TElbstrände in Bassenfleth und Abbenfleth werden im Sommer gesperrt
Bei den schweren Sturmfluten im Winter 2020 und 2022 sind Teile des Strandes in Bassenfleth von den Fluten fortgerissen worden. Im Juli/August werden die Strände vor Twielenfleth (Altes Land) und in Abbenfleth (Kehdingen) vom Bund mit Großg
Schlechte Nachrichten für alle Liebhaber der Elbstrände: Gleich zwei Monate werden die beliebten Ausflugsziele in Bassenfleth und Abbenfleth gesperrt. Ausgerechnet im Hochsommer. Das ist der Grund.
Die Deiche an der Elbe sind in einem „wehrfähigen, guten Zustand“. Doch an einigen Abschnitten besteht Handlungsbedarf. Der Bund muss das Vorland in Bassenfleth und in Abbenfleth mit Sandaufspülungen sichern. Dafür müssen die Strände im Juli/August - während der eigentlichen Spülarbeiten und der Setzungszeit des Sandes innerhalb dieses Zeitfensters - gesperrt werden. Das hat Landrat Kai Seefried nach den Frühjahrsdeichschauen mitgeteilt.
Sandaufspülung: Landrat Kai Seefried (CDU) begrüßt, dass der Bund die Deiche in Bassenfleth und in Abbenfleth sichert. Dort hatte es 2020 und 2022 – nach schweren Sturmfluten – weitere Uferabbrüche gegeben. In Bassenfleth haben die Wellen die Wurzeln der Weiden freigelegt. In Abbenfleth nagt die Elbe bereits am Deichfuß. Die Strände (und der Weidengürtel) dämpfen bei den Sturmfluten den Wellenschlag. „Letztlich schützt der Strand den Deich“, betont Stephanie Wischkony von der Unteren Deichbehörde.
Küstenschutz hat Vorrang vor Naherholung
90.000 Kubikmeter Sand werden zwischen der Festung Grauerort und der Bützflether Süderelbe, 330 000 Kubikmeter in Bassenfleth sieben Tage in der Woche aufgespült. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) will die Maßnahmen im Juli/August umsetzen. In dieser Zeit seien die Strände dann nicht nutzbar. Die Idee: Saugbagger holen den Sand vor Ort aus der (Fahrrinne) der Elbe. Dieser wird über eine Leitung zu einem provisorischen Anleger transportiert, von dort rauscht der Mix aus Wasser und Sand durch Spülrohre auf den Strand. Die Arbeiten müssten im Sommer über die Bühne gehen, denn in der Sturmflutsaison von Mitte September bis Mitte April seien die Arbeiten nicht zulässig. Küstenschutz habe Vorrang vor den Interessen von Tourismus und Naherholung.
Der Bassenflether Strand liegt im Elbe-Außenbogen an einem Prallhang, hier herrscht starke Strömung. Im Zuge der Elbvertiefung haben die WSA-Fachleute bereits einen stetigen Abtrag im Mittelwasserbereich festgestellt. Nicht nur Winterstürme nagen an den Stränden, auch Sog und Schwell der vorbeifahrenden Containerriesen und das wegen der Fahrrinnenanpassung höher und immer schneller auflaufende Wasser. Der Bund ist aufgrund eines Vertrags von 2009 für das Vorland zuständig. Seefried mahnte an, dass auch der Strand in Krautsand und das Ufer in Nordkehdingen gesichert wird. Die Elbdeiche im Landkreis Stade müssen in den nächsten Jahrzehnten klimawandelbedingt auf 76 Kilometer um bis zu 2,10 Meter erhöht werden. Kreisweit werden 3,9 Millionen Kubikmeter Klei benötigt.
Landrat setzt auf Schlick-zu-Klei
Der Landrat hofft, dass das „Schlick-zu-Klei“-Pilotprojekt vor dem Anleger der Elbfähre Wischhafen-Glückstadt von Erfolg gekrönt sein wird. Lkw-Transporte und das Abgraben wertvoller Flächen für Obstbau und Landwirtschaft in der Marsch müssten durch Klei-Gewinnung vor Ort verhindert werden. Seefried spricht von einer „Win-win-Situation“ – auch für die Natur durch neue Flachwasserzonen.
Deichbau: Doch Seefried fürchtet, dass die Deicherhöhung mehr als 35 Jahre dauern wird. Der Küstenschutz-Etat des Landes Niedersachsen sei mit 62 Millionen Euro chronisch unterfinanziert. Zur Einordnung: Fast 500 Millionen Euro wird die Ertüchtigung der Deiche und der Sperrwerke in den Landkreisen Stade und Cuxhaven voraussichtlich kosten. Hinzu kommt: Weiter fehlt Personal beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz für die Planung.
Geld- und Personalmangel gefährdet Deicherhöhung
Der Landrat moniert, dass das Land die Mittel zu spät freigebe. Seefried verweist auf den Neubau des 2,1-Millionen-Euro-Deichscharts an der Hatecke-Werft in Drochtersen. Durch die späte Bewilligung im April explodierten bei der Ausschreibung die Kosten. Das Land wollte nur 1,5 Millionen Euro rausrücken. Die Investition in die Deichsicherheit drohte zu scheitern. Erst nach Einschalten des Ministeriums durch den Landrat und einen einjährigen Kredit über 500 000 Euro an den Deichverband Kehdingen-Oste durch die Werft (das Land zahlt 2023 zurück) konnte der Verband in dieser Woche loslegen. 100 000 Euro steuert Hatecke bei, die Werft profitiert vom breiteren Deichschart, die Rettungsboote werden immer größer. Kostenexplosion und Materialmangel haben auch zu einer Verzögerung der Fertigstellung des Burgbeckschöpfwerks an der Oste geführt. Und: Das Land hatte kein Geld für Schlickproben bei Hahnöfersand übrig.
Kreisbaurätin Madeleine Pönitz hofft, dass das Land dem Deichverband der II. Meile Alten Landes im Jahr 2023 keine Steine in den Weg legt. Dann soll der Deich in Hinterbrack erhöht werden. Damit die Erhöhung schneller vorangeht, müsse das Land einen Generalplan Elbe auflegen. Das will der Landrat bei der Küstenschutzkonferenz in Stade am 5. Juli dem Umweltminister Olaf Lies (SPD) mit auf den Weg geben.
Stichwort Deichschau: Durch die Nässe hat es Schäden durch Maulwürfe gegeben – massiv in Kehdingen. Sie mussten im Winter großflächig vergiftet werden. Aufgrund der Nässe flüchteten sie in der flachen Marsch in die Deiche. Bei den Sturmfluten kam es durch Maulwurfgänge zu Ausspülungen. Die Schäden sind ausgebessert. Wischkony: „Das war eine Belastungsprobe für den Deich.“
Bassenflether Strand in Twielenfleth am Ufer immer wieder zu Abbrüchen am Ufer. Bei den Stürmen in der vergangenen Woche wurden im Deichvorland auch Weiden entwurzelt. Foto: Vasel