Erdbeben im Stader Nachbarkreis – Bohrungen schuld?
Der NED am LBEG überwacht als staatlicher seismologischer Dienst die Erdbebentätigkeit in Niedersachsen und den angrenzenden Gebieten. (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa
Am frühen Morgen schlagen die Messnadeln aus. Das Epizentrum des Bebens gibt Hinweise zur Ursache.
Visselhövede/Hannover. Der Niedersächsische Erdbebendienst (NED) hat am Mittwochmorgen um 4.57 Uhr zehn Kilometer südwestlich von Visselhövede (Rotenburg) im Drei-Landkreise-Eck Rotenburg, Verden und Heidekreis ein Erdbeben mit einer Lokalmagnitude von 2,1 registriert. Ab einer Magnitude von 1,9 können Menschen seismische Ereignisse erfahrungsgemäß wahrnehmen, heißt es dazu vom NED.
Meldungen über Erschütterungen wie zum Beispiel Anrufe und E-Mails von Anwohnern seien allerdings bislang nicht beim NED eingegangen. Schäden seien nicht zu erwarten.
Erdbeben - war Erdgasförderung die Ursache?
Derzeit gehen die Experten davon aus, dass das Erdbeben durch die Erdgasförderung ausgelöst wurde. Das Epizentrum liege im Bereich zwischen den Erdgasfeldern Hamwiede und Weissenmoor. Der Erdbebendienst erklärt: Die Förderung von Erdgas führt zu Spannungen im tiefen Untergrund. Wenn diese an Schwächezonen im Untergrund impulsartig abgebaut werden, kann es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen durch sogenannte induzierte Erdbeben.
Die genaue Ursache des aktuellen Ereignisses werde zurzeit aber noch in detaillierten Untersuchungen analysiert.
Rund 5 Erdbeben pro Jahr
Anwohner, die das Ereignis verspürt haben, werden gebeten, ihre Beobachtungen über einen Fragebogen zu melden. Die Angaben würden für eine unabhängige Bestimmung des Epizentrums und zur Abschätzung der Auswirkungen des Ereignisses genutzt, hieß es.
Eine Liste aller Erdbeben in Niedersachsen der vergangenen zwölf Jahre wird online bereitgestellt. Der Landkreis Stade war demnach in dem Zeitraum nicht betroffen.
Die letzten Beben sind nicht lange her: Im April 2025 hatte ein Erdbeben bei Oldenburg eine Stärke von 3,2. Bei Syke im Landkreis Diepholz gab es im März 2024 leichtere Schäden an Gebäuden. Dort wurde sogar eine Lokalmagnitude von 3,6 erreicht. Das bisher stärkste Beben in Niedersachsen wurde 2004 in Rotenburg mit einer Magnitude von 4,5 gemessen. Dem Sprecher zufolge ist ein Beben ab 1,9 bis 2,0 für den Menschen wahrnehmbar.
In den zurückliegenden drei Jahren hat der NED am LBEG im Schnitt rund fünf seismische Ereignisse pro Jahr registriert. Ein Drittel lag oberhalb der Wahrnehmungsschwelle von 1,9. (tip)
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