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Energieversorgung

Stades LNG-Terminal hat den ersten Großkunden

Das LNG-Terminal an Land mit den beiden 60 Meter hohen Gaslagern.

Das LNG-Terminal an Land mit den beiden 60 Meter hohen Gaslagern.

Die Realisierung des LNG-Flüssiggasterminals in Stade wird immer wahrscheinlicher. Jetzt will eines der größten deutschen Energieunternehmen einsteigen.

Von Lars Strüning Donnerstag, 31.03.2022, 10:39 Uhr

Die EnBW hat mit Projektentwickler Hanseatic Energy Hub (HEH) ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. In einem ersten Schritt beabsichtigt die EnBW, mindestens drei Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr über das LNG-Terminal in Stade zu beziehen. Weiterführende Gespräche liefen, heißt es in einer heute Vormittag veröffentlichten Mitteilung.

Stade als zentraler Knotenpunkt für LNG und Co.

Das LNG-Terminal in Stade soll ein zentraler Knotenpunkt für den Import von Flüssiggasen nach Deutschland werden, heißt es darin weiter. Der Hanseatic Energy Hub will mit einer geplanten Regasifizierungskapazität von zwölf Milliarden Kubikmetern pro Jahr ab 2026 bereitstehen. Mit dieser Importinfrastruktur könnten etwa zehn Prozent des deutschen Gasbedarfs abdeckt werden.

Das Projekt im Industriegebiet in Bützfleth soll von Beginn an als zukunftsflexibles Konzept entwickelt werden: So werde das Terminal neben LNG in einer ersten Phase auch für kohlenstoffarme Energieträger wie Bio-LNG und synthetisches Methan ausgelegt.

Terminal später auch mit Wasserstoff-Produkten

Mit dem wachsenden weltweiten Angebot für klimaneutrale Energiequellen soll der Hub in einem zweiten Schritt auch für den Import wasserstoffbasierter Energieträger, wie Ammoniak, genutzt werden.

Bei LNG handelt es sich um bei -162 Grad Celsius tiefgekühltes und damit verflüssigtes Erdgas, das per Schiff nach Stade käme und dort im Terminal durch Zuführung von Wärme zurück in den Gaszustand gesetzt und dann ins bundesdeutsche Gasnetz eingespeist werden würde. Mögliche Exportländer sind die USA, Katar oder Australien.

„Wir haben in den letzten Jahren unsere LNG-Aktivitäten Stück für Stück ausgebaut“, erläutert Georg Stamatelopoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur bei der EnBW. Flüssigerdgas spiele bei der Diversifizierung der Brennstoffe für die Energieerzeugung eine zentrale Rolle.

Es eröffne die Möglichkeit neuer Bezugsquellen, um die deutsche Gasversorgung in der Übergangszeit der Energiewende zu sichern und schlage die Brücke zur grünen Energieversorgung, so der EnBW-Sprecher.

EnBW hat sich gezielt Stade ausgesucht

EnBW habe sich ganz gezielt für Stade als Importterminal entschieden. Das Projekt verfüge technisch, genehmigungsseitig und kommerziell über einen hohen Reifegrad. Stamatelopoulos: „Aus unserer Sicht zudem besonders relevant: das Zero-Emission-Konzept sowie die kurze Anschlussdistanz an das deutsche Gastransportnetz.“

Die Idee dahinter: Als Zero-Emission-Terminal setzt das LNG-Terminal Stade während des Betriebs kein CO2 frei, da die für die Regasifizierung des Flüssigerdgases benötigte Wärme als Prozessabwärme von dem nahegelegenen Industrie- und Chemiepark der Dow in Form von Warmwasser zur Verfügung steht.

HEH plant, wie berichtet, die Genehmigungsunterlagen für das LNG-Terminal und den Hafen vor Ostern 2022 einzureichen. Aufgrund der veränderten Marktsituation erhielten Interessenten zudem die Gelegenheit, bis zum 8. April ihr Interesse an langfristigen Kapazitätsbuchungen mitzuteilen.

„Wir sind bereit mit dem LNG-Terminal Stade einen signifikanten Beitrag zur Diversifizierung der deutschen Energieversorgung zu leisten“, erklärt Johann Killinger, geschäftsführender Gesellschafter der Hanseatic Energy Hub. „Mit EnBW haben wir nicht nur einen starken Anker-Kunden am Start, sondern gewinnen zugleich einen weiteren erfahrenen Partner, der sowohl die globalen als auch die lokalen Energiemärkte bestens versteht.“

Das neue Terminal kostet etwa eine Milliarde Euro. 200 Millionen müssen Land und Bund für die neue Hafenanlage an der Elbe in Bützfleth aufbringen, HEH muss 800 Millionen Euro finanzieren.

Das ist Hanseatic Energy Hub

Der Hanseatic Energy Hub (HEH) ist ein Terminal für verflüssigte Gase am Industriestandort Stade. HEH-Gesellschafter sind die Buss-Gruppe aus dem Hamburger Hafen, der Gasinfrastrukturbetreiber Fluxys aus Belgien und für die Finanzierung die Partners Group aus der Schweiz. www.hanseatic-energy-hub.de

Das ist das Energieunternehmen EnBW

Die EnBW ist nach eigener Auskunft mit mehr als 24.000 Mitarbeitenden eines der größten Energieunternehmen in Deutschland und Europa. Sie versorgt rund 5,5 Millionen Kundinnen und Kunden mit Strom, Gas, Wasser sowie Dienstleistungen und Produkten in den Bereichen Infrastruktur und Energie.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei ein Eckpfeiler der Wachstumsstrategie und ein Schwerpunkt der Investitionen. Bis 2025 will EnBW vier Milliarden Euro in den weiteren Ausbau der Wind- und Solarenergie investieren. Ende 2025 soll über die Hälfte des Erzeugungsportfolios aus Erneuerbaren Energien bestehen.

Die CO2-Emissionen will EnBW bis 2030 halbieren will. Bis 2035 strebt sie Klimaneutralität an. www.enbw.com

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