Krach zum Familienfest: Diese Fehler sollte jeder vermeiden
Nicht nur Paare können Weihnachten in Streit geraten - vor allem größere Familienzusammenkünfte birgen Konflitkpotenzial. Foto: dpa/pa/tmn
Weihnachten, das Fest der Liebe. Was kann schon schiefgehen? Eine Menge, weiß Psychotherapeutin Sarah Freund. Nicht selten eskalieren schwelende Konflikte in Familien unterm Weihnachtsbaum. Warum ist das so?
Von Katja Gallas
An Weihnachten soll es besinnlich zugehen. Jeder hat eine Erwartungshaltung ans Fest. Ist das nicht schon ein Stressfaktor? Ja, auf jeden Fall. Durch diese Erwartungshaltung ist ein bestimmtes „Bild“ im Kopf, wie alles abzulaufen hat oder im Idealfall aussehen sollte. Sobald dort Abweichungen entstehen, führt dies unweigerlich zu Stress.
Wo lauern die größten Gefahren?
Die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sind sicherlich ein großer Faktor, der das Fest stören kann, aber auch ungeklärte Streitthemen in der Familie sowie unterschiedliche Essverhalten (vegan, vegetarisch und so weiter) bergen Konfliktpotential.
Schwiegereltern, Oma, Opa und die Kinder – Generationen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Wie bauen wir Brücken zwischen Jung, Mittel und Alt?
Vor den Feiertagen am besten mit den unterschiedlichen Generationen sprechen, was ihnen für das gemeinsame Fest wichtig ist, so dass jeder die Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse und Wünsche mit einfließen lassen zu können. Dadurch fühlt sich jeder wahrgenommen, so dass einem besinnlichen Fest nichts im Wege stehen dürfte.
Sollte man sich vor dem Fest darauf zu einigen, bestimmte Themen unterm Tannenbaum zu streichen?
Dies ist sicherlich eine gute Möglichkeit, dass das Weihnachtsfest harmonisch ablaufen kann. Weihnachten ist vielleicht nicht unbedingt der richtige Zeitpunkt, um Grundsatzdiskussionen zu führen oder ungelöste Streitthemen zu klären.
Wie wichtig ist es, auch an Weihnachten, klare Grenzen zu setzen?
Ganz egal welcher Anlass ansteht, bestimmte Grenzen sollten für einen selbst nicht überschritten werden müssen, wenn man sich damit nicht wohl fühlt. Von daher ist es gut, wenn klare Grenzen gesetzt werden und diese dann mit allen kommuniziert werden. Grenzen setzen ohne jemandem auf die Füße zu treten, kann gut funktionieren, wenn man bei sich bleibt und die Grenzen so formuliert: „Ich wünsche mir oder mir ist das wichtig, weil...“. So kann man seinen Standpunkt vertreten ohne, dass der andere sich angegriffen fühlt.
Können wir vorab etwas dafür tun, Spannungen und Streit zu vermeiden?
Am besten ist es, wenn Wünsche und Erwartungen im Vorfeld geklärt werden können, so dass es beim Fest nicht plötzlich zu Überraschungen kommt.
Gibt es Strategien, mit denen die Stimmung während der Familienfeier oben bleiben kann? Ich denke, dass es ein schöner Anlass ist, um dankbar zu sein und dies auch auszudrücken. Warum nicht mal nur über die positiven Dinge sprechen, die einem widerfahren sind und Komplimente verteilen an Stellen, die es ermöglichen?
Allen Vorbereitungen zum Trotz eskaliert die Situation. Familienmitglieder drücken gegenseitig die nur allzu bekannten wunden Punkte - und Ärger liegt in der Luft. Wie können wir wieder Ruhe rein bringen? Wenn die Situation eskaliert und die Stimmung kippt, ist es herausfordernd diese wieder ins Positive zu lenken. Oft kann es hilfreich sein, wenn „Bewegung“ in die Situation gebracht wird. Dies kann beispielsweise durch einen Spaziergang erfolgen. Hierdurch hat jeder für sich die Möglichkeit, seine Gedanken zu ordnen und den Ärger durch Bewegung abzubauen.
Müssen wir wieder lernen, andere Meinungen auszuhalten?
Ich denke viel einfacher ist es, wenn man nicht lernen muss, andere Meinungen auszuhalten, sondern wenn diese einfach akzeptiert werden können. Das kostet viel weniger Energie. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass das eigene Meinungsbild bunter und vielfältiger wird.