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Ehrenamt-Adventskalender

Vier Pfoten gegen Trübsal und Demenz

Martina Carius (55) besucht mit ihrer Hündin Pauline Seniorenheime in Stade. Der blinde Boxer Lenni ist mittlerweile außer Dienst. Foto: Husung

Martina Carius (55) besucht mit ihrer Hündin Pauline Seniorenheime in Stade. Der blinde Boxer Lenni ist mittlerweile außer Dienst. Foto: Husung

Ihr Hund hat sie vor vielen Jahren selbst aus der Depression gerettet, seit 2011 setzt die Staderin Martina Carius (55) ihre Vierbeiner ehrenamtlich in Seniorenheimen in und um Stade ein. Besonders Demenzkranken verschafft sie mit ihren Besuchen positive Erlebnisse.

Dienstag, 10.12.2019, 10:00 Uhr

{picture1s} Martina Carius hebt einen Korb auf den Küchentisch, nach und nach packt sie die Ausrüstung aus, die sie stets mit zu den Besuchen in den Altenheimen nimmt. Handtücher und Decken sind ein Muss, schließlich gehen die Hunde zum Kuscheln mit in die Betten der Bewohner – oder sitzen auf dem Schoß zum Streicheln. Aber auch Würfel- und Formenlernspiele sind darunter. „Wir wollen nicht nur still im Bett liegen. Ein bisschen Spaß muss sein, das Leben ist schon ernst genug“, sagt die Ehrenamtliche.

Mit ihrer vierjährigen Hündin Pauline besucht sie einmal im Monat zwei Seniorenheime – das Haus Heidbeck in Stade-Riensförde und den Wohnpark an der Schwinge. Der Boxer Lenni kommt nur noch sporadisch zum Einsatz. Der elfjährige Rüde ist erblindet und deswegen außer Dienst. Die beiden Vierbeiner sind ganz normale Familienhunde ohne zertifizierte Therapiehundeausbildung. Laut Carius reicht ein Grundgehorsam und eine vorsichtige Futternahme der Tiere. Die wichtigere Voraussetzung ist für sie die stabile Psyche des Hundeführers: „Mit Demenzerkrankten kann nicht jeder umgehen.“

Mit der französischen Bulldoge Pauline an der Seite macht Martina Carius in den Altenheimen eine Art Visite, Notizen helfen ihr, sich auf die jeweiligen Bewohner einzustellen. Manchen reicht die bloße Anwesenheit oder der Kontakt zu der Hündin, andere müssen motiviert werden. In solchen Fällen baut die Staderin spielerische Elemente ein, lässt ihre Pauline etwa Puzzlestücke apportieren, die sie mit den Demenzkranken dann zusammensetzt. Mit Kunststückchen wie einer Box, auf der die Hündin Musik machen kann, habe sie schon die härtesten Fälle geknackt.

Die Arbeit mit Besuchshunden hat sie im Jahr 2010 bei den Johannitern kennengelernt, seit 2016 betreibt sie die ehrenamtliche Seniorenhilfe auf eigene Faust unter dem Namen Stader Besuchshunde. Hannah Peets steht ihr mit den Hunden Honey und Amy zur Seite.

Wie viel Einfluss Hunde auf das Seelenheil des Menschen haben können, hat Carius vor einigen Jahren selbst erfahren. Durch eine Krankheit musste sie lange zur Dialyse, auch nach einer Nierentransplantation hatte und hat sie noch immer schwerwiegende gesundheitliche Probleme auszustehen. Aus Angst vor Infekten traute sich die heute 55-Jährige kaum noch aus dem Haus – bis ihr damaliger Hund Janko sie deutlich aber behutsam dazu brachte, wieder vor die Tür zu gehen. Auf Basis dieser Erfahrung verhilft sie nun den kranken Senioren zu neuem Lebensmut.

Das TAGEBLATT öffnet in der Adventszeit jeden Tag ein Türchen. Hinter diesem Türchen verbirgt sich ein ehrenamtlich engagierter Mensch.

Gestern: die Stricklieseln

Heute: die Besuchshunde

Morgen: Seminarturnhalle

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