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Guthaben-Nutzung

Prepaid-Handys kommen aus der Mode

Prepaid oder Postpaid - was für eine Sim-Karte ist in diesem Handy? Vermutlich letzteres.

Prepaid oder Postpaid - was für eine Sim-Karte ist in diesem Handy? Vermutlich letzteres. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten helfen, damit man keine böse Überraschung erlebte. Und heute?

Von dpa Dienstag, 12.05.2026, 14:00 Uhr

Köln. Immer weniger Bundesbürger setzen bei der Handynutzung auf Prepaid-Sim-Karten, bei denen sie ihr vorab eingezahltes Guthaben verbrauchen. Ende dieses Jahres werde es schätzungsweise nur noch 25,6 Millionen Prepaid-Karten in Deutschland geben und damit rund sieben Prozent weniger als 2025, heißt es in einer Marktstudie des Internet-Branchenverbandes VATM. In den vergangenen beiden Jahre waren die Rückgänge mit neun beziehungsweise zehn Prozent noch kräftiger ausgefallen. Im Jahr 2023 hatte es im Bundesgebiet den Angaben zufolge noch 33,6 Millionen Prepaid-Sim-Karten gegeben. Ein Teil dieser Handys schlummert ungenutzt in den Schubladen. 

Bei Prepaid-Karten zahlt der Nutzer vorab Geld ein, damit er eine Handyverbindung bekommt. Ist das Guthaben aufgebraucht, ist Schluss. Anders ist es bei „Postpaid“. Hierbei unterschreibt man einen Vertrag und zahlt dann im Monatsrhythmus Geld. Solche Sim-Karten sind im Aufwind, laut der vom VATM in Auftrag gegebenen Studie des Beratungsunternehmens Dialog Consolut werden es am Jahresende in Deutschland 88 Millionen Postpaid-Karten sein und damit fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch hier gibt es schon seit längerem einen Anstieg, 2023 waren es nur 72,2 Millionen gewesen. 

Flatrates lassen Interesse an Prepaid sinken 

„Der klassische Postpaid-Vertrag ist weiter auf dem Vormarsch“, sagt Marktforscher Andreas Walter von Dialog Consult. Er begründete die Entwicklung mit der „Reife des Marktes“. Die Verträge seien heute fair ausgestaltet und das Misstrauen der Kunden geringer als früher. „Die Kunden erleben keine bösen Überraschungen mehr, was die höhere Rechnung angeht - sie brauchen sowieso jeden Tag Datenübertragung.“ Ganz früher habe der Prepaid-Anteil bei mehr als 50 Prozent gelegen, inzwischen seien es nur noch 22,5 Prozent. Sei es früher im Wesentlichen um Anrufe gegangen, so gehe es inzwischen vor allem um Datenübertragung. 

VATM-Präsidentin Valentina Daiber fügte hinzu, dass man inzwischen ja im „Zeitalter von Flatrates“ lebe und der Kostenkontroll-Effekt nicht mehr nötig sei. Damit meinte sie, dass sich früher viele Menschen ganz bewusst für eine Prepaid-Karte entschieden, weil damit eine finanzielle Grenze gezogen war: Waren die 10 Euro abtelefoniert, brach die Verbindung ab. Bei Postpaid-Verträgen konnte es hingegen sein, dass dem Handynutzer die Kosten eines Anrufs erst im Nachhinein bewusst wurden und er mit der Monatsabrechnung gewissermaßen eine böse Überraschung erlebte. 

Jeder fünfte Internet-Anschluss läuft über Glasfaser 

Die Marktstudie zeigte zudem Fortschritte beim Glafaser-Internetausbau in Deutschland. Ende dieses Jahres wird es schätzungsweise 7,8 Millionen aktive „Fiber“-Anschlüsse geben und damit 1,4 Millionen mehr als 2025 und fast doppelt so viele wie 2023, als es 4,2 Millionen gewesen waren. Den Zahlen zufolge ist dann gut jeder fünfte Haushalt in Deutschland über Glasfaser im Internet. Diese Technologie gilt als besonders schnell und stabil. 

Fernsehkabel erreichen zwar ebenfalls hohe Bandbreiten, sie sind aber recht schwankungsanfällig - Anschlüsse über diese Technologie wird es am Jahresende voraussichtlich 8,5 Millionen geben, womit der Wert stabil blieb. Verbindungen über die dünnen Telefonleitungen (DSL) dominieren mit 21,8 Millionen aktiven Anschlüssen noch immer den Markt, obwohl sie als Auslaufmodell und technologisch überholt gelten. Das Minus bei DSL lag im Vorjahresvergleich bei 4,4 Prozent. „Der Glasfaser-Ausbau kommt gut voran“, sagte VATM-Präsidentin Daiber. „Die Unternehmen investieren, sie bauen aus und sie modernisieren die digitale Infrastruktur unseres Landes.“

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