Zähl Pixel
Finanzen

TSozialhilfekosten explodieren: Millionendefizit im Kreishaushalt erwartet

Landrat Kai Seefried bringt den Haushalt ein. Die Sozialhilfekosten sind explodiert und treiben den Landkreis Stade tief in die Verschuldung.

Landrat Kai Seefried bringt den Haushalt ein. Die Sozialhilfekosten sind explodiert und treiben den Landkreis Stade tief in die Verschuldung. Foto: Beneke

Geringe Mehreinnahmen und exorbitant steigende Ausgaben: So stellt sich die finanzielle Situation im Landkreis Stade dar. Das sind die konkreten Zahlen.

author
Von Karsten Wisser
Montag, 29.09.2025, 19:20 Uhr

Landkreis. Die Kosten für die Sozialhilfe und die Krankenhäuser treiben den Landkreis Stade weiter einer Rekordverschuldung entgegen. Bei der Einbringung des Haushaltsentwurfs für 2026 offenbarte Landrat Kai Seefried (CDU), dass erneut ein hoher Minusbetrag zu erwarten ist.

Der Landkreis wird 29 Millionen Euro weniger einnehmen als ausgeben. Das ist im Vergleich mit dem Jahr 2025 eine Verbesserung. In diesem Jahr liegt das zu erwartende Minus bei 39 Millionen Euro.

Keine neuen Stellen in der Kreisverwaltung

„Bereits in den hausinternen Beratungen konnte erreicht werden, dass das im Haushaltsentwurf 2026 dargestellte Defizit geringer ausgefallen ist, als noch vor einem Jahr in der mittelfristigen Finanzplanung prognostiziert“, sagte Landrat Kai Seefried (CDU). Wie im laufenden Jahr gibt es keinen Stellenzuwachs in der Kreisverwaltung. In Summe mit Abfallwirtschaft und Jobcenter - beide bekommen zwei Stellen mehr - baut der Landkreis Stade bei rund 1000 Beschäftigten eineinhalb Vollzeitstellen ab.

In der vierjährigen Amtszeit des Landrats sind 200 neue Stellen entstanden. 20 neue Stellen im Kernbereich der Verwaltung werden durch Kürzungen an anderer Stelle finanziert. Die Personalausgaben liegen bei 76,6 Millionen Euro, das sind 14,8 Prozent der Gesamtausgaben.

Rekord: So stark steigen die Schulden 2026

Kostentreiber für den Kreis und alle anderen Kreise in Niedersachsen sind die Kosten im sozialen Bereich. Alleine von 2022 bis 2024 sind die Kosten von 128 Millionen auf 163 Millionen Euro für den Kreis gestiegen. Der Eigenanteil, der vom Kreis selbst erwirtschaftet werden muss, stieg im gleichen Zeitraum von 17 auf 41 Millionen Euro an.

Die Schätzungen für 2025 und 2026 sagen eine Fortsetzung dieses Trends voraus. Die Verschuldung steigt für 2026 auf knapp unter 200 Millionen Euro. Das ist ein neuer Negativrekord.

Der Kreis plant große Investitionen in die Infrastruktur. 2026 werden alleine 32 Millionen Euro im Elbe Klinikum in Stade investiert. Weitere 15 Millionen Euro sind für die Sanierungsoffensive bei den Kreisstraßen eingeplant. Für das Jahr 2026 sind insgesamt Investitionen von 73 Millionen Euro geplant.

Lasten auf die kommunale Ebene abgewälzt

„Die Entwicklung des Haushaltsplanes ist im Wesentlichen durch eine zunehmende Belastung im Bereich Soziales, Familie und Gesundheit geprägt. Lasten, die immer mehr auf die kommunale Ebene abgewälzt werden und die uns über die Leistungs- und Belastungsgrenze hinaus bringen“, sagt Seefried bei der Vorstellung des Entwurfs für 2026.

Leidtragende dieser Entwicklung sind auch die Städte und Gemeinden im Landkreis Stade. Sie finanzieren die Kreisaufgaben über die Kreisumlage mit. Für 2026 soll der Satz auf 49 Prozentpunkte ansteigen. Das beschert dem Landkreis Stade eine Mehreinnahme von 3,6 Millionen Euro.

„Selbst mit einer solchen Anhebung kann eine Deckung des Haushaltes nicht erreicht werden“, sagt Seefried. Stade und Buxtehude zahlen zusammen dabei etwas mehr als die Hälfte der 3,6 Millionen Euro. Der Rest verteilt sich auf die Samtgemeinden und Gemeinden.

Kreissteuer-Erhöhung trifft alle Kommunen

Weitere Erhöhungen auf 50 und 51 Prozentpunkte sind für die Folgejahre eingerechnet. Für 2026 plant der Kreis mit Einnahmen von knapp 170 Millionen Euro aus der Kreisumlage. Sie ist die einzige nennenswerte Finanzierungsmöglichkeit, die der Kreis selbst festlegen kann. Der Rest sind Überweisungen von der Bundes- und Landesebene. Der Landkreis darf zum Beispiel nicht einfach die Müllgebühren erhöhen. Dort darf gesetzlich festgelegt kein Gewinn gemacht werden.

Wie bereits im letzten Jahr verdeutlichen diese Zahlen, dass die negative Haushaltsentwicklung im wesentlichen durch Bund, Land und übergeordnete Faktoren beeinflusst wird

Kai Seefried, Landrat

Insgesamt werden 2026 Einnahmen von 488,5 Millionen Euro Ausgaben von 517,8 Millionen Euro gegenüber stehen. „Wie bereits im letzten Jahr verdeutlichen diese Zahlen, dass die negative Haushaltsentwicklung im Wesentlichen durch Bund, Land und übergeordnete Faktoren beeinflusst wird“, sagt Seefried.

Ganztagsschule treibt die Kosten hoch

Wie die Kosten aufgrund von neuen Vorgaben steigen, zeigt das Beispiel Ganztagsschule. Im kommenden Jahr müssen alle Kommunen verpflichtend für die erste Klasse ein Ganztagsangebot bereitstellen. Da der Landkreis als Träger der Jugendhilfe dabei mit im Boot ist, wird der Kreis in der Ferienbetreuung Mehrkosten von 1,3 Millionen Euro haben.

In einer ersten Version war an einer Stelle von Milliarden und nicht von Millionen die Rede. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

I
Ilse Berdien
30.09.202522:23 Uhr

Die öffentliche Hand muss endlich lernen mir unserem Geld vernünftig umzugehen . Diese können auch nur das Ausgeben was sie auch einnehmen.
Immer die punkte erhöhen ist auch keine Lösung .
Die Wahlgeschenke der Parteien haben doch keinen Sinn . Wenn hinterher vorne und hinten das Geld nicht reicht !

H
Harald Widera
30.09.202510:11 Uhr

Es wäre für die geneigte Leserschaft ganz hilfreich, mal zu lesen, wie sich denn diese "exorbiant steigenden Ausgaben" im Detail darstellen lassen. Vielleicht kann der Herr Redakteur da mal ein Schaubild besorgen bzw. erstellen (lassen). So pauschal ist das ziemlich grobschlächtig und haut u. U. in die Kerbe der Leute, denen sowieso jeder Euro im Sozialhaushalt einer zuviel ist. - Harald Kaiser

S
Stefan Klein
29.09.202521:19 Uhr

Wenn dem so ist, dass der Bund immer mehr Lasten auf die kommunale Ebene abwälzt und die Kommunen über ihre Belastungsgrenze bringt, dann sollte der Landkreis dem Bund vielleicht mal ganz frech die Rechnung dafür schicken. Das wird keinen Aussicht auf Erfolg haben – aber vielleicht wäre es als symbolischer Akt eine Art Weckruf, dass sich dringend etwas ändern muss in diesem Land.

H
Helmut Wiegers
29.09.202520:02 Uhr

"Insgesamt werden 2026 Einnahmen von 488,5 Milliarden Euro Ausgaben von 517,8 Milliarden Euro gegenüber stehen." Wirklich Milliarden, Herr Wisser?

M
Michael Von Allwoerden
29.09.202520:01 Uhr

Das kommt davon wenn ein so kleiner Landkreis wie Stade meint gleich zwei Krankenhäuser zu tragen, grün Abfälle um sonst macht.Mehr Flüchtlinge als muss aufzunehmen! Dafür immer neue Stellen schafft und hoch bezahltes Personal einstellt !Den Wildmüll von Firma Albers machen lässt die gewiss auch nicht für ein Apfel und Ei arbeitet und ertappt Windmüll Erzeuger nicht voll bestraft! Nur weil es Personen sind die von den Sozialkasse leben. Dieses ist nur ein kleiner Teil der Verschwendungen der sich der Landkreis und Landrat leisten.

<< < 1 2 > >> 
Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel