12.09.2020, 03:05
Pkw von S-Bahn bei Dollern erfasst

DOLLERN. Auf der Bahnstrecke Hamburg-Stade ist in der Nacht zu Sonnabend kurz nach Mitternacht ein Opel Zafira bei Dollern von einer S-Bahn erfasst worden - nach einem Familienstreit im Alten Land.

Ein Familienstreit – mit Folgen: Auf der Bahnstrecke „Hamburg – Stade“ hat ein 100 Tonnen schwerer S-Bahn-Zug in der Nacht zu Sonnabend einen Pkw gerammt. Die beiden Insassen hatten den Opel Zafira noch vor dem Zusammenstoß verlassen. Beide hatten sich während der Fahrt gestritten.

Das jedenfalls sagten die Altländer der Polizei – an der Unfallstelle und später bei einer ersten Befragung zu Hause. Die Ermittler bitten unter 0 41 42/89 81 30 (Steinkirchen) oder 0 41 61/64 71 15 (Buxtehude) um Hinweise zu dem Unfall.

Mutter streitet sich mit Sohn im Pkw

Vorgeschichte: Vor dem Unfall habe es einen Streit innerhalb der Familie aus der Samtgemeinde Lühe gegeben. Daraufhin, so die Version des Vaters, sei der Sohn (17) abgehauen. Die Eltern hätten sich schließlich auf die Suche gemacht – mit zwei Autos. Sie durchkämmten die Feldmark und Obstplantagen zwischen Guderhandviertel, der Autobahn 26 und der Bahnlinie. Die Mutter, so der Stand der Ermittlungen, habe den 17-Jährigen gegen Mitternacht entdeckt. Er sei zu Fuß unterwegs gewesen. Der Junge sei zu ihr in das Auto gestiegen, gemeinsam hätten sie die Fahrt fortgesetzt.

Unfall: Der Streit sei im Pkw wieder aufgeflammt. Die 47-Jährige aus Guderhandviertel war dadurch offenbar abgelenkt. Rund 300 Meter südlich des Bahnübergangs Heuweg (Dollern) setzte sie den Opel Zafira auf den Bahndamm. Die Altländerin kam aus einem Wirtschaftsweg, der ins Alte Land führt, und war an der T-Kreuzung geradeaus weitergefahren. Der Pkw blieb mit dem Motorraum auf den Bahngleisen stecken. Mutter und Sohn stiegen aus. Wenig später erfasste ein S-Bahn-Zug – in Richtung Stade unterwegs – den Pkw auf der Fahrerseite, dieser drehte sich um 90 Grad und wurde stark beschädigt und gegen einen Mast der Oberleitung gedrückt. Diese blieb unbeschädigt.

Zugführer und Passagiere blieben unverletzt

Der Zug stoppte, der Zugführer hatte noch eine Notbremsung eingeleitet. Die S-Bahn ist bis zu 100 km/h schnell. Zugführer und Fahrgäste blieben unverletzt. Die Ortsfeuerwehren aus Horneburg (mit der Bahnerdung) und aus Dollern rückten aus, ebenso wie Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit drei Rettungswagen und einem Notarzt der Elbe Kliniken. Die Feuerwehr war mit 40 Einsatzkräfte vor Ort, sagte Ortsbrandmeister Manuel Buuck.

Die Notleitstelle der Deutschen Bahn AG alarmierte die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen, allerdings gab die Bahn erst einen falschen Standort (Vorwerkstraße in Stade) an. Erst neun Minuten später – um 0.39 Uhr – wussten die Helfer, wo sich die Kollision ereignet hatte.

Beim Eintreffen der Polizei fehlte von der Mutter jede Spur. Der Sohn stand am Pkw. Er hatte zwischenzeitlich die Kennzeichen abmontiert. Das alles kam der Polizei ziemlich komisch vor. Beamte machten sich auf den Weg zur Mutter. Ein Test ergab: Die 48-Jährige war zum Unfallzeitpunkt nicht alkoholisiert. Der zwischenzeitlich an der Unfallstelle eingetroffene Ehemann habe sie vor Eintreffen von Polizei und Feuerwehr nach Hause gefahren. Sie hätten einen Blackout gehabt. Das sei „natürlich falsch gewesen“, gestand der Vater einer Beamtin in der Nacht vor Ort. Der Auslöser des Eltern-SohnKonflikts sei unter anderem „laute Musik“ gewesen.

Bahnstrecke war bis 4.30 Uhr gesperrt

Folgen: Die Bahnstrecke musste infolge des Unfalls voll gesperrt werden, der Zug blieb nahezu unbeschädigt – und konnte seine Fahrt vor Tagesanbruch in der Nacht bis Stade im Schneckentempo fortsetzen. Gegen 1.55 Uhr durften auch die 20 Fahrgäste die S-Bahn verlassen – über Leitern. Feuerwehrleute und Notfallsanitäter halfen ihnen. Mit einem Taxi und einem KVG-Bus, vom Notfallmanager der Deutschen Bahn AG organisiert, konnten sie nach fast zwei Stunden des Wartens die Heimreise über Dollern, Agathenburg und Stade antreten. Ein Schienenersatzverkehr wurde noch in der Nacht eingerichtet.

Gegen 4.30 Uhr – nach der Unfallaufnahme und der Bergung des Wracks – konnte der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden. Gegen zwei Uhr waren auch Beamte der Bundespolizei aus Lüneburg, zuständig für die Bahn, vor Ort: „Wir sind drei Mal geblitzt worden.“ Das wird für die beiden Bundespolizisten keine Folgen haben. Der mutmaßlichen Opel-Fahrerin droht strafrechtlich ein Verfahren wegen Fahrerflucht und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

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