AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Filmfestspiele Venedig

Oscar-Gewinnerin schockiert mit Doku über ICE-Einsätze

Rachel Lauren Mueller und Laura Poitras haben den Film gemeinsam gedreht.

Rachel Lauren Mueller und Laura Poitras haben den Film gemeinsam gedreht. Foto: Alberto Terenghi/IPA via ZUMA Press/dpa

Laura Poitras dokumentiert in ihrem neuen Film „They’re Here“ Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE. Die Bilder aus Minneapolis sind verstörend - und wirken wie aus einem Horrorfilm.

Von dpa 08.09.2026, 07:20 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Venedig. In ihrer neuen Dokumentation zeigt die Oscar-prämierte Regisseurin Laura Poitras schockierendes Filmmaterial von den Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis aus dem vergangenen Winter. „They’re Here“ feierte bei den Filmfestspielen Venedig Premiere.

Poitras und ihre Co-Regisseurin Rachel Lauren Mueller haben für den Kurzfilm Material von lokalen Aktivisten, Aufnahmen von Dashcams aus Fahrzeugen, Bodycam-Videos sowie Handy- und Überwachungssysteme der betroffenen Nachbarschaften verifiziert, wie Poitras sagte. Mueller war außerdem selbst vor Ort und filmte.

Kinder werden aus Autos gezerrt

Die gezeigten Bilder sind verstörend und chaotisch: ICE-Beamte in Sturmhauben, die Kinder und Erwachsene aus Autos zerren und blutende Demonstranten zu Boden werfen und fesseln. Journalisten in Gasmasken, die aus dem Geschehen fliehen. Aus der Ferne wird gezeigt, wie Gefesselte vom Rollfeld in Flugzeuge verladen werden. Ein anonymisierter Migrant erzählt, dass er sich im Kofferraum verstecken muss, um sicher zur Arbeit zu gelangen.

Wir hören Bewohner, die versuchen, ICE-Beamte und deren Autos auf den Straßen zu identifizieren. Das ist schwierig, weil sie keine einheitlichen Uniformen oder Fahrzeuge verwenden.

Obwohl es sich um eine Dokumentation handelt, nutzt der Film bewusst die Ästhetik des Horrorfilms. Man sieht dann etwa Dashcam-Aufnahmen einer Aktivistin, die ein mutmaßliches ICE-Fahrzeug durch das verschneite Minneapolis verfolgt. Das Auto hält vor ihrer Haustür. Dann taucht eine maskierte Gestalt auf, blickt sie direkt an und zeigt auf ihr Haus. 

„Was wir derzeit in den USA erleben, ist ein Albtraum“

Die US-Regierung hatte vergangenen Winter Tausende Bundesbeamte von ICE und anderen Behörden nach Minneapolis geschickt, die Razzien waren Teil der rigorosen Abschiebepolitik von Präsident Donald Trump. Nachdem Bundesbeamte zwei US-Bürger auf solchen Einsätzen erschossen hatten, weiteten sich Empörung und Proteste aus. 

Inzwischen hat ICE die Taktik verändert und setzt auf unauffälligere Abschiebestrategien. Die US-Einwanderungsbehörde hat im Juli fast 50.000 Menschen festgenommen - mehr als je zuvor in einem Monat seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump.

„Was wir derzeit in den Vereinigten Staaten erleben, ist ein Albtraum“, sagte Poitras in Venedig. „Und wir haben den Eindruck, dass in den Mainstream-Medien diese Art von Gewalt normalisiert wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass das Kino die Kraft hat, diese Gewalt zu entnormalisieren und zu zeigen, was tatsächlich geschieht, damit man das Gefühl dieses Terrors nachempfinden kann.“

Poitras gewann für Doku über Edward Snowden den Oscar

Die beiden Filmemacherinnen betonten zugleich, dass der beeindruckende, unnachgiebige Protest der Einwohner dafür gesorgt habe, dass sich ICE-Beamte aus Minneapolis zurückzogen.

Poitras gewann für ihre Doku „Citizenfour“ über Edward Snowden einen Oscar. In Venedig erhielt sie für „All the Beauty and the Bloodshed“, eine Doku über die Fotografin Nan Goldin, 2022 den Goldenen Löwen. Es war erst das zweite Mal, dass ein Dokumentarfilm den Hauptpreis gewann. „They’re Here“ läuft dieses Jahr nicht im Wettbewerb.

Weitere Themen

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel