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Phänomene der Natur

Vergraben oder Kuscheln: So überleben Tiere bei Kälte

Eine Kohlmeise sitzt im Winter auf einem Ast. Foto: Annette Riedl/dpa

Eine Kohlmeise sitzt im Winter auf einem Ast. Foto: Annette Riedl/dpa

Wenn es kalt ist und der Wind um das Haus pfeift, dann machen wir es uns im Haus schön gemütlich. Und die Tiere draußen? Die meisten Tiere können bittere Kälte und niedrige Temperaturen sehr gut ertragen.

Freitag, 07.01.2022, 09:30 Uhr

Hier die Rekordhalter: Zwischen Moos oder Pflastersteinen leben bei uns Bärtierchen. Sie sind winzig klein, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Unter dem Mikroskop wirken sie niedlich und tapsig, ihre acht Beine bewegen sie bedächtig langsam. Bärtierchen sind wahre Überlebenskünstler und können Minustemperaturen von 270 Grad widerstehen. Ihre unfassbare Widerstandsfähigkeit ist ein Grund, weshalb sie bevorzugte Objekte der Forschung sind.

Unsere Gehäuseschnecken, wie zum Beispiel Weinbergschnecken, machen einfach die Tür zu. Sie bauen am Eingang des Schneckenhauses einen Verschluss aus Kalk und Schleim. Dann wird der Stoffwechsel heruntergefahren. So werden Temperaturen von 20 Grad minus gut ertragen.

Schlangen sind Profis im Überwintern

Kälteprofis sind auch Schlangen. Sie befinden sie in der kalten Jahreszeit in Winterstarre. Kreuzottern zum Beispiel suchen gemeinsam nach Höhlen tief unten in der Erde. Schlangenknäuel von mehr als zehn Tieren sind häufig. Die Überwinterungsplätze kennen die Schlangen genau, Jahr für Jahr werden sie aufgesucht. Kriecht eine Kreuzotter im Frühjahr unbeschadet aus der Höhle heraus, dann weiß sie, wo sie im nächsten Winter ihren sicheren Platz finden kann.

Kreuzottern bilden für den Schutz vor Kälte ein Schlangenknäuel . Foto: Schaffhäuser

Kreuzottern bilden für den Schutz vor Kälte ein Schlangenknäuel . Foto: Schaffhäuser

Ganz anders gehen Frösche mit der Kälte um. Frösche überwintern im Schlamm von Gewässern. So sicher dieser Platz erscheinen mag, ihre Überwinterung kann schwierig werden. Ist das Gewässer lange Zeit von Eis bedeckt, dann mangelt es an Sauerstoff und die Frösche können sterben. Teichfrösche dagegen überwintern in feuchter Erde. Sie lagern Frostmittel ein, erhöhen den Zuckergehalt und entziehen dem Körper Wasser. Erbärmlich dünn sehen sie jetzt aus. Der stark geminderte Stoffwechsel lässt das Herz ein- oder zweimal pro Minute schlagen. Ein Biologe fand einen Teichfrosch, der einige Tage im Eis eingefroren war. Er lebte nach dem Auftauen weiter.

Amsel hält Körpertemperatur von 43 Grad

Für Vögel ist ein extremer Winter nicht leicht zu überstehen. Bei zum Beispiel 20 Grad minus muss eine Amsel ihre Körpertemperatur von 43 Grad einigermaßen stabil halten. Das kostet besonders viel Energie, wenn Schnee den Boden bedeckt und wenig Tageslicht zur Nahrungssuche vorhanden ist. Das Füttern der Vögel kann dann zum Überleben beitragen.

Was kreucht und fleucht denn da in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.

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