08.06.2019, 15:33
Traditionssegler "No. 5 Elbe“ kollidiert mit Containerschiff
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STADE. Auf der Elbe vor Stadersand ist der Traditionssegler „No. 5 Elbe“ am Sonnabendmittag mit dem Containerschiff „Astrosprinter“ kollidiert. Das Ausflugsschiff mit 43 Menschen an Bord schlug Leck. Acht Verletzte mussten im Krankenhaus behandelt werden.


Den Einsatzkräften von Feuerwehr und Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gelang es in letzter Minute, den voll Wasser laufenden Lotsenschoner zum Anleger zu schleppen. Das rund 140 Meter lange Feederschiff „Astrosprinter“ war auf dem Weg in Richtung Nordsee, als es gegen 14 Uhr zu der Kollision kam. Es fährt unter der Flagge Zyperns und kann 809 Standarcontainer (TEU) laden. Kurz vor der Schwingemündung missglückte der Mannschaft des Hamburger Ausflugsschiffs „Elbe No. 5“ die Wende, es querte das Hauptfahrwasser direkt vor dem „Astrosprinter“.

Im Hauptfahrwasser der Elbe kollidieren der Traditionssegler „Elbe No. 5“ und das Containerschiff „Astrosprinter“.

Bei der Kollision erlitt der Segler einen Mastbruch. Wasser drang ein. Wegen eines anderen Einsatzes befanden sich die Stader DLRG-Rettungsboote „Good Will“ und „Kiek ut“ sowie das Hilfeleistungslöschboot „Henry Köpcke“ der Feuerwehr Stade in unmittelbarer Nähe. Die Einsatzkräfte sahen die Kollision und eilten sofort herbei. Die DLRG-Boote zogen den manövrierunfähig im Hauptfahrwasser treibenden Havaristen zum Anleger in Stadersand. Zwei Rettungsdienstmitarbeiter, als Feuerwehrleute an Bord der „Henry Köpcke“, übernahmen die Sichtung der Verletzten auf dem Segelschiff. Weil der Schoner rasch volllief, mussten Passagieren und Besatzung rasch von Bord gebracht werden. Dies geschah mit Kleinbooten der DLRG.

Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle löste Großalarm aus. Beide Züge der Stader Feuerwehr, die Feuerwehr Grünendeich, die Werkfeuerwehr der Dow sowie die DLRG-Ortsgruppen aus Stade, Buxtehude, Horneburg/Altes Land und Wedel rückten mit Booten und Fahrzeugen aus. Elf Rettungswagen vom hauptamtlichen Rettungsdienst und der ehrenamtlichen Rettungsdienstbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes, der Johanniter-Unfallhilfe und der Dow-Werkfeuerwehr eilten zum Anleger Stadersand. Drei Notärzte aus den Landkreisen Stade und Rotenburg sowie die Besatzung des Rettungshubschraubers Christoph 29, stationiert beim Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg, unterstützten sie bei der Betreuung der Verletzten. Vier Organisatorische Leiter Rettungsdienst aus dem Team der Rettungsleitstelle und ein Leitender Notarzt vom Stader Elbe Klinikum koordinierten die Versorgung der Schiffspassagiere.

Die Wasserschutzpolizeistation wurde kurzerhand zur Verletztensammelstelle umfunktioniert. Der Rettungshubschrauber überflog die Einsatzstelle, um etwaige über Bord gegangene Passagiere aufzuspüren. Schnell stellte sich heraus, dass niemand ins Wasser gefallen war. 43 Menschen waren an Bord der „Elbe No. 5“: 28 Gäste und 15 Besatzungsmitglieder. Acht Verletzte mussten ärztlich behandelt werden, darunter zwei schwerverletzte Erwachsene und zwei leichtverletzte Kinder. Ein Schwerverletzter flog im Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus in Altona, die beiden Kinder kamen in Rettungswagen ins Helios-Klinikum Mariahilf in Hamburg-Harburg. Für die übrigen fünf Verletzten ging es in Rettungswagen ins Stader Elbe Klinikum.

Weil sich 1200 Liter Kraftstoff an Bord des Havaristen befinden, verlegen die Feuerwehrleute Ölsperren.

Mit mehreren Pumpen versuchten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und DLRG, das Wasser aus dem Segelschiff zu bekommen. Mit den Seilwinden mehrerer Einsatzfahrzeuge hielten sie den Lotenschoner an der Wasseroberfläche. Weil 1200 Liter Treibstoff an Bord sind, rückte der Ölwehrzug der Kreisfeuerwehr an. Die Ehrenamtlichen verlegten vorsorglich Ölsperren rund um den Havaristen, bisher ist kein Kraftstoff ausgetreten. Das Schiff konnte nicht mehr gehalten werden, es lief immer weiter voll. Ein Bergungsunternehmen aus Hamburg schickte Experten, die in den kommenden Tagen in Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt die Bergung des Wracks organisieren sollen.

Ermittler der Stader Polizeiinspektion sowie der Wasserschutzpolizei aus Stade und Hamburg begannen mit der Rekonstruktion der Ereignisse. Auf der Bundeswasserstraße Elbe hat die Berufsschifffahrt stets Vorrang. Der Kapitän der „Astrosprinter“ hatte keine Chance, der „Elbe No. 5“ auszuweichen, die plötzlich das Hauptfahrwasser kreuzte. Begleitet von der Wasserschutzpolizei, im Einsatz war die „Bürgermeister Brauer“ aus Hamburg, setzte das Feederschiff seine Reise in Richtung Deutsche Bucht/Brunsbüttel fort.

„Ein Glück, dass nicht mehr passiert ist“, sagte Landrat Michael Roesberg, der sich zusammen mit Dezernentin Nicole Streitz ein Bild von der Lage vor Ort gemacht hat. „Das Zusammenspiel unserer Einsatzkräfte der verschiedenen Organisationen hat hervorragend funktioniert.“ Wären die Einsatzkräfte nicht gewissermaßen zufällig so schnell vor Ort gewesen, wäre der Segler untergegangen. „Dann hätte es auch Tote geben können“, sagte der Einsatzleiter, Stades stellvertretender Stadtbrandmeister Wilfried Sprekels.

Der Lotsenschoner „No. 5“ ist Hamburgs letztes erhaltenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus, es lief 1883 auf der Werft von H.C. Stülcken auf Steinwerder vom Stapel. Auftraggeber war die Hamburgische Deputation für Handel und Schiffahrt, die eine äußerst solide Bauausführung verlangte. Über 30 Jahre lang hat der Gaffelschoner Lotsen in der Elbmündung und der Deutschen Bucht versetzt, eine verantwortungsvolle Aufgabe in einem der weltweit rauesten Seegebiete. Anschließend fand der ausgemusterte Schoner als Privatyacht Verwendung und absolvierte 13 Atlantiküberquerungen. 1937 umrundete er sogar Kap Hoorn und erreichte wohlbehalten San Francisco. Weitere Pazifikreisen schlossen sich an. 2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Bei Tagesfahrten finden bis zu 35 Gäste bequem auf dem Segelausflugsschiff Platz, heißt es auf der Website des Vereins „Freunde des Lotsenschoners No. 5 ELBE e. V.“. Der Gaffelschoner war erst vor Kurzem in einer Werft in Dänemark überholt worden.

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