Chef von Reeperbahn-Festival hofft auf Hilfe im Bundestag
Der Bund zahlt in diesem Jahr weniger Geld für das Reeperbahn-Festival und plant weitere Kürzungen. (Archivbild) Foto: Markus Scholz/dpa
Kommende Woche wird der Hamburger Kiez wieder zum Zentrum der internationalen Musikbranche. Festivalchef Alexander Schulz befürchtet, dass sich das ändern könnte - und wendet sich daher nach Berlin.
Hamburg. Kurz vor dem Start des 21. Reeperbahn-Festivals kämpft Festivalchef Alexander Schulz um die finanzielle Förderung des Branchentreffs der Musikwirtschaft für die kommenden Jahre. In einem der dpa vorliegenden Schreiben bittet Schulz Mitglieder des Bundestags, sich im Rahmen der laufenden Haushaltsverhandlungen für eine „sachgerechte und zukunftsorientierte Lösung bei der Bundesförderung“ einzusetzen.
Im vergangenen Jahr hatte der Bund das Festival noch mit 6,27 Millionen Euro gefördert. Für dieses Jahr wurden die Mittel den Angaben der Hamburger Kulturbehörde zufolge auf rund 4,5 Millionen Euro gekürzt. Der vom Bundeskabinett beschlossene Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sehe nur noch Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro vor.
Schulz bangt um „Deutschlands Vorreiterstellung“
„Diese erneute radikale Reduzierung in dieser kurzen Zeit birgt akut die konkrete Gefahr, den internationalen Marktplatz auf ein regionales Niveau zurückzuführen und Deutschlands Vorreiterstellung in diesem Bereich aufzugeben“, heißt es in Schulz‘ Schreiben an die Mitglieder von drei Bundestagsausschüssen. Verbunden mit der Bitte, sich dafür einzusetzen, dass die Bundesförderung des Festivals nicht durch eine weitere drastische Kürzung gefährdet, sondern eine Übergangslösung auf Basis des Haushaltsansatzes 2026 ermöglicht werde.
Schulz verweist dabei auch auf die politische Lage. Gerade nach dem Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die AfD klar stärkste Kraft wurde, sei die geplante kulturpolitische Ausrichtung ein fatales Signal, sagte Schulz. Kulturelle Veranstaltungen wie das Reeperbahn-Festival seien Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Haltung zusammenkämen - und damit ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Brosda befürchtet Schwächung des Musikstandorts Deutschland
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) hofft ebenfalls darauf, dass der Bund die Bedeutung der Musikwirtschaft und des Reeperbahn-Festivals als einer der global wichtigsten Musikveranstaltungen und als Leuchtturm der deutschen und europäischen Musikbranche anerkennt, wie er auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Er sieht dabei vor allem das zuständige Kulturstaatsministerium in der Pflicht. „Wenn die bisherigen Entscheidungen des Bundes nicht korrigiert werden, droht eine empfindliche Schwächung des ganzen Musikstandorts Deutschland. Es bleibt die Hoffnung, dass sich in der Beratung des Bundeshaushalts noch Möglichkeiten ergeben, eine bessere Finanzierung des Bundes sicherzustellen.“
Weimer erwartet mehr finanzielle Beteiligung von Hamburg
Hintergrund der Kürzungen durch den Bund ist, dass sich künftig Hamburg finanziell mehr beteiligen soll, weil die Stadt ja auch Nutznießer des Festivals ist. „Wer von der Strahlkraft des Festivals profitiert, sollte auch Verantwortung für seine Finanzierung übernehmen“, sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Juli der dpa. Deshalb erwarte er, dass sich die Stadt Hamburg künftig deutlich stärker beteiligen werde.
Das Reeperbahn-Festival startet am Mittwoch kommender Woche in seine 21. Auflage. Bis Samstag werden wieder Hunderte Bands, Musiker und Künstler zu dem viertägigen Musik-Spektakel rund um den Hamburger Kiez erwartet.

Festivalchef Alexander Schulz hofft, dass der Bund nicht so kräftig kürzt. (Archivbild) Foto: Georg Wendt/dpa