Geplante Führerscheinreform sorgt für Flaute bei Fahrschulen
Bei rund 20 Fahrschulen in Hamburg ist die Zahl der Anmeldungen nach der Ankündigung einer Führerscheinreform um circa 50 Prozent gesunken. (Symbolbild) Foto: Swen Pförtner/dpa
Weniger Fragen in der Theorieprüfung, mehr Unterricht per Fahrsimulator - der Führerschein soll bald deutlich günstiger werden. Viele angehende Fahrschüler zögern nun.
Hamburg. Seit der Ankündigung einer Reform zur Führerscheinausbildung schrumpfen die Zahlen der Anmeldungen bei vielen Fahrschulen. Nach Angaben des Hamburger Fahrlehrerverbands meldeten rund 20 Fahrschulen in der Hansestadt einen Anmelderückgang um 50 Prozent in den Monaten November bis Januar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Einsparungen bei Personal und dem Fuhrpark seien bis jetzt aber noch nicht bekannt, erklärte Verbandsvorsitzende Michael Witt. Sie könnten gegebenenfalls erst später spürbar werden.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte im vergangenen Oktober angekündigt, mit einer Reform die Kosten der Ausbildung senken zu wollen: etwa durch weniger Fragen in der theoretischen Prüfung, ein Ende für verpflichtenden Präsenzunterricht in Fahrschulen, den Einsatz von Fahrsimulatoren sowie weniger verpflichtende Sonderfahrten etwa nachts oder auf Autobahnen.
Führerschein kostet im Schnitt 3.400 Euro
Laut Bundesverkehrsministerium werden für einen Pkw-Führerschein der Klasse B in Deutschland derzeit im Schnitt rund 3.400 Euro fällig. Mit dieser Führerscheinklasse dürfen Autos und kleine Transporter gefahren werden. Das geplante Gesetz zur Umsetzung der Reform soll frühestens Anfang 2027 in Kraft treten.
Als Kostentreiber sieht der Hamburger Fahrlehrerverband die hohen Anschaffungspreise für Fahrzeuge und deren Unterhaltung. Außerdem seien die Gehälter und Sozialabgaben für das Personal gestiegen. Auch die Prüfungsanforderungen seien höher geworden. Die Schüler bräuchten mehr Fahrstunden aufgrund der sehr hohen Verkehrsdichte und der vielen Baustellen in Hamburg. Die Vorkenntnisse der Führerscheinbewerber seien dagegen gesunken, erklärte Verbandschef Witt.
57 Prozent bestehen Prüfung bei erstem Versuch
Nach Angaben des Hamburger Senats gab es Ende des vergangenen Jahres 242 Fahrschulen in Hamburg. Ein Jahr zuvor waren es mit 204 deutlich weniger gewesen. 26.611 Fahrschüler meldeten sich 2025 zur praktischen Prüfung an. 15.412 oder 57 Prozent bestanden diese im ersten Anlauf.
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