So wollen Stades Auto-Azubis den Klimawandel bekämpfen
Die Automobilkaufleute, die auch an der BBS 2 in Stade lernen, näherten sich bei einer Online-Veranstaltung klimaschützenden Maßnahmen in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Ernährung weiter an. Foto: Stief
Auf den politischen Bühnen wird fast täglich über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutiert. Doch auch in kleinem Kreise denken die Menschen über das Thema nach. Wie die Klasse der Automobilkaufleute an der BBS 2 in Stade. Die große Frage: Was können sie tun?
Die jungen Frauen und Männer nahmen an einem Online-Seminar teil. Titel: Wie sieht Deine Energievision 2050 aus? Mit einem aufrüttelnden Film ging es los, dann wurden einzelne Themenfelder in Gruppen bearbeitet. Selbstredend gehörte auch der Aspekt Mobilität dazu. Und damit auch das Auto, an den BBS ein Thema und bei Automobilkaufleuten sowieso.
„Hier sind ab 8 Uhr keine Parkplätze mehr zu bekommen“, erzählen Fynn Kokowsky und Tjark Engels. Und die Parkplätze an den BBS in Stade sind so groß wie zwei Fußballfelder. Dass da viel Kraftstoff verballert wird, um zur Schule zu kommen, liegt auf der Hand. „Man müsste beim Autofahren sparen, wo es nur geht“, sagt Hawal Schmidtsdorff. Öfter das Rad nehmen. Aber der junge Mann aus Stade hat es da einfacher als seine Mitschüler. Denn Fynn Kokowsky und Tjark Engels zum Beispiel kommen aus Wangersen und Brest. Dort ist das Auto unverzichtbar.
Schüler sind Auto-Fans
Das beim Onlineseminar gezeigte Schaubild, wie viel Platz 60 Autos brauchen und wie wenig im Vergleich dazu ein Bus, haben die Schüler noch in bester Erinnerung. Aber Tjark Engels, der als Stader den öffentlichen Personennahverkehr ins Spiel brachte, hat selbst nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Oft sei die Bahn einfach zu spät dran.
Wohin die Reise beim Auto auf der Weltbühne geht, verfolgen die jungen Leute natürlich – schließlich sind die meisten, wen wundert’s, bekennende Autofans. Bei den derzeit angepriesenen E-Autos werde vieles beschönigt, sagen die Schüler. Gerade bei der Gewinnung der Bestandteile der Akkus läge einiges im Argen.
Das Thema Klima- und Ressourcenschutz ist aber auch in den Autohäusern im Landkreis Stade, wo die meisten Schüler der BBS 2 ihre Ausbildung machen, angekommen. Transportkartons würden mehrmals verwendet, Plastiktüten, in denen Schrauben geliefert wurden, ebenso. Allerdings stellten die Schüler auch da Unterschiede fest: Manch ein Teilehersteller liefere nach wie vor kleinere Produkte in großen Verpackungen, andere passten das an.
„Viele kleine Schritte bringen was“
„Ich bin jetzt viel mehr sensibilisiert“, sagt Torben Richters über die Nachwirkungen des Onlineseminars. In ihrem Umfeld was ändern zu wollen, haben sich viele auf die Fahnen geschrieben. Wenn das umgesetzt werde, sei ein Ziel erreicht, sagt Lehrerin Marion Blattner, die den Workshop in die Klasse der Automobilkaufleute holte.
An dem Vormittag beackerten die Schüler auch die Felder Ernährung, Wohnen und Konsum. Auch da gibt es durch bewussteren Umgang viel Positives zu schaffen. Den Fleischkonsum überdenken, regionale Produkte kaufen oder selbst Gemüse anbauen gehören zu den Möglichkeiten, die jeder umsetzen kann. Noch ein Beispiel: Viele wohnten in zu großen Wohnungen oder Häusern, hier sei mit Blick auf das Klima weniger mehr.
Die an der BBS 2 angekommene Online-Bildungsveranstaltung bietet der Verein Multivision bundesweit an. Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, über das Klima, die Energie und die Zukunft nachzudenken, ist erklärtes Ziel. Dazu werde der Unterricht inhaltlich fundiert angereichert. Denn klar ist: Die Schüler von heute sind Teil der Lösung und sie können es sich nicht mehr leisten, Teil des Problems zu sein. In der Gesprächsrunde sind sich die Schüler darin einig: „Viele kleine Schritte bringen was.“