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Energieversorgung

50 Jahre: Die Geschichte des Stader AKW

Der Druck auf den Knopf im November 2003: Als das nukleare Feuer im Stader Meiler endgültig erlosch.

Der Druck auf den Knopf im November 2003: Als das nukleare Feuer im Stader Meiler endgültig erlosch.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt Stade ist eng mit dem Bau des Kernkraftwerks und der Industrieansiedlung verbunden. Die Altstadtsanierung wäre ohne die Gewerbesteuer-Millionen von AKW, Dow, AOS oder VAW nicht denkbar gewesen.

Von Lars Strüning Freitag, 22.04.2022, 17:53 Uhr

Der US-amerikanische Chemie-Riese Dow, die Aluminium Oxid Stade mit ihrem Pulver für die Alu-Produktion und die VAW als Alu-Hersteller waren auf große Mengen billigen Stroms angewiesen. Den lieferte das AKW, das vor 50 Jahren seinen Betrieb aufnahm. Das TAGEBLATT schrieb damals von der „Industriellen Revolution auf dem Bützflethersand“.

Das Kraftwerk entstand direkt dort, wo schon das mit schwerem Heizöl betriebene Kraftwerk Schilling stand mit seinem charakteristischen, 220 Meter hohen und rot-weiß gestreiften Schornstein. Das hatte die Saline aus Stade-Campe an die Elbe gelockt, die sich später Akzo nannte. Beide Betriebe sind längst Geschichte.

Stades AKW kostete 340 Millionen D-Mark

1965 wurden Gedanken zu einem Atomkraftwerk für Norddeutschland erstmals öffentlich. 1967 stellte die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG den Antrag zum Bau und Betrieb des AKW. Bereits im Oktober des gleichen Jahres erhielt die Siemens AG den Auftrag für den schlüsselfertigen Bau. Veranschlagte Baukosten: 340 Millionen Mark. 1972 ging die Stader Anlage in Betrieb.

Es handelte sich um den ersten rein kommerziell genutzten Atommeiler Deutschlands mit einer elektrischen Leistung von 640 Megawatt. Spätere Kraftwerke wiesen die doppelte Leistung auf. Für den offiziellen Start gibt es verschiedene Daten.

1972 wurde der erste Stader Atomstrom eingespeist

Am 7. Januar 1972 wurde die Genehmigung erteilt für die nukleare Inbetriebsetzung, am 29. Januar wurde der erste Strom ins öffentliche Netz eingespeist, am 19. Mai erfolgte die Übergabe an die Kernkraftwerk Stade GmbH mit dem Beginn des kommerziellen Leistungsbetriebes.

Das Ende des Reaktors im November 2003

Am 14. November 2003 um 8.30 Uhr wurde das Kernkraftwerk abgeschaltet, als erstes von 19 in Deutschland – aus rein wirtschaftlichen Gründen, wie Betreiber Preußen Elektra betonte. Technisch sei alles in Ordnung gewesen. Aber der liberalisierte Strommarkt mit damals fallenden Preisen und die Verteuerung des Kühlwassers aus der Elbe durch die Landesregierung machten das kleine und lange Zeit von Gegnern als „Schrottreaktor“ betitelte Kraftwerk unrentabel.

Das Kernkraftwerk Stade hat in den gut 31 Jahren seines Betriebs mehr als 152 Millionen Megawattstunden Strom produziert. Seit 2005 wird das AKW zurückgebaut, 2026 soll es aus dem Atomgesetz entlassen werden.

„AKW nee“ in Stade kaum ein Thema

Die Bevölkerung in und um Stade hatte ohnehin kein kritisches Verhältnis zum AKW. „Das neue Kraftwerk und die damit verbundene Industrialisierung wurden von der überwiegenden Mehrheit der Menschen im Stader Raum akzeptiert, wenn nicht freudig begrüßt“, schreibt Stades langjähriger Stadtarchivar Dr. Jürgen Bohmbach in einem Aufsatz.

Die Angst, dass in Stade ohne AKW die Lichter ausgingen, blieb unbegründet. Die Steuerquellen sprudeln auch ohne Atomstrom aus Stade weiter.

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