Tödliches Unglück: Jetzt steht fesst, warum die „Verity“ sank
Das geborgene Heck des zweigeteilten Frachters „Verity“ liegt auf einer Plattform. Foto: Sina Schuldt/dpa
Fünf Seeleute starben, als die Frachter in der Nordsee zusammenstießen. Mehr als zwei Jahre haben Fachleute den schweren Unfall untersucht - mit neuen Erkenntnissen.
Cuxhaven/Hamburg. Der tödliche Zusammenstoß der Frachtschiffe „Verity“ und „Polesie“ am 24. Oktober 2023 in der Deutschen Bucht war eine Folge von Fehlentscheidungen, missverständlicher Kommunikation, problematischer Verkehrsführung und einer unterbesetzten Verkehrszentrale. Dies geht aus einer Stellungnahme der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg hervor. Sie bezieht sich darin auf den Untersuchungsbericht der für die Ermittlungen zuständigen Seeunfalluntersuchungsbehörde in Großbritannien, die Marine Accident Investigation Branch. Die Analyse soll helfen, solch schlimme Unfälle künftig zu vermeiden.
T Haben misslungene Absprachen zum Tod von fünf Seeleuten geführt?
Fünf Tote und monatelange Sperrungen
Bei dem Zusammenstoß auf der Nordsee südwestlich der Hochseeinsel Helgoland und nordöstlich der ostfriesischen Insel Langeoog starben fünf Seeleute. Das Stückgutschiff „Verity“, das 187 Stahlbandrollen geladen hatte, sank. Die Bergung des Wracks war aufwendig und herausfordernd. Unter Wasser wurde das Schiff in zwei Teile geschnitten, später hob einer der stärksten Schwimmkräne Europas die Wrackteile mit tonnenschweren Ketten aus dem Wasser. Monatelang galt ein Sperrgebiet um den Unfallort. Die Gegend ist eine der meistbefahrenen Seegebiete weltweit.

Hier kollidierten die beiden Frachter. Foto: dpa
Was führte zu dem tragischen Unfall?
In der knapp 90 Seiten langen Stellungnahme schildert die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung ausführlich den Hergang des Unfalls und die folgenden Untersuchungen. Demnach verstießen verantwortliche Seeleute an Bord gegen Regeln zur Vermeidung von Zusammenstößen. Die Schiffe fuhren zu dicht, änderten ihren Kurs spät und in kleinen Schritten. Eine direkte Kommunikation zwischen den beiden Frachtern gab es nicht. Die Schiffe informierten auch nicht über Manöver- und Warnsignale. Die Verkehrszentrale Wilhelmshaven war zum Unfallzeitpunkt - wie auch an anderen Tagen - unterbesetzt und griff zu spät ein.

Der Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ ist in der Unglücksnacht im Einsatz. Foto: Handout/PA Media/dpa
Als beide Schiffe schon dicht beieinander waren, gab die Verkehrszentrale eine Anweisung für eine Kursänderung, die „auf unmittelbaren Kollisionskurs“ führte. Diese Anweisung hätte der Untersuchung zufolge nicht umgesetzt werden dürfen.
Die „Verity“ wurde auf Höhe des Laderaums getroffen und so stark beschädigt, dass sie binnen weniger Minuten sank. Die meisten der sieben Seeleute an Bord ruhten sich zum Unfallzeitpunkt aus. Durch das schnelle Sinken blieb keine Zeit für die Vorbereitung einer Rettung, fünf Männer starben.

Der Schwimmkran hebt das Heck des gesunkenen und zweigeteilten Frachters „Verity“. (Archivfoto) Foto: MARINE CONSULTANTS GmbH
Wie kann die Sicherheit verbessert werden?
In ihrer Stellungnahme listet die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung verschiedene Empfehlungen auf, um solch schweren Unfälle zu vermeiden. Demnach sollte das Bundesverkehrsministerium die Verkehrsführung an der Unfallstelle in der Deutschen Bucht überprüfen und bei Bedarf ändern lassen. Das Ministerium sowie die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt sollten sicherstellen, dass deutsche Verkehrszentralen ausreichend Personal und Technik haben, um jederzeit alle Aufgaben wahrnehmen zu können. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollten die Jobs attraktiver werden - mit besseren Arbeitsbedingungen und einer besseren Bezahlung. Mit Alarm- und Rufbereitschaftsplänen könnten ungeplante Personalausfälle kompensiert werden. (dpa)
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