BI Bützfleth kämpft mit Planungsrecht und Petition gegen Holzkraftwerk
Die Ruine der einst geplanten Müllverbrennungsanlage an der Elbe direkt neben AOS ist inzwischen komplett zurückgebaut. Hier ist das Holzkraftwerk geplant. Foto: Martin Elsen
Während Hansekraft ankündigt, bald den Genehmigungsantrag für das Holzkraftwerk einzureichen, kämpft die Bürgerinitiative Bützfleth dagegen - mit Planungsrecht und Petitionen.
Stade. Die Firma Hansekraft will im Industriegebiet Bützfleth Deutschlands größtes Altholzkraftwerk bauen und neben Prozessdampf für die Industrie und Strom auch Fernwärme erzeugen. Für Letztere waren Airbus Stade und die Stadtwerke Stade als Abnehmer im Spiel. Airbus ist aber ausgestiegen - und die Bürgerinitiative (BI) Bützfleth und Umweltgruppen begrüßen das ausdrücklich.
Gegner des Altholzkraftwerks schöpfen Hoffnung
„Wir hoffen, dass die anderen potenziellen Kunden, AOS, Dow und die Stadt Stade, ihre Position zu der Großfeuerungsanlage überdenken und denselben Schluss wie Airbus ziehen“, sagt Dr. Jan Witt von der BI. Dem TAGEBLATT gegenüber hatte Airbus sich zu den Gründen für die Entscheidung nicht äußern wollen.
Die Bürgerinitiative Bützfleth verweist auf ein Papier des Energieexperten Dr. Michael Huber von November 2025, das ein hohes wirtschaftliches Risiko darlegt, weil der Betrieb langfristig zu hohen Fernwärme- und Prozessdampf-Kosten führen werde. Huber rechnet in Zukunft mit einer größeren Konkurrenz um Holz und dadurch höheren Holzpreisen.
Umweltgruppen und BI fürchten Schadstoffbelastung
Die Hansekraft argumentiert für ihr Projekt mit „nachhaltiger Energiegewinnung“, einem „wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft“ sowie modernster Rauchgasfiltertechnik. Doch die BI sowie Robin Wood, Nabu und Biofuelwatch kritisieren in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „Das geplante Holzheizkraftwerk schadet dem Klima, verschwendet wertvolle Ressourcen und steigert das Risiko eines Störfalls sowie die Schadstoffbelastung der Luft.“ Sie verweisen auf eine Petition, die bisher von mehr als 1600 Personen unterzeichnet wurde.
Hansekraft hat angekündigt, die Pläne weiterzuverfolgen und die Genehmigung „Anfang 2026“ zu beantragen. Sie wird erteilt, sofern die Anlage die gesetzlichen Anforderungen erfüllt - auch mit Blick auf Emissionen.
Kritik an Lärmschutz und Mindestabständen
Die BI äußert sich in Sachen Holzkraftwerk auch zum Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) kritisch: „Es wird bestehendes Baurecht schlicht ignoriert und wiederholt versucht, den Bürgern grundsätzliche Rechte zu verwehren“, bilanziert Hans Schmidt, der Planungsexperte der BI.
Mit dem RROP würden langfristige Planungsabsichten dargestellt, die die Bürger von Bützfleth besonders betreffen. „Da schaut die BI natürlich genau hin“, sagt Jan Witt. Die BI kritisiert, dass die Stadt nach gerichtlich einkassierten Bebauungsplänen noch immer keine rechtskonforme Bauleitplanung für das Gebiet vorgelegt habe.
Schmidt sieht Fehleinschätzungen beim Lärmschutz sowie bei der Einstufung allgemeiner Wohngebiete und deren Mindestabstand zu Gewerbe und Industrie. Bei jeder Veränderung im Industriepark - auch durch das Holzkraftwerk - würden diese Umstände erneut zu Auseinandersetzungen führen. Bisher sei die BI dabei immer vollumfänglich gerichtlich bestätigt worden, sagt Schmidt.
BI fordert: Endlich Grüngürtel um das Industriegebiet
Er schlägt auch Verbesserungen vor, zum Beispiel, den seit 1972 geplanten Grüngürtel zwischen Industriegebiet und Ortschaft endlich auszuweisen. Das würde zu Lärmschutz und Feinstaubreduzierung beitragen - und die Stadt würde mit Blick auf die Schutzverpflichtung den Bützflether Bürgern gegenüber ein erstes Entgegenkommen zeigen, sagt Schmidt. Die BI Bützfleth hofft nun, dass der Entwurf überarbeitet und grundlegend verbessert neu ausgelegt wird.

Ein Sammelbehälter für belastete Altholzabfälle im Abfallwirtschaftszentrum. Foto: Richter
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