Wellant, Elstar und Fräulein: Das sind die Trends unter den Äpfeln
Der Obstbau kritisiert: Die Erzeugerpreise für Äpfel aus dem Alten Land, aus Kehdingen und von der Stader Geest sind zu niedrig. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa
Die allergikerfreundliche Apfelsorte Wellant behauptet Platz 1 bei den Neupflanzungen an der Niederelbe. Elstar ist nur noch flächenmäßig der Star unter den Äpfeln. Mit diesen Zahlen rechnen die Obstbauern in diesem Jahr.
Diese Sorte wird verstärkt im Handel nachgefragt – auch, um einige der mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland als Konsumenten zu gewinnen, für die Apfel-Essen (noch) die Hölle auf Erden ist. Diese sehr gut schmeckende, feste, feinsäuerliche, mittelrote Apfelsorte mit der dem Boskoop ähnlichen Berostung kommt mittlerweile auf einen Flächenanteil von sieben Prozent (Vorjahr: 5,4 Prozent).
Laut der Statistik des Obstbauzentrums Esteburg in Moorende sind 2020/2021 mehr als 1,57 Millionen Obstbäume an der Niederelbe verkauft worden. Das ist ein Plus von neun Prozent, rechnen Henning Harms und seine Kollegen vor. Der Apfel dominiert mit einem Anteil von 96 Prozent, unterm Strich seien 1,5 Millionen Apfelbäume gepflanzt worden, Spitzenreiter bleibt die Sorte Wellant („Fresco“), diese hatte 2019/2020 die Apfelsorte Elstar vom Thron gestoßen – bei den Neupflanzungen. Flächenmäßig bleibt die Ende der 1980er Jahre an der Niederelbe erstmals gepflanzte Sorte Elstar weiterhin die Leitsorte – flächenmäßig mit einem Anteil von knapp einem Drittel. 406 000 Wellant-Bäume kamen in die Erde, gefolgt von Elstar (315.000) und Fräulein (224.000). Dieser rubinrote Apfel – es handelt sich um die erste produzenteneigene deutsche Markensorte – trägt die guten Eigenschaften von Braeburn – wie beispielsweise die Lagerfähigkeit – und von Honeycrunch – wie die Saftigkeit – in sich. Eine angenehme Säure, so wie es norddeutsche Apfel-Esser lieben, und die knackig-krispe Textur sind weitere Eigenschaften von Fräulein.
Obstbauern setzen verstärkt auf Markensorten
Laut Esteburg werden weiterhin verstärkt Markensorten gepflanzt, diese Apfelsorten sind rechtlich geschützt und dürfen nicht frei vermarktet beziehungsweise gepflanzt werden. Dazu gehören beispielsweise Fräulein und die im Bio-Obstbau beliebte Sorte Natyra. Kurzum: Der Trend im Obstanbau geht zu exklusiven Clubsorten-Konzepten, Erzeugerorganisationen wie die Elbe-Obst und M.A.L. (Fräulein, Kanzi, Junami) oder große Handelskonzerne wie Edeka (Magicstar) sichern sich Sorten.
Der Anteil der Markensorten bei den Neupflanzungen steigt um drei Prozent auf 29 Prozent. Kurzum: Die Obstbauern sind weiterhin dabei, ihr Sortenspektrum neu auszurichten, um sich mit den höherpreisigen Markensorten angesichts steigender Kosten, der EU-Überproduktion, dem Trend zu Südfrüchten und Beerenobst und der Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu behaupten.
2571 Bäume pro Hektar
Die Anforderungen im Pflanzenschutz werden immer höher, deshalb setzen Obstbauern nicht nur im ökologischen, sondern auch im integrierten Anbau verstärkt auf „Schowis“. Das sind schorfwiderstandsfähige Apfelsorten wie Natyra/Magicstar, Kissabel oder Topaz, 290.000 Stück sind gepflanzt worden. Ihr Anteil bei den Neupflanzungen stieg von 13 auf 19 Prozent. Harms: „Dem gesellschaftlichen und politischen Willen einer Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes wird so nachgekommen.“
Der Obstbau investiere kräftig in neue Bäume, bei den jüngeren Anlagen seien Erträge und Qualität in der Regel höher. Die Erneuerungsrate stieg leicht auf 6,1 Prozent, 16 Jahre steht ein Apfelbaum (2571 Bäume pro Hektar) heute in der Plantage.
Mehr als 1,5 Millionen Apfelbäume sind 2020/2021 laut der Statistik des Obstbauzentrums Esteburg an der Niederelbe gepflanzt worden. Foto: Vasel