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NRW und Brandenburg

Angriffe auf Stromversorgung - Sabotageverdacht auch in NRW

Die Polizei hat in Bergheim sechs Abschussvorrichtungen in einem Feld gefunden.

Die Polizei hat in Bergheim sechs Abschussvorrichtungen in einem Feld gefunden. Foto: Henning Kaiser/dpa

Erst Brandenburg, dann NRW: Innerhalb kurzer Zeit gibt es zwei Angriffe auf die Stromversorgung. Mit auffälligen Parallelen. NRW-Innenminister Reul sagt: „Wer da rangeht, greift unser Land an.“

Von dpa 02.09.2026, 14:24 Uhr
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Bergheim/Turnow-Preilack/Berlin. Nach dem Angriff auf das Stromnetz in Südbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgeht. Unbekannte hätten Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). „Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.“

Die Ermittler sehen Parallelen zu dem Fall in Brandenburg, wo Unbekannte am Dienstagmorgen unweit des Umspannwerks Turnow-Preilack einen Angriff auf die Stromversorgung gestartet hatten. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.

In Bergheim entdeckten Einsatzkräfte der Polizei bei einer Suchaktion in einem Maisfeld insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Diese waren demnach so gebaut, dass mit pyrotechnischen Gegenständen ein Draht über die Stromleitungen geführt werden konnte. In der Folge seien mehrere Kraftwerksblöcke abgeschaltet worden, die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung sei dadurch bedroht gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Mittlerweile sind drei von fünf Kraftwerksblöcken wieder ans Netz gegangen, wie RWE Power am Abend mitteilte. Für die übrigen zwei Blöcke sei mit einer Wiederinbetriebnahme im Laufe des kommenden Wochenendes zu rechnen.

Zwei Angriffe innerhalb von zwei Tagen 

In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen.

Keine Stromausfälle - Ermittler vernetzen sich 

Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist noch offen. „Wir prüfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus“, sagte Reul. 

Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, der dazu geführt hatte, dass rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.

Brandenburgs Innenminister: „Verdammtes Glück gehabt“

Innenminister Redmann sprach davon, dass man in Brandenburg „verdammtes Glück“ gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend „raketenähnlichen Gegenständen“ mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen - anders als in Berlin Anfang des Jahres, wo ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke einen großflächigen Stromausfall auslöste, von dem Zehntausende Menschen betroffen waren. Hier gehen die Ermittler von linksextremistischen Tätern aus. 

Redmann erklärte, die Tatausführung in Brandenburg sei aber anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das betroffene Umspannwerk zählt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland. 

In NRW fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz 

In Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr zunächst wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk in Bergheim gerufen. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, hieß es. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen vom Netz. Der Energieversorger Amprion versicherte: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.“

NRW-Innenminister Herbert Reul findet klare Worte.

NRW-Innenminister Herbert Reul findet klare Worte. Foto: Volker Danisch/dpa

In Südbrandenburg durchkämmen Polizisten die Umgebung des Umspannwerks.

In Südbrandenburg durchkämmen Polizisten die Umgebung des Umspannwerks. Foto: Frank Hammerschmidt/dpa

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