Zähl Pixel
Neues Gesetz

TWohngeld fordert Rathäuser im Landkreis Stade heraus

Mietzuschuss vom Staat: Wer innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen verdient, kann Wohngeld beantragen. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Mietzuschuss vom Staat: Wer innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen verdient, kann Wohngeld beantragen. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Das Wohngeld wird 2023 erhöht und für mehr Haushalte zugänglich. Das klingt sozial, bringt aber auch eine Menge Arbeit für die Kommunen mit sich. Die müssen die Regeln umsetzen - unter hohem Zeitdruck. Wer berechtigt ist - und wo es Anträge gibt.

Von Lars Strüning Samstag, 31.12.2022, 08:00 Uhr

50.000 Einwohner - bisher 450 Haushalte, die Wohngeld in erster Linie als Mietkostenzuschuss beziehen mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro. So sieht die Bilanz der Stadt Stade bisher aus. Birgit Pergande, Fachbereichsleiterin Bildung und Soziales bei der Stadt Stade, geht davon aus, dass diese Zahlen stark steigen werden. Das hat vor allem zwei Gründe.

Stadt Stade hat extra zwei neue Kräfte eingestellt

Zum einen wird der Zuschuss pro Fall erhöht, zum anderen werden die Eintrittskriterien gesenkt, so dass mehr Haushalte in den Genuss des Zuschusses kommen sollen. Die Ampel-Koalition hat das neue Gesetz im Zuge ihres Entlastungspaktes als „Wohngeld plus“ auf den Weg gebracht.

Der Bundesrat hatte final am 25. November zugestimmt. Seitdem rotieren die Verwaltungen der Kommunen, die die neuen Bestimmungen umsetzen müssen. „Knapper geht es kaum“, sagt Pergande zum Vorlauf für die Kommune. Die Stadt Stade hat reagiert.

Hier gibt es Anträge und Informationen zum Wohngeld

Die Wohngeldstelle wurde um zwei Kräfte aufgestockt, eine Mailadresse unter wohngeld@stadt-stade.de eingerichtet. Hier können Anträge formlos eingereicht und Fragen gestellt werden. Erste Ansprechpartnerin ist Marion Klein, die unter 04141 / 401 598 zu erreichen ist. Der Antrag kann unter www.stadt-stade.de heruntergeladen werden. Zu den Infos gelangen Interessierte, wenn sie bei der Suchfunktion auf der Startseite „Wohngeld“ eingeben.

Das erste große Ziel hat das Wohngeld-Team zum Jahreswechsel erreicht: Alle 450 Fälle aus dem Bestand sind im Sinne der neuen Regeln überarbeitet worden. Sie alle können mit einer spürbaren Erhöhung des Zuschusses bereits ab Januar rechnen. Die genauen Höhen sind schwer zu beziffern. Jeder Fall muss individuell ausgerechnet werden.

Um das Ziel zu erreichen, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stader Rathaus richtig rangeklotzt. Pergande freut sich über die hohe Motivation ihres Teams. Es wird jetzt die neu eingegangenen Anträge prüfen - und die, die da noch kommen werden.

Zahlungen könnten sich pro Haushalt verdoppeln

Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Auszahlungen verdoppeln. Damit soll Menschen mit niedrigem Einkommen, die bisher noch keine staatlichen Zuschüsse erhalten, geholfen werden, steigende Mieten zu wuppen. Außerdem wird ein Heizkostenzuschuss gezahlt, der zeitnah abgerechnet wird und die extrem gestiegenen Energiekosten auffangen soll.

Wichtig: Das Wohngeld muss beantragt werden

Da ist Eigeninitiative gefragt. Menschen, die vom „Wohngeld plus“ profitieren könnten, melden sich bei ihrem Rathaus, erhalten dort Auskünfte und die erforderlichen Unterlagen. Unerlässlich ist das Ausfüllen des 13-seitigen Antragsformulars.

Bürokratie muss sein, damit einigermaßen gerecht abgerechnet werden kann. Pergande: „Wohngeld ist eine komplizierte Materie.“ Bisher sind es vor allem Menschen mit geringer Rente, die vom staatlichen Zuschuss profitieren. Aber auch Studenten, Familien mit geringem Einkommen oder Hausbesitzer, die ihre Immobilie selbst nutzen und Probleme haben, das Darlehen zu tilgen, können berechtigt sein.

Scham hindert ältere Menschen, Antrag zu stellen

Scham spielt eine Rolle, gerade bei der älteren Generation, die oft nicht die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen mag. Dabei ist es ihr gutes Recht. Berechnet wird der Zuschuss nach den Personen im Haushalt auf Grundlage der ortsüblichen Mieten; wie groß die Wohnung und wie hoch die Miete dafür ist, ist unbedeutend.

Experten rechnen damit, dass sich durch die Neuerungen die Zahl der Wohngeld-Empfänger verdreifachen wird. Das hieße am Beispiel Stade, vorausgesetzt die Zahlungen verdoppelten sich pro Fall: Gut sieben Millionen Euro Steuergelder werden pro Jahr fällig statt bisher gut einer Million. Die Stadt legt das Geld aus, erhält es aber vom Land wieder.

Während sich bundesweit Kommunen und ihre Verbände Sorgen machen um einen Bearbeitungsstau, bleibt Birgit Pergande optimistisch: „Wir kriegen das hin.“

Das ist das Wohngeld

Das Wohngeld ist eine finanzielle Hilfe des Staates für Personen mit geringem Einkommen zur Entlastung bei den Wohnkosten. Das Wohngeld wird für den gesamten Haushalt gezahlt. Die Höhe des Wohngeldes hängt ab von der Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Höhe der Einnahmen aller Haushaltsmitglieder und der Höhe der Miete.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel