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TWo die Schützen ihre Waffen aufbewahren

Wo die Schützen ihre Waffen aufbewahren

Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT 24 Türen, die sonst verschlossen sind - und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Nur drei mal drei Meter warten hinter Türchen Nummer acht, zwei Schränke, Regale und ein Tresor. Und doch birgt der fensterlose Raum eine gewisse Brisanz.

Von Tim Scholz Mittwoch, 08.12.2021, 08:30 Uhr

Der Raum befindet sich irgendwo in der Schießsportanlage des SV Ladekop. Die genaue Lage soll auf Bitte der Verantwortlichen aber nicht beschrieben werden. Denn: In dem Raum werden die Waffen der Sportschützinnen und -schützen aufbewahrt.

Peter Palm öffnet die Tür der Waffenkammer mit einem Schlüssel. „Hier dürfen nur wenige Leute rein“, sagt das Ladekoper Urgestein. Palm, 74 Jahre alt, seit 1962 im Verein, 25-facher Teilnehmer an Deutschen Meisterschaften, zudem Jugendtrainer und Betreuer der Bundesliga-Mannschaft, gehört zu denjenigen, die Zutritt haben. Solch eine gesicherte Waffenkammer muss jeder Schützenverein haben, sagt Palm. Vorfälle habe es bislang keine gegeben.

Nur zehn Mitglieder haben einen Schlüssel

In den Regalen liegen die Taschen mit den Luftgewehren, für die keine Erlaubnis in Form einer Waffenbesitzkarte benötigt wird. Anders hingegen sieht es bei den Kleinkaliber-Waffen aus. Dabei handelt es sich um Feuerwaffen mit größerer Durchschlagskraft. Die 25 Gewehre und vier Pistolen des SV Ladekop werden in abschließbaren, zertifizierten Metallschränken gelagert. Denn wer in Deutschland Waffen oder Munition besitzt, muss dafür sorgen, dass diese nicht abhandenkommen, so steht es im Waffengesetz. Es kann vorkommen, dass die zuständige Behörde die Sicherheitsvorkehrungen kontrolliert.

Schlüssel für die Schränke mit den Kleinkaliber-Waffen dürfen nur an Vereinsmitglieder vergeben werden, die ihre „Sachkunde“ durch einen Lehrgang und eine Prüfung nachgewiesen haben. „Dazu gehören mindestens 100 Stunden Unterricht“, sagt Palm. Und: Ein gewisser Anteil der Teilnehmer bestehe die Prüfung nicht.

„Dieser Raum ist super gesichert“

Beim SV Ladekop haben derzeit zehn Mitglieder einen Schlüssel, darunter auch der Waffenwart, der zum Vorstand gehört und für die Wartung der Sportgeräte zuständig ist. Geben sie eine Waffe aus, muss das in einer Liste festgehalten werden. Noch strikter ist es bei dem Tresor für die Munition, da nämlich gibt es nur eine Person mit einem Schlüssel. Aus Sicherheitsgründen möchte der Verein deren Namen nicht nennen. Der Umgang mit Waffen ist ein sensibles Thema.

Das merken die Sportschützen auch immer dann, wenn zum Beispiel infolge eines Attentats gefordert wird, das Waffenrecht zu verschärfen. Palm ist sich bewusst, dass sich mit Waffen generell „einiges bewirken“ lasse – sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Für den SV Ladekop kann er sagen: „Wir sind Sportschützen. Wir gehen außerordentlich sachkundig mit den Waffen um.“ In Deutschland gab es – Stand 2019 – mehr als fünf Millionen legale Waffen.

Peter Palm öffnet die Tür zur Waffenkammer . In den weißen Regalen liegen die Taschen mit den Luftgewehren. Foto: Scholz

Peter Palm öffnet die Tür zur Waffenkammer . In den weißen Regalen liegen die Taschen mit den Luftgewehren. Foto: Scholz

Palm schließt die Tür der Waffenkammer mit zwei Schlüssel-Umdrehungen ab. „Dieser Raum ist super gesichert“, sagt Peter Palm. Sollte er einmal vergessen, die Kammer abzuschließen und das Gebäude verlassen, würde ihn spätestens dann ein ohrenbetäubendes Alarmsignal daran erinnern.

Adventsserie

Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.

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