Wie Maulwürfe jetzt im Winter Nässe und Frost widerstehen
Der Maulwurf kann sich dank einer Vielzahl von Riechzellen und seines guten Gehörs unter der Erde gut orientieren. Foto: Nabu
Bei all dem Ärger, den er mit seinen Haufen im heimischen Garten erzeugen kann: Der Maulwurf kann viel. Selbst im pitschnassen Boden und bei Frost gelingt es ihm, mit solchen Widrigkeiten fertig zu werden.
Von Wolfgang Kurtze
Der versteckt im Boden lebende Maulwurf wurde früher „Mullwerf“ genannt. Der Name beschreibt seine Tätigkeit gut, denn er wirft Erde auf, wühlt Gänge im Boden. Im Gangsystem orientiert er sich problemlos. Dreimal am Tag kontrolliert er sie, und zwar meistens vormittags, nachmittags und gegen Mitternacht.
Wer tief in der Erde lebt und nicht gut sehen kann, der muss gut hören und riechen können. Seine Ohren kann er in der Erde zwar verschließen, aber sie sind so konstruiert, dass er auch langwellige Töne wahrnimmt. Kleine Erschütterungen auf und im Boden bemerkt er sofort. Die große Zahl an Riechzellen macht es möglich, dass er jeden Wurm und jedes Insekt entdecken und fressen kann.
Die Sorgen des Maulwurfs im Winter
Im Winter steht oft Wasser auf den Wiesen. Läuft es in seine Gänge hinein, wird es für ihn brenzlig. Dann errichtet er eine Burg, indem er Erde wie eine Insel aufhäufelt. In solch einer Maulwurfsburg ist er eine Weile sicher und baut darin sein Nest. Steigt das Wasser noch weiter an, dann muss er fliehen und schwimmen.
Aber der Maulwurf ist ein guter Schwimmer. Das verrät sein Leben auf vielen Nordseeinseln, auf Pagensand oder der „Insel“ in Stade. Auf die Insel Sylt jedoch gelangte wahrscheinlich lange Zeit kein Maulwurf. Erst ab 1927, als der Hindenburgdamm fertiggestellt wurde, wühlte er sich auf dem Damm dorthin.
Gefahr der Unterkühlung in tiefen Gängen
Wenn im Winter der Boden gefriert, dann muss der Maulwurf in größeren Tiefen nach Nahrung suchen und mehr Erde aufhäufeln. Sein Schlafnest wird ebenfalls tiefer gelegt, er schläft jetzt mehr und spart damit Energie. Doch in der Tiefe ist der Gehalt an Sauerstoff geringer und die Menge an Kohlenstoffdioxid höher. Nun muss er den Boden mehr lüften, seine Gänge öffnen und dabei die Kälte hineinlassen.
Er muss aber sehr vorsichtig sein, denn sein Körper darf nicht unterkühlen. Unter fünf Grad plus – das zeigen Experimente – sollte die Temperatur im Gangsystem nicht absinken. Es ist ein schwieriger Balanceakt, den ein Maulwurf im Winter vollführen muss. Aber er schafft es.
Die Serie: Was kreucht und fleucht denn da in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge.
Mit dem kostenlosen TAGEBLATT-Web-Push-Service immer auf dem Laufenden bleiben