Zähl Pixel
Weltcup

Biathletin Preuß: Auf der Suche nach der Olympia-Form

 Franziska Preuß (vorn) ist noch nicht in Bestform.

Franziska Preuß (vorn) ist noch nicht in Bestform. Foto: Sven Hoppe/dpa

Franziska Preuß steht vor ihren wohl letzten Olympischen Spielen. Nach der überragenden Vorsaison steht sie immer noch ohne Podestplatz da. Derweil nutzt Selina Grotian ihre letzte Chance.

Von Sandra Degenhardt und Thomas Wolfer, dpa Sonntag, 18.01.2026, 13:10 Uhr

Ruhpolding. Drei Wochen vor dem ersten Olympia-Rennen ist Weltmeisterin Franziska Preuß noch ein ganzes Stück von der erhofften Gold-Form entfernt. „Es gibt einfach noch Baustellen, die man in den Griff kriegen muss, um eine Topplatzierung zu haben“, sagte die 31-Jährige sichtlich frustriert nach Platz sieben in der Biathlon-Verfolgung von Ruhpolding. Optimismus sieht anders aus.

Auch in ihrem Wohnzimmer reichte es für die Weltcupgesamtsiegerin der Vorsaison nicht zum ersehnten ersten Podestplatz des Winters. Nach dem Patzer in der Staffel (6. Platz), wo sie eine Strafrunde schoss, und Platz fünf im Sprint hatte sie im Jagdrennen nach zwei Strafrunden 36,4 Sekunden auf die siegreiche Französin Lou Jeanmonnot (1 Fehler). 

„Hundertmillionen Steine“ vom Herzen gefallen 

Derweil knackte Selina Grotian bei ihrer letzten Chance die Olympia-Norm. „Hundertmillionen Steine“ seien ihr vom Herzen gefallen, sagte die 21-Jährige. Nach Rang 15 im Sprint erfüllte sie mit Rang 13 die interne Vorgabe von zwei Top-15-Platzierungen. „Ich bin sehr erleichtert, dass die Kämpferei vorbei ist.“ Das große Talent hatte wegen einer Corona-Infektion im Dezember die Rennen in Hochfilzen und Le Grand-Bornand verpasst. 

Sechs Startplätze hat das deutsche Frauen-Team. Neben Preuß und Grotian sind auch Julia Tannheimer (5 Fehler/23.), Vanessa Voigt (2/26.), Janina Hettich-Walz (6/48.) und die kommende Woche in Nove Mesto wieder zurückkehrende Anna Weidel qualifiziert. 

Am Sonntag übermittelt Sportdirektor Felix Bitterling seine Vorschlagsliste an den Deutschen Skiverband. Am Dienstag entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund über die Nominierungen. Bei den Männern, die fünf Startplätze haben, waren mit Philipp Nawrath, Philipp Horn, Justus Strelow und David Zobel vor der Verfolgung in der Chiemgau-Arena erst vier DSV-Skijäger qualifiziert.

Auf Fehler der anderen angewiesen

Klar ist: Die Konkurrenz ist so gut und groß, dass Preuß fürs Podium ein nahezu perfektes Rennen braucht. Aber das schafft die deutsche Nummer eins derzeit weder am Schießstand noch in der Loipe. Zudem kamen nach ihrem Staffelpatzer Selbstzweifel auf. Im Verfolger hatte sie dann nur die 26. Laufzeit, selbst die nicht so gute Läuferin Voigt war fast elf Sekunden schneller als sie. 

„Der letzte Schuss war nicht weit weg, aber daneben ist daneben und dann läuft man einfach hinterher“, sagte Preuß im ZDF. Insgesamt sind die Schützlinge von Bundestrainer Kristian Mehringer noch nicht in Olympia-Form, so wird es schwer mit Medaillen in Antholz. Aber: In Südtirol stand Preuß letzte Saison zweimal auf dem Podium, Grotian hatte es im Sprint als Zweite vor Preuß ebenfalls geschafft.

Preuß macht keine Pause

Preuß wird anders als Hettich-Walz, Tannheimer und Voigt sowie Nawrath, Zobel und Strelow ab Donnerstag im tschechischen Nove Mesto die Olympia-Generalprobe bestreiten. Auch der zuletzt erkrankt fehlende Horn kehrt zurück. 

„Ich brauche noch ein paar Rennkilometer“, sagte Preuß. Denn wegen einer Corona- und Grippeinfektion hatte sie im Dezember in Hochfilzen gefehlt. Ihr derzeitiges Motto: Nicht so viel an Erwartungen und Platzierungen denken, weil „unbewusst schwingt das vielleicht doch mehr mit, als ich denke“.

Sportdirektor mit Zweckoptimismus

Sportdirektor Felix Bitterling bleibt dennoch optimistisch. Preuß sei „absolut da, wo es darum geht, das Bärenfell zu verteilen und wenn sie in Antholz dann noch zwei Plätze besser ist, strahlt jeder“, hatte er nach dem Sprint gesagt.

Auch bei den Männern, die in Oberbayern Staffel-Dritte wurden, sei er trotz der Dominanz der Norweger, Franzosen und Schweden zuversichtlich. „Ich glaube, dass wir uns nicht kleiner machen müssen, als wir sind“, sagte der 48-Jährige. Man müsse „halt einfach irgendwann durchgehen“, wenn die internationale Top-Konkurrenz mal „ein bisschen die Tür“ aufmache.

Bei Olympia dabei: Selina Grotian.

Bei Olympia dabei: Selina Grotian. Foto: Sven Hoppe/dpa

 Lou Jeanmonnot bejubelt ihren nächsten Sieg.

Lou Jeanmonnot bejubelt ihren nächsten Sieg. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel