So kreativ lebt der Chef des Kulturvereins "Moorburger Art"
Manfred Brandt in seinem Wohnzimmer: offen und lichtdurchflutet. Ballonlampen sorgen für zusätzliches Licht. Vieles auf den 300 Quadratmetern entsprang der Fantasie des Moorburgers. Foto: Felsch
Sein Herz schlägt nicht nur links, sondern auch für die Kunst. SPD-Urgestein Manfred Brandt, eher bekannt für seine Initiativen zur Volksgesetzgebung, hat in einer ehemaligen Scheune ein recht ungewöhnliches Wohnkonzept verwirklicht – voller unkonventioneller Ideen.
Mehrmals im Jahr lädt Brandt zu kulturellen Veranstaltungen in seine Scheune ein. Vieles, was auf rund 300 Quadratmetern entstand, entstammt seinem kreativen Kopf. Manfred Brandt, 1945 in Moorburg geboren, ist Doktor der Agrarwissenschaft und Landwirt. Letzteres ist vermutlich der Grund, warum er auch handwerklich geschickt ist und so bei der Umgestaltung des Heubodens selbst mit anpackte.
Die Geländer zum Beispiel stammen von Holzstämmen, die der Hobbyarchitekt aus dem Wald herangeschafft hat. Als Nächstes hängte er Ballonlampen in unterschiedlicher Höhe auf, die für zusätzliche Helligkeit sorgen. Er glaubt, jeder Mensch hat ein künstlerisches Gen. Zumindest seine eigene handwerkliche und künstlerische Ader ist an vielen Ecken der früheren Scheune zu sehen. Ganz besonders an dem Klo für Besucher. Aus einem Bierfass baute Brandt ein Urinal.
Der Traum vom großen Wohnzimmer
Im ersten Stock, über der Keramikwerkstatt und der Töpferei im Erdgeschoss, war ursprünglich mal ein Atelier für einen „richtigen“ Künstler geplant. Aber dann sprang der Mieter aus privaten Gründen ab und Brandt verwirklichte sich seinen Traum. „Ich habe mir gedacht, dann gönn’ ich mir mal ein großes Wohnzimmer“, erzählt er schmunzelnd. Wohlwissend, dass das eine komplette Untertreibung ist. Wer die schmale Treppe zu seinem Reich hochsteigt, gerät ins Staunen: ein riesengroßer, offener Raum, von Dachfenstern lichtdurchflutet.
Wenig Mobiliar, und das meiste auf Rollen. Das ist so gewollt. Denn bevor der Vorhang für die kleine Bühne mit dem Klavier am Ende des Raumes fällt, schiebt der Chef vom Kulturverein „Moorburger Art“ fast alle Möbel beiseite. „Ein Grund, warum ich mich für dieses Konzept entschieden habe, ist, dass ich Ordnung halten muss, das funktioniert nur, wenn ich nicht zu viel Kram rumstehen habe“, sagt er lachend.
Siesta in der Hängematte
In der Mitte steht ein alter Kartentisch, der Brandt als Büro oder Kommunikationszentrum dient. Hier wird Zeitung gelesen, Schreibarbeiten erledigt oder mit Freunden bei Kaffee oder Wein über Gott und die Welt diskutiert. In der Hängematte, die von den Balken baumelt und den Blick zum blauen Himmel freigibt, hält der Hausherr gern Siesta.
Von seinem „Wohnzimmer“ aus führen zwei steile Treppen zu Emporen, die als Rückzugsorte oder auch mal für Studenten als Schlafstätte dienen.
Frei zugänglich sind sein Arbeitszimmer, seine Leseecke und sein „Massagesalon“ mit der physiotherapeutischen Liege. Einmal in der Woche lässt er sich hier behandeln.
Designerwanne zieht die Kunsthandwerker an
Abgeschirmt von neugierigen Blicken sind nur das Gäste-WC, zwei Schlafzimmer sowie eine Mini-Küche, in der Frauen keinen Zutritt haben. „Die reden mir sonst immer beim Kochen rein“, begründet der Hobbykoch das selbst entworfene Verbotsschild an der Tür.
Eigentlich ist auch das großzügige Bad mit der freistehenden Designerwanne tabu, doch das klappt nicht immer, wie der gutmütige Hausherr schmunzelnd gesteht. „Kunsthandwerkern gefällt dieser Ort besonders für den Verkauf ihrer Seifen.“
Aber das stört ihn nicht wirklich. Auch nicht, wenn sich jemand unangemeldet hinauf verirrt. „Das kenn’ ich aus meiner Kindheit, dass plötzlich jemand in der Wohnküche stand, das ist bei uns Tradition“, erklärt der gebürtige Moorburger, der von Kiel wieder zurück in die Heimat gezogen war, um seine an Parkinson erkrankten Eltern zu pflegen. Nach deren Tod blieb er und vermietete sein Elternhaus, als sich die Gelegenheit mit der Scheune ergab.
Ein kleines Künstlerdorf auf dem Grundstück
Als echter Moorburger Jung „kämpfte“ er für den Erhalt seines Dorfes, mischte sich politisch ein und schuf so ganz nebenbei einen Platz für Künstler und Kunstinteressierte. So eine Art kleines Künstlerdorf ist nach und nach auf seinem Grundstück entstanden und immer noch nicht ganz fertig. Der alte Schweinestall gehört zu den derzeitigen Projekten, die ihn umtreiben. Und sicherlich noch die eine oder andere Aktion in seinem „Himmelreich.“