neustart liegt: „Der VfL muss nun nach vorn schauen und die Sparte Fußball mit den Verantwortlichen neu aufbauen, um in Zukunft an die alten Zeiten anzuknüpfen.“ Das sei sicherlich eine Aufgabe von mittelfristiger Dauer.

Wie konnte es soweit kommen? Dass der VfL in eine schwierige Saison ging, war bereits im Sommer klar. Denn: In der vergangenen abgebrochenen Saison hatten Trainer Bastian Augustin und Obmann Sascha Janitz aufgrund von Differenzen mit der Mannschaft hingeschmissen. Das Wort „Einstellung“ war zu vernehmen. Viele Spieler verließen den VfL.

Der neue Fußball-Obmann Marvin Rodich und das Trainerteam um Walerij Hettich arbeiteten an einem Neustart in der Saison 2021/22. Doch: „Die Altlasten haben uns eingeholt“, sagt Rodich. Ein schleichender Prozess. „Wir waren zu Beginn gut aufgestellt und am Ende waren nur noch sechs, sieben Spieler beim Training.“ Faktoren wie Verletzungen, Urlaube, Arbeitszeiten, sicherlich auch Corona und der Strukturwandel ließen die Personaldecke aus Rodichs Sicht schwinden.

Motivation leidet unter Niederlagen

Im Oktober verschlechterte sich die Lage. Rodich war vor Spieltagen stundenlang damit beschäftigt, genügend Spieler für die erste Mannschaft zu akquirieren, doch die Fußballer der zweiten Mannschaft konnten nicht zum Aushelfen bewegt werden. „Sie kämpfen selber um den Klassenerhalt oder wollten sich in der Ersten nicht festspielen“, sagt Rodich. Außerdem litt die Motivation im Bezirksliga-Team durch die ständigen Niederlagen. Die Horneburger konnten keine spielfähige Mannschaft mehr stellen.

Trainer Walerij Hettich und sein Assistent Alexander Hettich, die die Mannschaft erst im Sommer übernommen haben, werden zur Winterpause freigestellt, teilt Rodich mit: „Das ist sachlich abgelaufen. Es gab keine Schuldzuweisungen, keinen Clinch.“ Die Hettich-Brüder hätten die Entscheidung selber logisch gefunden, denn zuletzt seien kaum noch Spieler beim Training gewesen, und jetzt gebe es die Mannschaft quasi nicht mehr, sagt Rodich: „Wozu brauchen wir dann noch so gute Trainer?“

Sollte der VfL Horneburg in der kommenden Saison mit einer neu formierten Mannschaft komplett neu starten, müsste diese in der untersten Kreisklasse antreten. Zumindest behält der Verein das Startrecht der zweiten Mannschaft, die in der 2. Kreisklasse derzeit gegen den Abstieg spielt. „Die Tendenz geht eher dahin, dass man eine gute Mannschaft formt“, sagt Rodich. Einige Spieler werden den Verein bereits im Winter verlassen, andere haben signalisiert, dass sie bleiben und für die Zweite auflaufen wollen.

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