Donnerstag, 07.01.2021, 15:33 Uhr

Mit dem Auto bei Glätte und Schnee unfallfrei ans Ziel

Symbolbild. Foto: Jens Büttner/dpa

LANDKREIS. Der Winter ist im Kreis Stade angekommen. Die kalte Jahreszeit hält für Autofahrer zahlreiche Besonderheiten bereit. Hinnerc Hellström, Leiter der TÜV-Nord-Station Stade, gibt Tipps für das Fahren bei Glätte und Schnee.

1. Winterreifen sind Pflicht

In Deutschland gilt die sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet: Bei Eis, Schnee und Glätte müssen Autofahrer ihr Fahrzeug mit vier Winterreifen ausstatten. Wintertaugliche Bereifung ist an dem "Alpine"-Symbol erkennbar, einem Piktogramm bestehend aus Berg und Schneeflocke. Einen vorgeschriebenen Zeitraum für Winterbereifung gibt es nicht, es gilt die Formel „Von Oktober bis Ostern“. Wer bei Schnee und Eis ohne Winterreifen unterwegs ist und erwischt wird, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro und einem Punkt im Fahrererlaubnisregister rechnen.

Das "Alpine"-Symbol, ein Piktogramm bestehend aus Berg und Schneeflocke, weist Reifen als wintertauglich aus. Foto: ADAC/Wolfgang Grube

2. Für freie Sicht sorgen

Autofahrer müssen alle Scheiben ihres Fahrzeugs von Schnee und Eis befreien. Ein kleines Guckloch in der Windschutzscheibe freizukratzen, ist nicht ausreichend. „Am besten ist es, die Windschutzscheibe mit einer Thermo-Abdeckung vor Frost zu schützen, so spart man sich das Eiskratzen“, sagt  Hinnerc Hellström, Leiter der TÜV-Nord-Station Stade. „Gleichfalls ist es ratsam, die Scheibenwischer hochzuklappen, damit die Gummilippen nicht festfrieren.“

3. Elektronische Hilfsmittel als Unterstützung

Zwar sollten sich Autofahrer nie vollständig auf elektronische Hilfsmittel verlassen, als Unterstützung auf glatten Straßen sind sie jedoch gut geeignet: der Automatische Blockierverhinderer (ABV, auch bekannt als Antiblockiersystem, kurz: ABS) und das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP). Ist die Straße rutschig und eine Bremsung nötig, kommt es schnell dazu, dass sich der Wagen nicht mehr lenken lässt und ins Schleudern gerät. Ein mit ABV ausgestattetes Fahrzeug hat in einem solchen Szenario folgenden Vorteil: „Der Automatische Blockierverhinderer sorgt dafür, dass bei einer Vollbremsung die Reifen nicht blockieren und man nicht so schnell ins Rutschen gerät“, erklärt Hinnerc Hellström. Kurz vor der vollständigen Blockade der Reifen werden die Bremsen wieder gelöst. So das Prinzip des Automatischen Blockierverhinderers. Er bewirkt zwar, dass der Bremsweg länger ist, das Fahrzeug dafür aber kontrollierbar bleibt. Der TÜV-Experte schlussfolgert: „Ein kurzer Bremsweg bringt nichts, wenn der Wagen ausbricht und sich nicht mehr lenken lässt. Insofern ist der ABV absolut sinnvoll und wichtig.“

Das ESP, auch Schleuderschutz genannt, erleichtert das Fahren im Winter ebenso wie der ABV. Hellström: „Es setzt ein, wenn man mit zu viel Tempo in eine Kurve fährt und sorgt dafür, dass einzelne Räder abgebremst werden.“  Ein Ausbrechen oder Umkippen in einer Kurve könne dadurch verhindert werden. Wer ein Fahrzeug führt, sollte sich jedoch darüber bewusst sein, dass Regelsysteme wie ABV und ESP nur so weit unterstützen können, wie es die vorhandene Straßenbeschaffenheit zulässt. Will man prekäre Situationen vermeiden, sind ein umsichtiger Fahrstil und ein gedrosseltes Tempo nach wie vor entscheidend.

4. Richtig bremsen

Bei winterlichen Straßenverhältnissen kann es zu Situationen kommen, in denen eine Gefahrenbremsung notwendig wird. Bei einem Schaltwagen sollten Kupplung und Bremse gleichzeitig betätigt werden. „Bei einer Vollbremsung soll dem Hindernis im Idealfall ausgewichen werden, um dann weiterzufahren. Das ist aber nur möglich, wenn der Motor bei dieser Bremsung nicht ausgeht“, erklärt der Experte des TÜV Nord. Anderenfalls werde man selbst schnell zu einem Hindernis – und einem Sicherheitsrisiko für andere Verkehrsteilnehmer. Es muss sich nicht zwingend um eine Gefahrenbremsung handeln. Häufig genügt bei witterungsbedingter Glätte bereits das normale Anhalten, um Autofahrer ins Schlingern zu bringen.

Zu oft werden Anhaltewege auf glatter Fahrbahn falsch eingeschätzt. Es ist wichtig, den Anhalteweg aus Brems- und Reaktionsweg berechnen und einschätzen zu können. „Der Bremsweg ist die Strecke, die ein Wagen vom Betätigen der Bremse bis zum Stillstand zurücklegt. Hinzu kommt der Reaktionsweg. Also die Strecke, die man zurücklegt, bis man die Gefahr erkannt hat und überhaupt reagieren kann. Zusammen genommen ergeben Brems- und Reaktionsweg den Anhalteweg.“ Wichtig: Liegt Schnee auf der Straße, beträgt der Anhalteweg etwa das Dreifache, bei Glatteis ist er siebenmal so lang.

5. Augen auf beim Parken

Auch beim Parken im Winter ist Umsicht gefragt. „Das Fahrzeug sollte immer so  abgestellt werden, dass Räum- und Streufahrzeuge nicht behindert werden“, sagt Hellström. Bei Schneefall rät der TÜV-Experte, sich zu merken, wo man geparkt hat, um den eigenen Wagen schneller wiederzuerkennen, wenn alle unter einer Schneedecke liegen.

Wer unter schneebehangenen Bäumen parkt, muss sich vor herunterfallendem Schnee und Eis in Acht nehmen. Das gilt zudem beim Parken unter Vordächern, denn Dachlawinen sind tückisch und können Auto und Mensch unter einer Decke aus Schnee und Eis verschütten. (vdb)

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