09.05.2018, 18:51
Gesuchter Straftäter greift Polizisten an

DROCHTERSEN. Blutflecken auf dem Gehweg zeugen noch von dem aufsehenerregenden Polizeieinsatz, der sich am Mittwoch in Drochtersen abgespielt hat. An der Bushaltestelle vor der Elbmarschenschule haben zwei Männer zwei Polizisten mit einem Messer bedroht.

Nach einer Rangelei konnten die Ermittler die Täter mit Unterstützung weiterer Kollegen festnehmen. Dabei erlitten zwei Polizisten leichte Verletzungen.

Anwohner wählten gegen 11.30 Uhr den Notruf. Sie hatten zwei Männer im Alter von 27 und 40 Jahren beobachtet, die offensichtlich unter erheblichem Alkohol- und Drogeneinfluss standen und sich zusammen mit einem Kampfhund an einer Schulbushaltestelle an der Schulstraße in Drochtersen, in direkter Nachbarschaft des Pausenhofes der Elbmarschenschule, niederließen. Eine Streife der Drochterser Polizeistation sprach die in Kehdingen lebenden Männer, die ihnen nach Angaben von Polizeisprecher Rainer Bohmbach „bereits aus anderen Einsätzen bekannt waren“, an. Sie befanden sich beim Eintreffen der Beamten bereits auf dem Heimweg. Daraufhin drehte sich der 27-Jährige um, ging auf die Polizisten zu und beschimpfte sie. Einem mündlich geäußerten Platzverweis kam er nicht nach. Um ihn in vorläufig fest- und in Gewahrsam nehmen zu können, brachten die Beamten ihn zu Boden.

Polizisten beleidigt, bepöbelt und bedroht

Das bestimmte Auftreten der Polizisten veranlasste den 40-Jährigen offenbar dazu, ebenfalls in Richtung der Bushaltestelle zurückzukehren. Einen Platzverweis ignorierte auch der polizeibekannte Drochterser. „Er beleidigte, bepöbelte und bedrohte die Polizisten“, beschrieb Polizeisprecher Bohmbach die Situation. Der Mann wurde handgreiflich: „Er ließ sich auf einen der beiden Beamten fallen“, sagte Bohmbach. Dabei gelang es ihm, ein dem Polizisten ein Funkgerät zu entreißen. Damit wollte er nach Hause flüchten. Ein Beamter folgte ihm und forderte ihn auf, das Funkgerät zurückzugeben. Da drehte sich der Flüchtige um und bedrohte den Polizisten aus etwa zwei Metern Entfernung mit einem Klappmesser.

Da zog der Beamte seine Dienstwaffe und forderte ihn auf, das Messer fallen zu lassen. Er setzte Pfefferspray ein, um den Mann kampfunfähig zu machen. Dabei kam es zu einem Gerangel. Passanten unterstützten den Polizisten: „Zwei zufällig vorbeikommende Zeugen griffen beherzt zu und halfen, den Mann ebenfalls zu Boden zu bringen und zu fixieren“, teilte Bohmbach mit. Das Funkgerät konnten die Polizisten wieder an sich nehmen. „Die beiden haben sich ganz schön gewehrt“, sagten Nachbarn, die von den Schreien aufgeschreckt das Geschehen beobachtet haben. Nach der Festnahme stießen die Männer weiter Beleidigungen und Bedrohungen gegen die Beamten und ihre Familien aus.

Zwischenzeitlich hatten die Drochterser Polizisten Verstärkung angefordert. Mehrere Streifenwagen aus Stade und den umliegenden Dienststellen waren zur Unterstützung angerückt. Anwohner berichteten dem TAGEBLATT, dass fünf Einsatzfahrzeuge der Polizei vor Ort gewesen sein sollen. Die beiden Männer konnten schließlich in das Stader Polizeigewahrsam eingeliefert werden.

Polizisten werden leicht verletzt

Dabei stellte sich heraus: Der 27-Jährige hatte noch einen Haftbefehl aus einer anderen Straftat offen. Er wurde noch am Mittwoch in eine niedersächsische Justizvollzugsanstalt eingeliefert. Der 40-Jährige bleibt zunächst noch im Gewahrsam der Stader Polizeiinspektion, er musste sich einer Blutprobe unterziehen. Die beiden eingesetzten Beamten wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Sie mussten sich im Stader Elbe Klinikum ambulant behandeln lassen. Bleibende Schäden werden sie nicht davontragen.

Der Einsatz sorgte in Kehdingen und in den sozialen Netzwerken im Internet für Aufsehen. Schnell machten Gerüchte von einer Messerstecherei im Umfeld der Bildungsstätte die Runde. „Der Vorfall steht nicht im Zusammenhang mit schulischem Geschehen“, bemühte sich am Nachmittag der Direktor der Elbmarschenschule, Holger Wartner, um Beruhigung. „Keiner der Beteiligten gehört der Schulgemeinschaft an, wir sind nicht beteiligt gewesen“, betonte er. Als das Großaufgebot der Polizei vor Ort, hätten lediglich Lehrkräfte verhindert, dass Schüler vom Pausenhof aus in die Einsatzstelle liefen.

Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer 0 41 43/ 91 18 80 bei der Drochtersener Polizeistation zu melden.

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