TFall Alizada: Friedliche Demonstration mit Blick Richtung Afghanistan
Etwa 70 überwiegend jugendliche Demonstranten zogen nach einer Kundgebung durch die Stader Innenstadt. Foto: Stephan
Trauer, Entsetzen, Wut wegen des Todes von Aman Alizada und Angst um die Menschen in Afghanistan – zwei Jahre nach dem Tod des 19-jährigen Flüchtlings durch eine Polizeikugel stand die Gedenk-Kundgebung in Stade auch unter dem Eindruck der aktuellen Situation in Afghanistan.
Letztes Update 18:50 Uhr: Detaillierte Informationen zur Kundgebung hinzugefügt.
Es war diesmal nur noch eine kleine Schar von Freunden des bei einem Polizeieinsatz in Bützfleth von einem Polizisten mit fünf Kugeln erschossenen Flüchtlings, die sich anlässlich des zweiten Todestages mit Mitgliedern diverser Initiativen auf dem Pferdemarkt in Stade versammelten. Rund 70 überwiegend junge Menschen, die friedlich bei der anschließenden kleinen Demonstration rund um die Altstadt zogen. Wie schon in den Vorjahren bestimmte Trauer und Wut die Erinnerungen an Aman Alizada.
Juristisch steht der Fall vor dem Abschluss, die Generalstaatsanwaltschaft in Celle muss noch eine abschließende Bewertung abgeben, wenn der Anwalt von Alizadas Bruder die jüngsten Ermittlungsergebnisse bewertet hat. Ebenso wie die Stader Staatsanwaltschaft gehen auch die Staatsanwälte in Celle im Sinne des Polizisten von einer Notwehrsituation aus.
Bruder schickt Botschaft aus Australien
In einer Botschaft aus Australien sagte der Bruder: „Aman dachte, in einem friedlichen Land zu sein, bei friedlichen Menschen, doch wir müssen feststellen, dass er in diesem Land erschossen wurde.“
Dörthe Hinz vom niedersächsischen Flüchtlingsrat: „Es bleibt unbegreiflich, dass dieser junge Mensch gestorben ist, gestorben im Rahmen eines Polizeieinsatzes, der bis heute nicht lückenlos aufgeklärt ist.“ Das sei „ein Skandal“. Hinz: „Von Anfang an erweckten Polizei und Staatsanwaltschaft Stade den Eindruck, als würden sie die Akten lieber schließen.“ Mit Spannung werde die abschließende Bewertung aus Celle erwartet. Hinz: „Es ist alarmierend, wenn die Polizei nicht in der Lage ist, solch eine Konfliktsituation anders zu lösen, als mit einem tödlichen Schusswaffengebrauch.“ Der Flüchtlingsrat erwartet eine Aufklärung und der richtige Ort dafür sei ein Gericht.
„Lasst uns bitte nicht wegschauen"
Heftige Angriffe richtete Hinz an die Regierungen in Berlin und Hannover: „Wir sind entsetzt über das beschämende und menschenverachtende Verhalten der politisch Verantwortlichen in Deutschland, die bis wenige Tage vor der Machtergreifung der Taliban in erster Linie darauf bedacht waren, die mittlerweile zusammengebrochene Regierung unter Druck zu setzen, damit die weitere Abschiebungen hinnimmt.“ Die Bundesregierung und auch die Landesregierung hätten die Lebensgefahren, denen die Menschen in Afghanistan ausgesetzt sind, jahrelang geleugnet. Hintz: „Es ist ein Versagen der Bundespolitik mit tödlichen Folgen.“
Neben der unbürokratischen Evakuierung der gefährdeten Menschen in Afghanistan fordert der Flüchtlingsrat ein Landesaufnahmeprogramm um besonders gefährdete Afghanen in Niedersachsen aufzunehmen. Hintz: „Lasst uns bitte nicht wegschauen, wir dürfen die Menschen nicht alleine lassen.“
Während weitere Redner in den Kundgebungen vor und nach der Demo vor allem den Menschen Aman Alizadah würdigten, griff ein Vertreter der „Initiative Alizadah“ tief in die politische Kiste und forderte wegen der Verflechtung der Polizei mit rechten Kräften und einem latenten Rassismus die Abschaffung der Polizei. Dafür gab es allerdings auch vereinzelt Pfiffe auf dem Pferdemarkt.
Am Ende der politischen Aktion in Stade gab es zumindest keine aktenkundig relevanten Vorfälle. Alles friedlich verlaufen, steht im Bericht der noch existierenden Polizei.