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24-Stunden-Reportage: Im Paketzentrum geht die Post ab

Packt an die 1000 Pakete pro Stunde aufs Band: Andreas El Bacho. Behebt Störungen durch verklemmte Pakete: Janina Laupichler.

Packt an die 1000 Pakete pro Stunde aufs Band: Andreas El Bacho. Behebt Störungen durch verklemmte Pakete: Janina Laupichler.

Kurios: Wenn es regnet, steigt die Zahl der Pakete an, die auf die Reise gehen. Dann haben die Menschen irgendetwas am PC bestellt. Die Paketflut am Tag danach trifft mit ganzer Wucht bei den Umschlagpunkten ein. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Von Wilfried Stief Donnerstag, 06.07.2017, 12:00 Uhr

Das DHL-Paketzentrum in Hamburg-Allermöhe, morgens um 3 Uhr: Draußen rollen unablässig die Lastwagen, drinnen die unendlich langen Fließbänder. Dazwischen ist Handarbeit angesagt. Andreas El Bacho ist einer von denen, die die harte körperliche Arbeit erledigen. Um die 1000 Pakete fassen die Arbeiter pro Stunde an, holen das Frachtgut aus dem Lkw-Container und befördern es weiter.

Zum Beispiel das Paket, das nach Stade soll. Kaum ist es um 3.01 Uhr auf dem Band, schon geht die Reise los. Das Adressfeld wird gescannt, das dauert bis zu zwei Sekunden. Damit ist der Weg des Paketes vorherbestimmt. Einige Weichen und viele hundert Meter Fließband später rutscht das Paket die Schütte herunter und wird in den Rollwagen geladen, auf dem der Bestimmungsort steht. Der kommt in den Container, der um 3.15 Uhr seine erste Fahrt in den Landkreis antritt. So jedenfalls das Ideal-Szenario. Von der Entladung aus dem Lkw bis zur Bereitstellung für den Abtransport vergehen lediglich elf Minuten, sagt Pressesprecherin Maike Wintjen.

„Bis morgens um 7 Uhr haben alle Pakete unser Zentrum verlassen“, sagt Ingo Wittke, Leiter des DHL-Paketzentrums. Eine Einschränkung schickt er hinterher. Nicht planbare Großbestellungen brauchen etwas länger, aber das sei sehr selten, so Wittke. Stade gilt im Paketzentrum als Sonderfall. Weil die Zusteller bis 10 Uhr die Fußgängerzone in der Innenstadt verlassen haben müssen, muss auch der letzte Lkw im Zentrum Allermöhe pünktlich raus, damit die Mitarbeiter in Stade nicht in die Bredouille geraten.

350 Leute arbeiten im Paketzentrum, 80 Prozent von ihnen sind für 20 bis 30 Stunden die Woche angestellt. Zig Nationalitäten. So wie Emad Abdelshafy, der im Bereich Sperrgut arbeitet. Eine gelbe Tonne hat jemand bestellt, daneben hängt ein rotes Abendkleid in einer Plastik-Schutzhülle. Alles, was nicht so recht die Abmessungen eines Pakets hat, gilt als Sperrgut. Mit dem Nachteil, das es relativ unhandlich ist. „Die gelbe Tonne geht noch, die hat wenigstens Rollen“, scherzt Ingo Wittke.

Pakete über Pakete: Am Umschlagplatz der DHL in Allermöhe gehen an Spitzentagen über 500 000 Sendungen auf die Reise.  Foto Stief

Die Größenordnungen am Umschlagplatz sind schwer vorstellbar, imponieren aber trotzdem. Am stärksten Tag des vergangenen Jahres bearbeiteten die Beschäftigten 540 000 Pakete. An normalen Tagen sind es halb so viele. Pro Woche bringen die Lkw 70 000 Pakete in den Gesamtbereich Stade, 10 000 werden direkt in Stade zugestellt, sagt Pressesprecherin Maike Wintjen.

„Seit Jahren steigt das Paketaufkommen im zweistelligen Bereich“, sagt Ingo Wittke. Mittlerweile bestellen die Menschen alles Mögliche im Internet. Der Tierfutterbereich ist dazugekommen, die Medikamente. Derzeit macht sich der Frischebereich bei den Lebensmitteln betriebsbereit und geht auf Kundenfang. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Die alten Zeiten des Sammelbestellers, bei dem sich die halbe Straße zusammentat und ein Paket schicken ließ, sind längst Geschichte.

Der Pakete-Boom hat auch beim Paketzentrum Spuren hinterlassen. Der Hofbereich wurde den Bedürfnissen des Transports angepasst, eine zweite Zufahrt sorgt für ein reibungsloses Kommen und Fahren und ein mehrstöckiges Parkhaus für die vielen hundert Mitarbeiter steht an der Grenze des zwei Hektar großen Geländes.

Die Lautstärke in der 260 Meter langen Halle, von der es zwei gibt, ist im erträglichen Bereich. Eine Unterhaltung ist möglich. Janina Laupichler saust mit dem Fahrrad an uns vorbei. Irgendwo löste ein eingeklemmtes Paket Alarm aus. Das muss nun behoben werden. Störungen würden immer mal vorkommen, sagt die Mechatronikerin, die auch bei der Post ihre Ausbildung gemacht hat. „Die meisten Störungen lassen sich schnell beheben“, sagt die junge Frau. Und muss schon weiter, weil es irgendwo eine Panne gibt. Alles, was den Sendungsfluss stört, muss sofort in Angriff genommen werden.

Nicht nur für die Linie Buxtehude, Stade, Otterndorf ist das Paketzentrum zuständig. Es ist auch das Gateway nach Skandinavien. Die Schweden, Norweger und Finnen zeigen ein auffälliges Kaufverhalten. Die lassen sich nämlich viele Musikinstrumente per Paketdienst aus Deutschland kommen. Und auch das nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern ganzjährig.

Für die Serie „24 Stunden: Reportagen rund um die Uhr“ verbringen TAGEBLATT-Redakteure je eine Stunde an einem Ort in der Region. Start und Ende der Serie ist 0 Uhr, was 24 Stunden und damit 24 Serienteile ergibt. Und das sind die Folgen:

  • Teil 1: Bei der Polizei
  • Teil 2: Im Pressehaus
  • Teil 3: Beim Bäcker
  • Teil 4: Bei der Post
  • Teil 5: Auf der Jagd
  • Teil 6: Auf der ersten Fähre
  • Teil 7: Der Greenkeeper
  • Teil 8: Im Industriehafen
  • Teil 9: Bei der Straßenmeisterei
  • Teil 10: Im Hotel
  • Teil 11: Bei der Tagespflege
  • Teil 12: In der Touristen-Information
  • Teil 13: Am Imbiss
  • Teil 14: Besuch beim Schäfer
  • Teil 15: Der Bestatter
  • Teil 16: Beim Brückenwärter
  • Teil 17: Der Tierarzt
  • Teil 18: Im Landgasthof
  • Teil 19: In der Notaufnahme
  • Teil 20: Bei der Fahrschule
  • Teil 21: Auf dem Autohof
  • Teil 22: Beim Lieferservice
  • Teil 23: Bei der Ernte
  • Teil 24: Neben einem Angler
24-Stunden-Reportage: Im Paketzentrum geht die Post ab

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