300 Ortsnetzstationen für Pilotprojekt digitalisiert
Andreas Formann, Mitarbeiter der Avacon Netz GmbH, blickt in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde. Foto: Philipp Schulze/dpa
Die Energiewende geht mit einem erhöhten Strombedarf einher. Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt im Lüneburger Raum die Digitalisierung konventioneller Ortsnetzstationen.
Lüneburg. Immer mehr Strom wird für die Elektrisierung vieler Bereiche benötigt. Damit genug Energie für E-Autos und Wärmepumpen verfügbar ist, setzt ein Pilotprojekt in Lüneburg auf die Digitalisierung der Verbraucher. „Wir sind deutschlandweit Vorreiter“, sagt Florian Hintz, Projektleiter Smart Energy Region Lüneburg vom Netzbetreiber Avacon.
Dafür wurden 300 Ortsnetzstationen digitalisiert, 170 neu gebaut und 130 umgerüstet. Viele der grauen, unscheinbaren Trafo-Stationen werden von Grafiti-Künstlern gestaltet - das halte von Schmierereien ab, erzählt Hintz. Was früher im Niederspannungsnetz eine Blackbox war, wird heute in Echtzeit überwacht, analysiert und – wenn nötig – gezielt gesteuert, heißt es vom Betreiber, dessen Netz von der Nordseeküste bis nach Südhessen reicht.
Zudem wurde ein digitaler Zwilling aufgebaut, sodass der Stromverbrauch und -bedarf exakt aufgezeichnet und berechnet werden können. So könne es weniger zu Überlastungen führen. „Durch den Zubau an Wärmepumpen, PV-Anlagen und Wallbox hat sich das ursprüngliche Verbrauchsverhalten der Haushalte grundlegend geändert“, erzählt Hintz. Früher war es standardmäßig so, dass mittags der Verbrauch anstieg und abends noch einmal. Das habe sich auch vor dem Hintergrund des Arbeitens im Homeoffice grundlegend geändert.
Erfahrungen sammeln um besser zu planen
„Mit den digitalen Ortsnetzstationen können wir zielgerichtet sehen, wie die Stationen ausgelastet sind“, erklärt der Fachmann. Seit 2022 testet das Unternehmen in Lüneburg und Umgebung. Früher habe man standardmäßig die Netzstationen aufgestellt, heute könne man mit den neuen Daten viel besser planen und anpassen.
Die digitalen Ortsnetzstationen übermitteln in Echtzeit die Daten an die Leitstelle des Stromnetzbetreibers. In manchen Gegenden gebe es viele Wärmepumpen, aber auch PV-Anlagen auf den Dächern, da würde Energie dezentral erzeugt. Hier könne man Erfahrungen sammeln, sagt Andreas Formann, Monteur aus dem Netzteam Lüneburg. In Zukunft will man nicht einfach immer mehr kostenintensiv ausbauen, sondern intelligent planen.

Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt im Lüneburger Raum digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Energiewende geht mit einem erhöhten Strombedarf einher. Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Avacon-Mitarbeiter Florian Hintz (l) und Andreas Formann blicken zusammen in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde. Foto: Philipp Schulze/dpa