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Adventsserie

TWo die Schlangen bei Kälte erstarren

Wo die Schlangen bei Kälte erstarren

Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die sonst verschlossen sind – und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Heute geht es an einen Ort, an dem Reptilien und Amphibien den Winter verbringen.

Von Ina Frank Mittwoch, 15.12.2021, 09:30 Uhr

Die Metalltür an dem kleinen Gebäude auf dem Betriebshof des Wildparks Schwarze Berge ist eher unscheinbar. Dahinter verbirgt sich aber ein Raum, in dem für einige Monate im Jahr viele Tiere ihr Zuhause haben: das Winterquartier der Amphibien und Reptilien.

In diesem Jahr haben die Tiere ihr Quartier erst im Dezember bezogen, berichtet Tierpfleger Sebastian Müller, der sich um die Amphibien und Reptilien kümmert. In der Regel sammelt er die Tiere ein, wenn draußen etwa fünf Grad sind. Kälter darf es nicht sein, sonst würden sich die Schlangen in ihrer „Schlangengrube“, in der sie in den Sommermonaten für die Besucher zu sehen sind, als Schutz vor der Kälte eingraben – und der Tierpfleger würde sie nicht mehr finden. Bei Dauerfrost dürfen die Tiere auf keinen Fall draußen sein – dann besteht die Gefahr, dass sie erfrieren. Amphibien und Reptilien sind wechselwarme Tiere, sie passen ihre Körpertemperatur der Außentemperatur an. In freier Wildbahn verbuddeln sich die Tiere oder suchen sich Schlupflöcher, im Wildpark ziehen sie eben in das Winterquartier um.

Tiere fahren ihren Kreislauf herunter

Neben dem Vorraum hat das Winterquartier zwei Räume. Einer ist hell und relativ warm, hier stehen einige Terrarien. In einem krabbeln Insekten, die als Futtertiere dienen. In einem anderen wohnen gerade drei Laubfrösche – sie sollen nicht in die Winterstarre fallen, denn sie sind etwas kränklich.

In der Winterstarre fahren die Tiere ihren Kreislauf herunter, erklärt Tierpfleger Sebastian Müller. Je kälter es wird, umso starrer sind sie. Die Tiere fressen nicht, sie zehren höchstens ein wenig von den Reserven, die sie sich vorher angefressen haben. Sie atmen weniger, und ihre Reaktionszeit ist deutlich verlangsamt.

Der letzte Winter der alten Zauneidechse

Im gegenüberliegenden Raum stehen mehrere kleine schwarze Schränke mit durchsichtigen Türen – fast ein bisschen wie Kühlschränke sehen sie aus. Und sie sind tatsächlich kühl. Hier drin überwintern etwa Hornottern, Äskulapnattern, Laubfrösche, Feuersalamander und Gelbbauchunken, eine Froschart. Die Tiere liegen in kleinen Kästen, gefüllt mit einer Art Einstreu und darunterliegenden Tonkügelchen, die Feuchtigkeit aufnehmen. Müller kontrolliert regelmäßig die Temperatur und Feuchtigkeit in den Schränken – und ob die Tiere gesund aussehen. Sie werden auch gewogen, denn zu viel abnehmen dürfen sie nicht.

In diesen Schränken überwintern die Reptilien und Amphibien.

In diesen Schränken überwintern die Reptilien und Amphibien.

„Die Winterstarre gehört zum artgerechten Lebenszyklus dazu“, sagt Müller. Sie stimuliert auch das Paarungsverhalten – die Tiere paaren sich in der Regel direkt nach der Starre. Der Raum ist weitgehend dunkel. Nur ein Terrarium ist warm und hell erleuchtet. Hier wohnt eine sieben Jahre alte Zauneidechse – älter werden die Tiere meist auch nicht. Eine Winterstarre würde die betagte Eidechse nicht mehr aushalten. Es könnte ihr letzter Winter sein, sie soll es schön haben. Sie kann sich unter der Lampe „sonnen“ und in einem kleinen Wasserbecken baden.

Schlangenbiss tat nicht weh

Drei bis vier Monate bleiben die Reptilien und Amphibien im Winterquartier, etwa bis April. Sobald nachts keine Minusgrade mehr herrschen, dürfen die Schlangen wieder zurück in ihre „Schlangengrube“, die Amphibien in ihre Terrarien in der Kunsthandwerkerhalle.

Eine giftige Hornotter liegt in ihrem Winterquartier. Foto: Frank

Eine giftige Hornotter liegt in ihrem Winterquartier. Foto: Frank

Für Sebastian Müller sind die Schlangen mit „die interessantesten Tiere, die der Wildpark hat“. Einige davon zeigt er auch Besuchern – und gebissen wurde er auch schon einmal. Zum Glück nur von einer nicht giftigen Äskulapnatter. „Das tut nicht weh. Es fühlt sich an wie ein Klettverschluss, den man von der Haut abzieht“, erzählt Müller schmunzelnd. Ein Biss von einer giftigen Hornotter wäre schlimmer – dann müsste man ins Krankenhaus.

Müller hält auch privat Reptilien. Aber er weiß, dass manche Besucher gerade bei Schlangen Vorbehalte haben. „Man mag sie, oder man mag sie nicht“, sagt er lachend.

Adventsserie

Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.

Ihren namensgebenden gelben Bauch zeigen die Gelbbauchunken gerade nicht.

Ihren namensgebenden gelben Bauch zeigen die Gelbbauchunken gerade nicht.

Wo die Schlangen bei Kälte erstarren

Tierpfleger Sebastian Müller an der Tür des Winterquartiers. Foto: Frank

Tierpfleger Sebastian Müller an der Tür des Winterquartiers. Foto: Frank

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