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Leader-Region

Savoir-vivre auf der Geest: Brinkplatz in Hedendorf wird zur Boulebahn

Gefördert mit EU-Mitteln: Ortsbürgermeisterin Birgit Butter beim ersten Probewurf auf der Boulebahn am Brink in Hedendorf.

Gefördert mit EU-Mitteln: Ortsbürgermeisterin Birgit Butter beim ersten Probewurf auf der Boulebahn am Brink in Hedendorf. Foto: Vasel

Der Brinkplatz wird zum Bouleplatz. Mit EU-Fördermitteln entsteht in der Hedendorfer Ortsmitte ein Treffpunkt für Alt und Jung - mit Savoir-vivre.

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Von Björn Vasel
Montag, 30.03.2026, 10:50 Uhr

Hedendorf. Auch die Ortschaft Hedendorf profitiert von EU-Fördermitteln. Die beiden Buxtehuder Ortschaften Neukloster und Hedendorf sind Teil der Leader-Region Altes Land und Geestrand. Auf dem Brink an der Ecke von Harsefelder Straße und Dorfstraße arbeiten Handwerker der Zimmerei Bartsch aktuell an einem Pavillon, auch eine Boulebahn ist in dem Schatten der mächtigen Bäume in den vergangenen Wochen bereits angelegt worden. Ortsbürgermeisterin Birgit Butter (CDU) freut sich über den Baufortschritt.

Der Brinkplatz ist „der historische Mittelpunkt des Dorfes“. Große reetgedeckte Niederdeutsche Fachwerk-Hallenhäuser, teils im Kern barockzeitlich, aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen den Platz. 1335 sei ein Brinkplatz erstmals urkundlich erwähnt worden, allerdings noch am Osterberg. Die Ortschaft selbst ist in einer Urkunde des Alten Klosters vom 14. Oktober 1303 als Hedendorpe in die Geschichte eingetreten. Sechs Denkmäler stehen rund um den EU-geförderten Dorfplatz.

Die 20 Jahre alten Hinweistafeln zur Ortsgeschichte von Hedendorf werden wiederverwendet.

Die 20 Jahre alten Hinweistafeln zur Ortsgeschichte von Hedendorf werden wiederverwendet. Foto: Vasel

„Der Platz soll zum Treffpunkt werden, Jung und Alt zusammenführen“, sagt Butter. Knapp 75.000 Euro werden investiert, knapp 60.500 Euro steuert die Europäische Union bei. Auf dem Brink wird noch eine E-Bike-Ladestation installiert, vor dem Pavillon steht bereits eine Fahrradreparatursäule mit Werkzeug und Luftpumpe. Der Brinkplatz soll ins Rad- und Wanderwegenetz eingebettet werden.

Die Fahrradreparatursäule steht bereits am Brink in Hedendorf.

Die Fahrradreparatursäule steht bereits am Brink in Hedendorf. Foto: Vasel

In den Jahren 2004/2006 war der Brink in der Amtszeit von Ortsbürgermeister Gerd Beckmann (CDU) bereits umgestaltet worden. Unter anderem hatte sich seinerzeit der zwischenzeitlich aufgelöste Heimatverein De Hedendörper für das Projekt eingesetzt. Der Buchsbaumzünsler zerstörte den Bauerngarten. Die Info-Tafeln zur Ortsgeschichte bleiben stehen. Das Tannenbaumsingen findet hier alljährlich statt.

Französische Lebensart im Schatten der Eichen

Der Wunsch nach einem Bouleplatz kam aus der Bevölkerung. Butter will jetzt die Bäckerei Dietz und das Landhotel „Zur Eiche“ ansprechen. „Vielleicht könnten sich Gäste ein Boulespiel ausleihen und ein französisches Körbchen mit Baguette, Wein und Käse erwerben“, so Butter. Auch ein „Dîner en blanc“ könne sie sich zur Eröffnung vorstellen. Der Pavillon soll Schutz vor Regen und bei Sonne bieten und zum Verweilen einladen. Beleuchtet werde der Platz mit Blick auf die Nachbarn nicht.

Das Kugelspiel ist in Frankreich ein Volkssport. La Boule ist das französische Wort für Kugel. Diese werden aus der Hocke oder aus dem Stand ohne Anlauf gespielt. Die Franzosen kennen drei Wurftechniken: Rollen oder Kullern (Roulette), den halben Bogen (demi Portée) oder den ganzen Bogen (haute Portée).

Gespielt wird mit 700 Gramm schweren Stahlkugeln, durch Gravuren lassen sich diese unterscheiden. Ziel ist es, die Kugeln möglichst nah an die hölzerne Zielkugel (Schweinchen) zu legen oder aber die beste gegnerische Kugel von dort wegzuschießen. Für jede Kugel, die näher am Schweinchen liegt als die beste Kugel der Gegner, gibt es einen Punkt. Ein Spiel ist beendet, wenn ein Team 13 Punkte erreicht hat.

Das heutige Boulespiel gibt es seit mehr als 100 Jahren. Der aus dem südfranzösischen La Ciotat stammende Jules Le Noir war aufgrund seines Rheumas nicht mehr in der Lage, das Jeu Provençal mit drei Anlaufschritten zu spielen. Sein Freund Ernest Pitiot habe deshalb 1907/1910 das heutige Boulespiel entwickelt - ohne Anlauf mit geschlossenen Füßen (pieds tanqués). Die Vorläufer waren so populär, dass Karl IV. von Frankreich diese 1319 verbot. Er fürchtete, dass seine Bogen- und Armbrustschützen das Üben vergessen.

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Jochen Mextorf
30.03.202611:05 Uhr

Knapp 60.500 €uro "steuerte die EU bei." Sagen wir mal: ca. 120.000 €uro lieferte Berlin in Brüssel ab. Den Überschuss verfrühstückten die EUrokraten. Die "Fördermittel der EU" landen nun auf dem Dorfplatz in Hedendorf. Wunderbar.

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