14.09.2017, 07:12
Fahrkartenautomat gesprengt - Verkehr rollt wieder
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Danke für den Bericht. Der erste Kommentar bezog sich darauf, dass das Tageblatt nur die Ausfallmeldung der DB, mit der Begründung "Polizeieinsatz", übernahm (...)

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LANDKREIS. Heute Morgen ist auf dem S-Bahnhof in Agathenburg ein Fahrkartenautomat in die Luft gesprengt worden. Für einige Stunden konnten weder S-Bahn noch Metronom zwischen Stade und Buxtehude verkehren. Inzwischen rollt der Verkehr wieder.

Von Daniel Beneke und Björn Vasel

Gegen 3.20 Uhr platzierten sie einen Sprengsatz im unteren linken Bereich des Automaten am Gleis in Fahrtrichtung Stade, berichtet der Sprecher der Stader Polizei, Andre Janz. Die Wucht der Detonation zerfetzte das Gerät. Einzelteile flogen mehrere Meter weit, landeten auf dem Bahnsteig und im Gleisbett. Das Touchpad zerstörte einen Schaukasten am gegenüberliegenden Bahnsteig. Der Zugverkehr zwischen den Bahnhöfen Stade und Buxtehude war bis gegen 9 Uhr eingestellt, weil Mitarbeiter der Bahn-Sicherheit zunächst die Metallteile von den Gleisen holen mussten. Sprengstoffspezialisten der Bundespolizei Hamburg und die Tatortgruppe der Stader Polizei untersuchten den Automaten. Die Täter konnten unerkannt entwischen.

In den vergangenen Monaten gingen bereits Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen in Hammah, Dollern, Ruschwedel, Harsefeld und Bargstedt in die Luft. Auch in Agathenburg sprengten Kriminelle im März dieses Jahres schon einmal einen Fahrkartenautomaten. „Das Phänomen setzt sich fort“, sagte Pressesprecher Frank Federau vom Landeskriminalamt Niedersachsen dem TAGEBLATT. Nach EC- und Zigaretten-Automaten würden zunehmend Fahrkartenautomaten gesprengt. Konkrete Zahlen wollte das LKA nicht nennen. Lediglich zu den Geldautomaten gibt es offizielle Zahlen aus der Statistik, 2016 wurden laut Bundeskriminalamt 318 Geldautomaten gesprengt, doppelt so viele wie 2015. Auch zu den Tätergruppen äußerte sich das Landeskriminalamt zurückhaltend. Vor allem seien organisierte ausländische Banden aus Ost- und Südosteuropa unterwegs, aber auch inländische Tätergruppen seien aktiv.

Fahrkartenrolle wichtiger als Geld

Aus Sicherheitskreisen heißt es, den Tätern ginge es nicht in erster Linie um das Geld in den Automaten, sondern um die Fahrkartenrollen. Die Rohlinge seien begehrt, um sie zu bedrucken und auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Fälscher würden sie zudem benötigen, um auf deren Basis illegal eigene Fahrkartenvordrucke herzustellen.
Die Sprengungen sind hochgefährlich. Es gab bei solchen Aktionen in Deutschland bislang einen Toten – auf dem Bahnhof Scharnhorst in Dortmund. Der Deutsche (31), vermutlich einer der Täter, stand bei der Explosion zu nahe am Automaten. In Agathenburg waren gestern keine Fahrgäste am Bahnhof.

Im Juni ging den Ermittlern der Bundespolizeiinspektion Hamburg eine achtköpfige Bande ins Netz. Die 17 bis 29 Jahre alten Männer mit deutscher beziehungsweise russischer Staatsangehörigkeit sollen 49 Fahrkartenautomaten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit sogenannten „Polenböllern“ gesprengt und damit einen Schaden von 1,4 Millionen Euro angerichtet haben. Auch Taten im Kreis Stade werden ihnen zur Last gelegt. Gegen die mutmaßlichen Kriminellen liegen Haftbefehle vor. Eine Verurteilung steht noch aus.

Im aktuellen Fall in Agathenburg gibt es nach Angaben des Stader Polizeisprechers Andre Janz bislang keine konkreten Hinweise auf die Täter. Die Ermittler in Stade bitten Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu der Sprengung geben können, sich unter 0 41 41/ 10 22 15 zu melden.

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Lars Albrecht schrieb am 14.09.2017 13:41

Danke für den Bericht. Der erste Kommentar bezog sich darauf, dass das Tageblatt nur die Ausfallmeldung der DB, mit der Begründung "Polizeieinsatz", übernahm ...

Jochen Mextorf schrieb am 14.09.2017 08:47

Der Staat hat die Verantwortung für die Innere Sicherheit. Er kommt seinen Verpflichtungen nicht nach.

Lars Albrecht schrieb am 14.09.2017 07:58

Fragen sie doch mal bei der S-Bahn an, was da los ist. Normales journalistisches Geschäft.

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