TUmstrukturierung des Rettungsdienstes sorgt für Debatten im Kreis Cuxhaven
Wie kann die Struktur des Rettungsdienstes im Cuxland verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe des Landkreises Cuxhaven. Erste Vorschläge liegen vor - und die sorgen für Diskussionsbedarf. Foto: Marcus Führer / dpa
Es geht um Minuten und manchmal sogar um Sekunden: In Notfällen entscheidet neben der professionellen Hilfe auch der Zeitfaktor über Tod oder Leben. Jetzt steht das Rettungsdienst-Konzept für das Cuxland auf dem Prüfstand.
Von Egbert Schröder
Lange Anfahrtswege erschweren das rechtzeitige Eintreffen von Notärzten und -sanitätern. Eine neue Organisationsstruktur soll das ändern. Und dabei geht es auch um Standortfragen: Wo verschwinden Rettungswachen, wo werden sie neu gebaut? Jetzt liegen erste Vorschläge vor und sorgen für Gesprächsstoff.
Wenn es im Landgebiet zu einem Einsatz kommt, greift das sogenannte "Rendezvouz-System". Unabhängig voneinander setzen sich der Notarzt und die Notfallsanitäter mit ihren Rettungswagen in Bewegung, um zum Einsatzort zu gelangen. Die Zeit sitzt ihnen dabei nicht nur angesichts des akuten Falls im Nacken. Es geht auch um die - unterschiedlich je nach Bundesland - gesetzlich verankerte "Hilfsfrist", in der die professionellen Helfer am Einsatzort eingetroffen sein müssen. In Niedersachsen beträgt diese Zeitspanne 15 Minuten - von der Notfallmeldung bis zur Ausrück-, Anfahrts- und Ankunftszeit.
In städtischen Regionen ist das meist kein Problem; auf dem "platten Land" dagegen in Einzelfällen schon. Und das liegt nicht zuletzt an der historisch bedingten Wahl von Standorten der Rettungswachen. Diese würde man heute zum Teil an völlig anderen Stellen ansiedeln, um eine möglichst große Fläche des Kreisgebietes abdecken zu können und keine "weißen Flecken" entstehen zu lassen.
Projektgruppe wurde gegründet
Vor diesem Hintergrund ist innerhalb der Kreisverwaltung eine Projektgruppe gegründet worden, die sich mit einer neuen Organisationsstruktur des Rettungsdienstes beschäftigt. Dabei spielt neben der "Hilfsfrist" von 15 Minuten auch die Berücksichtigung der Schwerpunkte von Einsätzen eine Rolle. "Wir sind noch in der Entwurfsplanung", betonte Eike Schmitter von der Projektgruppe im zuständigen Fachausschuss. Allerdings präsentierte er auch erste Vorschläge, wo sich etwas ändern könnte oder müsste. Vorrang habe bei allen Überlegungen, dass "Versorgungslücken im Kreis Cuxhaven geschlossen werden müssen", sagte er den "Cuxhavener Nachrichten".
Nur einige Beispiele: Für den Otterndorfer Bereich wird die Verlegung der Rettungswache in das Gewerbegebiet (Raiffeisenstraße) vorgeschlagen. In Cadenberge sei ein Standort im südlicheren Bereich (Sportplatz-Weg) sinnvoll. Während für Hemmoor ein Neubau der Rettungswache eine Verbesserung darstelle, erscheine Lamstedt als neuer Standort ideal. Die Rettungswache Dorum könne zur Flächenabdeckung nach einer ersten Beurteilung nach Sievern verlegt werden, während statt Midlum Nordholz sinnvoll wäre. Eine Verlegung der Rettungswache von Lintig nach Bad Bederkesa schlägt die Projektgruppe ebenfalls vor.
Die Vorschläge liegen zwar auf dem Tisch, doch Schmitter betonte auch deutlich, dass es sich nur um eine erste "Entwurfsplanung" handele. Hinzu käme die Frage, an welchen Standorten wie viele Fahrzeuge benötigt werden würden.
Landrat lässt sich nicht beeindrucken
Für den Ausschussvorsitzenden Thorsten Ohlandt (CDU) ist zwar klar, dass sich "in diesem Bereich etwas tun muss". Doch im Zuge der Diskussion wurde auch deutlich, dass insbesondere Entscheidung zu einer Rettungswachenverlagerung durchaus für kommunalpolitische Diskussion sorgen wird. Der neue Landrat Thorsten Krüger lässt sich von einer Standortdiskussion aber nicht beeindrucken: "Eine Neuplanung ist notwendig."
Eine "Rückwärtsbetrachtung" mit Kirchturmdenken hinsichtlich der Standortwahl sei da wenig hilfreich. Es gehe jetzt und in Zukunft darum, den Rettungsdienst in seiner Gesamtheit regional neu aufzustellen. Daher habe er auch die entsprechende Projektgruppe eingerichtet, die sich dieser Thematik annehme. Dafür werde bereits vorhandenes Fachwissen in der Verwaltung durch neue Mitarbeiter genutzt: "Wir kaufen aber auch noch weitere Kompetenz ein."
Außen vor bleibt bislang weitgehend eine Kooperation mit der Stadt Cuxhaven. Krüger räumte zwar ein, dass man im Gespräch sei. Aber gleichzeitig betonte er, dass Stadt und Landkreis jeweils ihre "eigenen Hausaufgaben" erledigen müssten.