Regierung und Opposition ringen um Zukunft der Bühnen
Kulturministerin Dorit Stenke (CDU) will eine Bestandsaufnahme der Theaterlandschaft. (Archivbild) Foto: Frank Molter/dpa
Steigende Kosten, Sanierungsbedarf und knappe Kassen: Die Theater in Schleswig-Holstein stehen unter Druck. Was auf Landesebene jetzt zur Sicherung der Bühnen diskutiert wird.
Kiel. Steigende Kosten belasten die öffentlichen Bühnen. Die Opposition mahnt deshalb mehr Landeshilfe an, die Koalition will eine Bestandsaufnahme der kompletten Theaterlandschaft Schleswig-Holsteins vornehmem – öffentlicher wie privater Häuser. „Wir wollen wissen, wie wirksam die eingesetzten öffentlichen Mittel sind“, sagte Kulturministerin Dorit Stenke (CDU) im Landtag. Ziel sei es, verschiedene Szenarien für die künftige Struktur der Theaterlandschaft unter unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen zu entwickeln.
Der SSW hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, sein Antrag fand jedoch keine Zustimmung. „In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein gibt es für kulturelle Einrichtungen viele Herausforderungen, vor allem im ländlichen Raum“, sagte die SSW-Kulturpolitikerin Jette Waldinger-Thiering. „Wir glauben, dass es die Unterstützung der Landesregierung nun braucht.“ Ihre Kollegin Sybilla Nitsch wünscht sich von Schwarz-Grün „ein wenig mehr Ambition“. Weil es Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich seien, handele es sich nicht um Landesmittel. „Das ist keine echte Landesfinanzierung für die Theater.“ Faktisch beteilige sich das Land nicht an dem Solidarsystem.
SPD und FDP unterstützten den Vorstoß des SSW. Die Regierung verweigere den Theatern die notwendige Planungssicherheit, kritisierte Beate Raudies für die SPD. Das Landestheater sei „seit Jahren knapp bei Kasse, immer auf Kante genäht“. Die FDP-Abgeordnete Anne Riecke verwies darauf, dass öffentliche Theater nicht wie ein gewöhnliches Unternehmen gewinnorientiert geführt werden könnten. „Aber es ist legitim, zu fragen, wie Einnahmen verbessert werden können, ohne den Zugang zu Kultur zu erschweren.“
Mehr als 50 Millionen Euro
Die Mittel für die Theater in Kiel und Lübeck sowie das Landestheater mit seinen zehn Spielorten steigen jedes Jahr dynamisch um 2,5 Prozent an. „In Summe haben sich damit seit 2022 die finanziellen Mittel für die drei großen Häuser zusammen um über 20 Prozent auf über 51,8 Millionen Euro erhöht. Damit konnten unter anderem die höheren Tarifabschlüsse aufgefangen werden“, sagte die CDU-Kulturpolitikerin Anette Röttger. Das Land stehe zu seiner Verantwortung und halte Zusagen ein. „Ein kostendeckendes Wirtschaften war für die Theater im Land bisher nie möglich und wird es auch in Zukunft nicht sein.“
Die Grünen-Kulturpolitikerin Uta Röpcke betonte, „Theater allein retten nicht die Welt, aber sie können ihren Blick auf sie verändern“. Alle Theater stünden vor großen Herausforderungen. Das betrifft die öffentlichen Häuser genauso wie die kleinen und privaten Häuser. Notwendig sei eine verlässliche Förderung, dafür sei eine Bestandsaufnahme nötig. „Wir sollten die Ergebnisse abwarten.“
Ministerin Stenke will nach der Bestandsaufnahme über eine strategische Weiterentwicklung der Theaterlandschaft sprechen. Sie sicherte zu: „Wir sind ein Theaterland und wir wollen das auch bleiben.“
Flensburger Pläne
Die Intendantin des Landestheaters, Ute Lemm, warnte vor den Konsequenzen, falls die Stadt Flensburg ihre Beiträge deutlich senken sollte. „Die Stadt Flensburg denkt derzeit intensiv darüber nach, den Beitrag zur Landestheater GmbH deutlich zu reduzieren“, sagte Lemm den „Kieler Nachrichten“. Eine Senkung um fast die Hälfe des Beitrags der Stadt würde das Landestheater in große Bedrängnis bringen. Die Stadt Flensburg ist einer von 17 Gesellschaftern des Landestheaters.
Eine Sprecherin der Stadt Flensburg sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Stadt habe als größte Gesellschafterin vor dem Hintergrund der strukturellen Unterfinanzierung ein großes Interesse daran, die Finanzierung auf neue und solide Füße zu stellen. „Dazu muss und wird es Gespräche geben; jüngst war das Landestheater Gegenstand nicht öffentlicher Diskussionen im Hauptausschuss.“ Die Stadt Flensburg sehe insbesondere auch die Landesregierung in der Pflicht, „mit originär eigenen Mitteln“ und nicht nur mit Geld aus dem Kommunalen Finanzausgleich die Kultur- und Theaterlandschaft im nördlichen Landesteil zu stärken. „Die Stadt Flensburg bekennt sich zu ihrem Landestheater.“