Zwischen Bierzapfen und Schichtplanung: Sie hilft in der Seminarturnhalle
Die ehrenamtlich helfende Hannelore Wiedenbrück genießt es, die Gäste der Seminarturnhalle in Stade mit Getränken zu versorgen.Foto: Albus
Die Entscheidung, sich ehrenamtlich zu engagieren, kam Hannelore Wiedenbrück etwa vor vier Jahren. Sie stand kurz vor ihrem Ruhestand und wollte etwas machen, das fit hält. Und weil sie ohnehin gerne Veranstaltungen der Seminarturnhalle besuchte, fiel die Entscheidung dementsprechend leicht: Seitdem hilft sie, wo sie nur kann.
{picture1s} „An manchen Abenden“ sagt Hannelore Wiedenbrück, „komme ich schon kaputt nach Hause.“ Das mache aber gar nichts, denn sie habe viel Spaß bei ihrer Arbeit. Die gebürtige Hamburgerin gehört zu einem Team von 25 bis 30 Leuten, die in der Seminarturnhalle hinter dem Tresen stehen und Getränke ausschenken. Die einen würden regelmäßiger als andere helfen, aber das sei eben so. „Viele sind ja auch noch berufstätig“ sagt Wiedenbrück.
Sie genießt ihren Ruhestand – und die Zeit, die sie in der Seminarturnhalle verbringt. Dort war die kulturinteressierte Frau bereits seit vielen Jahren häufig als Gast. Auch damals schon genoss sie besonders die Vielfalt der Veranstaltungen, mit der sie sich nun im Ehrenamt beschäftigt. Es sei eine Win-win-Situation: Durch ihr ehrenamtliches Engagement erlebt sie viele Vorstellungen vom Tresen aus mit. Eines aber findet sie besonders toll an ihrer Arbeit: „Die Leute hier sind positiv gestimmt.“ Sowohl die Ehrenamtlichen untereinander als auch die Gäste hätten einen angenehmen Ton miteinander. Aus einigen Bekanntschaften der Seminarturnhalle seien mittlerweile auch echte Freundschaften entstanden.
Wie viele Stunden sie für die Seminarturnhalle im Einsatz ist, kann sie schwer abschätzen: Meist seien es fünf Veranstaltungen pro Monat, „20 bis 25 Stunden sind es sicherlich.“ Vor den Veranstaltungen, die in der Regel etwa zwei Stunden dauern, ist sie etwa eine früher da. Es fallen Arbeiten an, wie beispielsweise die Zapfanlage anzuschmeißen und alles Weitere für die Besucher vorzubereiten. Während der Aufführungen schenkt sie Getränke aus. Bier, Wein, Wasser und Limonade gehören zum Standardrepertoire.
Neben der Arbeit hinter dem Tresen kümmert sich Hannelore Wiedenbrück auch um die Organisation der Tresen-Schichten. Wann findet welche Veranstaltung statt? Wie viele Leute brauchen wir? Was gibt es zu berücksichtigen? Internetaffin arbeitet sie mit der Online-Terminplanungs-App „Doodle“, über die sie Helfer für anstehende Schichten, sucht. Zusätzlich dazu nutzt sie aber auch einen Ordner, wo die wichtigsten Informationen zur jeweiligen Veranstaltung eingetragen werden.
In der Seminarturnhalle werden jährlich bis zu 100 Kulturveranstaltungen angeboten, von Lesungen über Vorträge bis hin zu Theater und Musik. Die wären ohne die Organisation der Ehrenamtlichen nicht möglich, denn die Seminarturnhalle ist als Verein strukturiert und erhält keine öffentlichen Zuschüsse. „Wir bieten hier Kulturveranstaltungen für verhältnismäßig wenig Geld an“, erklärt sie. Keine der Konzerte und Lesungen würden mehr als 15 Euro kosten. 500 Fördermitglieder gibt es etwa, die jährlich 20 Euro zum Erhalt der Kulturstätte bezahlen.
Die Arbeit in der Seminarturnhalle macht ihr Spaß, auch durch die Zusammenarbeit mit jüngeren Kollegen. „Das hält fit.“ Ans Aufhören denkt Hannelore Wiedenbrück noch lange nicht.
Das TAGEBLATT öffnet in der Adventszeit jeden Tag ein Türchen. Hinter diesem Türchen verbirgt sich ein ehrenamtlich engagierter Mensch.
Gestern: die Besuchshunde
Morgen: „Buxtehuder helfen“