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Energiewende

„Deutschlandweit Vorreiter“: 300 Ortsnetzstationen werden digitalisiert

Andreas Formann, Mitarbeiter der Avacon Netz GmbH, blickt in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde.

Andreas Formann, Mitarbeiter der Avacon Netz GmbH, blickt in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Energiewende geht mit einem erhöhten Strombedarf einher. Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt im Lüneburger Raum die Digitalisierung konventioneller Ortsnetzstationen.

Von dpa Samstag, 07.03.2026, 09:50 Uhr

Lüneburg. Immer mehr Strom wird für die Elektrisierung vieler Bereiche benötigt. Damit genug Energie für E-Autos und Wärmepumpen verfügbar ist, setzt ein Pilotprojekt in Lüneburg auf die Digitalisierung der Verbraucher. „Wir sind deutschlandweit Vorreiter“, sagt Florian Hintz, Projektleiter Smart Energy Region Lüneburg vom Netzbetreiber Avacon. 

Dafür wurden 300 Ortsnetzstationen digitalisiert, 170 neu gebaut und 130 umgerüstet. Viele der grauen, unscheinbaren Trafo-Stationen werden von Grafiti-Künstlern gestaltet - das halte von Schmierereien ab, erzählt Hintz. Was früher im Niederspannungsnetz eine Blackbox war, wird heute in Echtzeit überwacht, analysiert und – wenn nötig – gezielt gesteuert, heißt es vom Betreiber, dessen Netz von der Nordseeküste bis nach Südhessen reicht.

Zudem wurde ein digitaler Zwilling aufgebaut, sodass der Stromverbrauch und -bedarf exakt aufgezeichnet und berechnet werden können. So könne es weniger zu Überlastungen führen. „Durch den Zubau an Wärmepumpen, PV-Anlagen und Wallbox hat sich das ursprüngliche Verbrauchsverhalten der Haushalte grundlegend geändert“, erzählt Hintz. Früher war es standardmäßig so, dass mittags der Verbrauch anstieg und abends noch einmal. Das habe sich auch vor dem Hintergrund des Arbeitens im Homeoffice grundlegend geändert.

Erfahrungen sammeln um besser zu planen

„Mit den digitalen Ortsnetzstationen können wir zielgerichtet sehen, wie die Stationen ausgelastet sind“, erklärt der Fachmann. Seit 2022 testet das Unternehmen in Lüneburg und Umgebung. Früher habe man standardmäßig die Netzstationen aufgestellt, heute könne man mit den neuen Daten viel besser planen und anpassen. 

Die digitalen Ortsnetzstationen übermitteln in Echtzeit die Daten an die Leitstelle des Stromnetzbetreibers. In manchen Gegenden gebe es viele Wärmepumpen, aber auch PV-Anlagen auf den Dächern, da würde Energie dezentral erzeugt. Hier könne man Erfahrungen sammeln, sagt Andreas Formann, Monteur aus dem Netzteam Lüneburg. In Zukunft will man nicht einfach immer mehr kostenintensiv ausbauen, sondern intelligent planen.

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Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt im Lüneburger Raum digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen.

Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt im Lüneburger Raum digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Energiewende geht mit einem erhöhten Strombedarf einher. Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen.

Die Energiewende geht mit einem erhöhten Strombedarf einher. Um zu wissen, wo genau Strom gebraucht wird, testet ein Projekt digitale Stromzähler an Ortsnetzstationen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Avacon-Mitarbeiter Florian Hintz (l) und Andreas Formann blicken zusammen in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde.

Die Avacon-Mitarbeiter Florian Hintz (l) und Andreas Formann blicken zusammen in eine Ortsnetzstation, die bereits digitalisiert wurde. Foto: Philipp Schulze/dpa

J
Jochen Mextorf
08.03.202608:09 Uhr

Früher, bei Stromerzeugung durch Kohle, Öl und AKW, hatten wir ein stabiles Netz, ohne störanfälliger Elektronik. Da gingen höchstens einmal die E-Uhren nach, weil ein ausländisches Kraftwerk die 50 Hertz nicht einhalten konnte.

A
Alexander Schöcke antwortete am
08.03.202617:46 Uhr

Es gab früher mehr Stromausfälle als heute.

H
Heiko Kania
07.03.202614:03 Uhr

Hoffen wir, der / die Betreiber dieser digitalisierten Infrastruktur wissen um die Eigenschaft "kritische Infrastruktur" und handeln entsprechend. Dieser m.E. regional und systembezogen detaillierte Artikel widerspricht aus meiner Sicht der Schutzbedürftigkeit.

H
Heiko Kania antwortete am
07.03.202621:07 Uhr

Danke für die Infos. Für mich bleibt jedoch über, Infos zu (neu) installierter kritischer Infrastruktur müssen hinsichtlich Funktionalität und Dislozierung geschützt sein. Ich erinnere z.B. die Anschläge auf zwei zentrale Kabelsysteme der DB in Nord- und Süddeutschland zur selben Zeit. Und die gesamte Bahnverkehrssteuerung war flächendeckend lahmgelegt. Denn: Wir befinden uns nicht mehr im Frieden, noch nicht im Krieg.

A
Alexander Schöcke antwortete am
07.03.202619:02 Uhr

Security by obscurity ist in der IT-Security kein akzeptiertes, sondern sogar ein angelehntes Konzept. Ein System muss so sicher sein, dass es selbst dann standhält, wenn es in die Hände des Angreifers fällt.

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